
Dazu schreibt die chinesische Zeitung WENHUI BAO: "Die EU-Staats- und Regierungschefs haben es nicht leicht, die richtigen Weichen für den nächsten Finanzrahmen zu stellen. Einerseits treiben die steigenden Energiepreise sowohl die Lebenshaltungskosten der Bürger als auch die Ausgaben der Unternehmen in die Höhe. Andererseits schränken steigende Zinsen und die hohen Schulden der öffentlichen Haushalte den finanzpolitischen Handlungsspielraum der Regierung erheblich ein. Zudem wird die EU ihre Unterstützung für die Ukraine und ihren Druck auf Russland weiter verstärken, nachdem Washington und Moskau erneut direkte Vereinbarungen getroffen haben, ohne Europa einzubeziehen. Der EU-Gipfel muss nun Wege aus diesem Dilemma finden. Langfristig wird Europa nicht umhinkommen, seine Investitionen in die strategische Unabhängigkeit im Energiebereich zu verstärken", ist WENHUI BAO aus Shanghai überzeugt.
Der FIGARO aus Frankreich beleuchtet die verhärteten Fronten in den EU-Haushaltberatungen: "In diesen Zeiten finanzieller Engpässe ist die Spannung zwischen Paris und Berlin auf ihrem Höhepunkt. Bundeskanzler Merz führt die Gruppe jener Länder an, die Brüssel auf Sparflamme setzen wollen. Die Kluft zwischen denjenigen, die in vollem Umfang von der Großzügigkeit Brüssels profitieren, und denen, die auf ihre Finanzen achten und es satt haben, die Zeche zu zahlen, wird immer größer. Es ist keineswegs schockierend, dass dieses Thema in Frankreich im Wahlkampf um die Präsidentschaft angesprochen wird. Wenn man überall nach Geld sucht, ist es nicht verboten, sich zu fragen, ob sich die 30 Milliarden Euro, die in diesem Jahr als Beitrag zum europäischen Haushalt gezahlt wurden, wirklich lohnen. Unsere Landwirte haben keineswegs die Absicht, auf die Gemeinsame Agrarpolitik der EU zu verzichten. Der große Fehler wäre jedoch, den Wählern die Hoffnung zu verkaufen, dort einen Schatz zu finden, der ihnen jede Anstrengung ersparen würde, Frankreich aus der Sackgasse zu befreien", kommentiert LE FIGARO aus Paris.
Die finnische Zeitung AAMULEHTI aus Tampere mahnt zur Eile: "Über den EU-Finanzrahmen muss rasch eine Eingiung gefunden werden, denn spätestens im nächsten Frühjahr ist die Frist abgelaufen: Dann stehen in Frankreich Präsidentschaftswahlen an, und Marine Le Pen hat die Kürzung der französischen Beiträge zu ihrem Wahlkampfthema gemacht."
Der EU-Gipfel hat auch darüber beraten, wie die Europäische Union sich wirtschaftlich besser gegen China zur Wehr setzen kann. Das ist Thema in der belgischen Zeitung DE TIJD: "Der unlautere Wettbewerb aus China droht die europäische Industrie vom Weltmarkt zu verdrängen. Einige Branchen sind bereits jetzt von der Flut billiger Importe aus China schwer getroffen, die häufig großzügig subventioniert werden. Die EU versucht, den Strom chinesischer Exporte durch Zölle und Antidumpingmaßnahmen einzudämmen. Dabei waren sich die Mitgliedstaaten allerdings lange Zeit nicht einig. Vor allem Deutschland verhinderte ein hartes Vorgehen, da es seine eigenen Exportinteressen in China nicht aufs Spiel setzen wollte. Doch inzwischen leidet die deutsche Industrie so sehr, dass Berlin seinen Widerstand aufgegeben hat.", vermerkt DE TIJD aus Brüssel.
Mit Sorge beobachtet die polnische RZECZPOSPOLITA die militärische Entwicklung in der Ukraine, die seit mehr als vier Jahren nach Russlands Angriff Widerstand leistet und auf Unterstützung der westlichen Partner angewiesen ist: "Morgen könnte jedoch die Haltung einer Marine Le Pen in Frankreich oder der deutschen AfD zu einer Herausforderung werden. Vieles deutet darauf hin, dass die Länder Westeuropas – beeinflusst durch den Geist des Mottos 'America First' – einen Weg des nationalen Egoismus einschlagen könnten. Für Polen ist dies eine beängstigende Aussicht. US-Präsident Trump verschafft dem russischen Präsdenten Putin neuen Spielraum: Er übt Druck auf die Ukraine aus, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen und hebt Sanktionen gegen den Export von russischem Diesel auf", konstatiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die britische TIMES aus London hält fest: "Vor einem Jahrzehnt wäre es undenkbar gewesen, dass Amerika eine europäische Demokratie im Stich lässt, die gezielt angegriffen wird. Das ist heute nicht mehr so, wie der Umgang von Präsident Donald Trump mit der Ukraine auf traurige Art und Weise deutlich gemacht hat."
Nach Einschätzung der schwedischen Zeitung DAGENS INDUSTRI ist Russlands wirtschaftliche Lage katastrophal, nicht zuletzt wegen internationaler Sanktionen und Kosten für den Krieg: "An der Front läuft es schlecht, und der Ukraine gelingt es, militärische Ziele und Energieanlagen weit weg von der Grenze anzugreifen. Als Reaktion hat Russland jetzt begonnen, die Logistik von Europa für die Ukraine anzugreifen. Russland will Angst verbreiten, die Kosten für die Unterstützung der Ukraine in die Höhe treiben und russlandfreundliche Parteien unterstützen, aber auch physisch die Lieferung von Militärmaterial an die Ukraine verhindern." Das war DAGENS INDUSTRI aus Stockholm.
Die spanische Zeitung EL PAIS nennt das Vorgehen der US-Regierung einen Verrat am ukrainischen Staatschef Selenskyj: "Trump hat Sanktionen gegen russisches Dieselöl aufgehoben und gedroht, die Zusammenarbeit mit der Ukraine im Bereich der Geheimdienstversorgung zu beenden. Dann wurde auch noch die Signalstärke der Starlink-Satelliten des Unternehmers Elon Musk gedrosselt, was entscheidende Folgen für die Lage auf dem Schlachtfeld hat. Hinzu kommen die Forderungen nach einem Rücktritt Selenskyjs. Das alles unterstreicht Trumps Bereitschaft, die Schwachen auszunutzen und dem Aggressor zuzujubeln . Das ist nicht nur ein moralischer Tiefpunkt, sondern auch ein strategisches Versagen", urteilt EL PAIS aus Madrid.
Die BANGKOK POST befasst sich mit der Jahrestagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds in Thailand. Dort wurden Leitlinien zur Bekämpfung von Cyberkriminalität festgelegt. Die BANGKOK POST führt aus: "Dieses globale Rahmenwerk spiegelt das Bestreben der thailändischen Regierung, das südostasiatische Land als Vorreiter in der internationalen Kampagne gegen Finanzbetrüger zu positionieren. Thailand befindet sich allerdings in einer Zwickmühle. Von Kambodscha, Laos und Myanmar aus agieren Kriminelle und betreiben Menschenhandel. Arbeiter aus Thailand werden mit falschen Versprechen nach Myanmar und Kambodscha gelockt, wo sie zu Finanzbetrug gezwungen und mit Folter bedroht werden. Den thailändischen Behörden gebührt Anerkennung dafür, dass sie stärker dagegen vorgehen. Dennoch gleicht die Strategie zur Verbrechensbekämpfung nach wie vor dem Versuch, mit wenigen Katzen viel zu viele Mäuse zu jagen. Die jetzt getroffene Vereinbarung, der sogenannte 'Bangkok Blueprint' ist ein guter Anfang, um das internationale Ansehen Thailands zu stärken. Doch er wird ein Papiertiger bleiben, solange die Behörden nicht gegen die Netzwerke der Betrüger vorgehen", meint die BANGKOK POST.
In der thailändischen Hauptstadt Bangkok haben sich auch die Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten getroffen. Damit befasst sich die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN: "Hinter den Kulissen soll sich China beklagt haben, dass die stark gestiegenen Zinsen für Staatsanleihen der führenden Industrieländer negative Folgen auch für China hat. Beim letzten G20-Finanzministertreffen Ende August waren die Rollen noch umgekehrt: Es war China, das im Abschlussdokument namentlich wegen seines Handelsbilanzüberschusses und seiner Export-Beschränkungen wichtiger Metalle kritisiert wurde. Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist nun eine Runde des G20-Finanzministertreffens ohne gemeinsames Statement zu Ende gegangen", bemerkt NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
