17. Oktober 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Kommentaren zum EU-Gipfel in Brüssel, zum Verhältnis zwischen den USA und der Ukraine sowie zum Rückzug der Pressesprecherin von US-Präsident Trump, Zacharia.

Die neue Pressesprecherin des Weißen Hauses Katie Zacharia
Ein Thema: Der Rückzug von Katie Zacharias als Sprecherin des Weißen Hauses (Archivbild). (Getty Images via AFP / TERRY WYATT)
Die polnische Zeitung POLITYKA beschäftigt sich mit dem EU-Gipfel und den Folgen des jüngsten Kurswechsels von Trump gegenüber Russland: "Brüssel setzt derzeit darauf, diese erneute Pro-Putin-Wendung des US-Präsidenten einfach auszusitzen. EU-Beamte, die für die Beziehungen zum Weißen Haus zuständig sind, betonen, es gebe bislang keine Anzeichen dafür, dass Trumps Kurswechsel in der Diesel-Frage eine dauerhafte Abkehr der US-Politik gegenüber Russland darstelle. Sie sind der Ansicht, dass durchaus die Chance besteht, dass das Weiße Haus zu einer Haltung zurückkehrt, die Kiew wieder wohlwollender gegenübersteht", schreibt POLITYKA aus Warschau.
Die finnische Zeitung HELSINGIN SANOMAT sorgt sich ebenfalls um die Folgen des Kurswechsels in Washington für Europas Sicherheit: "Militärisch wird Europa stärker, aber politisch wird es schwächer. Das ist gefährlich, erst recht in einer Zeit, in der Europa endlich in der Lage sein sollte, die Verantwortung für seine eigene Sicherheit zu übernehmen. Schließlich wird die europäische Sicherheitsordnung durch den russischen Angriffskrieg bedroht: Russland versucht nicht nur, die Grenzen der Ukraine gewaltsam zu verändern, sondern auch, die Politik weiterer europäischer Länder zu bestimmen. Gleichzeitig ist in den vergangenen Tagen erneut deutlich geworden, dass die USA nicht auf der Seite der Ukraine stehen. Das Problem des Zirkus Trump kann letztlich nur von der Demokratie in den USA gelöst werden, aber wir müssen auch hinter die Manege blicken und uns der Erkenntnis stellen, dass eine Vertrauenskrise herrscht und sich die Interessen der USA in Europa dauerhaft verändert haben", betont HELSINGIN SANOMAT aus Helsinki.
Die dänische Zeitung BERLINGSKE fordert mehr Eigenständigkeit der Europäer: "Es ist so weit: Europa muss Putin allein bekämpfen. Schließlich besteht kein Zweifel mehr daran, dass die USA auf der Seite Russlands stehen. Dieser moralische Bankrott und diese offensichtliche Heuchelei sagen alles über Trumps Haltung. Deshalb muss Europa jetzt den USA die Stirn bieten. Wir müssen Trumps Lügen deutlich benennen, und wir müssen Putin bekämpfen, indem wir die Ukraine weiterhin wirtschaftlich und militärisch unterstützen. Europa hat noch immer viele Möglichkeiten und ist Russland wirtschaftlich und militärisch überlegen. Aber es fehlt Europa eben noch an Zusammenhalt und Entscheidungskraft. Aber auch wenn die Aufgabe für Europa enorm ist: Es ist immer noch die richtige Aufgabe. Und was wäre die Alternative? Die Unterwerfung unter Trumps barbarischen Willen und Putins blutige Eroberungslust?". Das war BERLINGSKE aus Kopenhagen.
Die niederländische Zeitung NRC sieht den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine nur als ersten Schritt von Putins größerem Projekt: "Die dritte Etappe besteht darin, Einfluss auf die europäische Sicherheitsarchitektur zu erlangen. Er will den Europäern Angst machen, damit sie Abmachungen mit ihm treffen. Das tut er unter anderem, indem er zeigt, dass die amerikanische Sicherheitsgarantie wertlos ist und die USA ihren früheren Verbündeten eben nicht zu Hilfe kommen. Der Kreml will Europa von Amerika trennen. Dass Putin damit bereits ein gutes Stück vorangekommen ist, zeigen in dieser Woche das Dieselabkommen mit Trump und die Drosselung von Starlink über der Ukraine. Wenn die Ukraine fällt, wird Putin zur nächsten Etappe übergehen. Das Aufwärmen dafür hat bereits begonnen", hebt NRC aus Amsterdam hervor.
Die britische Zeitung THE INDEPENDENT konstatiert: "Der unheimliche psychologische Einfluss, den der neuzeitliche russische Zar auf den amerikanischen Präsidenten ausübt, ist eines der großen Rätsel des 21. Jahrhunderts. Aber er ist real und von erheblicher Bedeutung für den Verlauf dieses Krieges. Und zwar nahezu unabhängig davon, wer im nächsten Monat in den USA die Zwischenwahlen gewinnt und den Kongress kontrolliert. Denn Trump wird Oberkommandierender der US-Streitkräfte bleiben und weiterhin für die US-Außenpolitik verantwortlich sein. Sosehr der ukrainische Präsident Selenskyj auch betrogen wurde, er muss versuchen, die Beziehungen zu Trump und anderen, sympathischeren Persönlichkeiten in Washington wieder aufzubauen. Das ist er seinem Volk schuldig", findet THE INDEPENDENT aus London.
Die KYIV POST wirft US-Präsident Trump vor, mit seinen Forderungen an die Ukraine letztlich russischen Interessen entgegenzukommen: "Trumps wiederholte Drohungen, die militärische Hilfe einzustellen und Kiew zu einer sofortigen, ungleichen Einigung mit Putin zu zwingen, spiegeln den Instinkt wider, Moskau entgegenzukommen und gleichzeitig einen demokratischen Partner im Stich zu lassen, der unter Beschuss steht. Für einen Politiker, der sich häufig als Meister der Verhandlungskunst präsentiert, wirkt dies weniger wie eine kluge Verhandlungsstrategie als vielmehr wie eine vorzeitige Kapitulation. Ein Verzicht auf die Ukraine würde die westliche Abschreckung weltweit zunichtemachen. Autoritäre Regime in Peking, Teheran und Pjöngjang beobachten Washingtons Entschlossenheit genau", hält die KYIV POST fest.
Die österreichische Zeitung DER STANDARD geht auf die Verhandlungen über den künftigen EU-Haushalt ein: "Nun könnte man meinen, dass es für die Regierungen gar nicht so schwer sein kann, aus einem rationalen Ansatz einen zwar wieder etwas abgespeckten, aber zukunftsfitten Budgetrahmen zu bauen. Weit gefehlt. Ganz auf ihre egoistischen Interessen bedacht, begann beim EU-Gipfel ein Hauen und Stechen der Staaten um ihre Pfründe. Nettozahler wie Deutschland und Österreich spielen ihre alte Platte ab, dass sie viel mehr in die gemeinsame Kasse einzahlen, als sie herausbekommen. Auf der anderen Seite stehen jene Staaten im Süden und Osten, die durch üppige EU-Mittel aus alten Zeiten wie Agrar- und Regionalförderung maximalen Gewinn schlagen. Sie wollen ihre Subventionen um jeden Preis erhalten. Sehr kurzsichtig. Denn nun soll an anderen Stellen gespart werden: bei Mitteln für mehr Wettbewerbsfähigkeit, globale Politik sowie für die äußere und innere Sicherheit", lesen wir im STANDARD aus Wien.
Die neue Pressesprecherin von US-Präsident Trump, Katie Zacharia, gibt ihr Amt nach nur wenigen Tagen wieder auf. Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN bemerkt dazu in einem Gastkommentar: "Egal ob Zacharia, Ex-Heimatministerin Noem oder Ex-Arbeitsministerin Chavez-DeRemer: Alle bisherigen Entlassungen durch Trump haben Gemeinsamkeiten. Wenn Trump findet, die Medienberichte über die Person oder die Reaktion der Person selbst hätten Trump beschämt, muss diese Person gehen. Die Benennung für Zacharia war Trumps alleinige Entscheidung. Wäre Trumps bekannte Beraterin Susie Wiles für diese Personalentscheidung vorher involviert gewesen, wäre solch eine Entlassung nach einer ultrakurzen Amtszeit vermeidbar gewesen. Gleichzeitig wird aber auch über die Entlassung von Susie Wiles spekuliert. Alles scheint auch die Risse im Fundament der Trump-Regierung zu symbolisieren", vermutet NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die Zeitung USA TODAY aus New York fragt in ihrer Online-Ausgabe: "War Zacharias erste Pressekonferenz eine Katastrophe, bei der sie nur drei Fragen beantwortete und offenbar Schwierigkeiten mit dem 'Sprechen' als 'Sprecherin' hatte? Ja. Hat sie sich jahrelang als Anwältin bezeichnet, obwohl sie nach ihrem Jurastudium tatsächlich nie das Anwaltsexamen bestanden hat? Auch ja. Doch an Zacharias’ Loyalität zu Präsident Trump gab es nie Zweifel, ebenso wenig wie an ihrer Bereitschaft, absurde Lügen zu verbreiten, um seine Regierung zu unterstützen. Das ist Propaganda auf höchstem Niveau, und sie gibt uns einen Einblick darin, was wir mit Zacharias Entlassung verloren haben", urteilt USA TODAY zum Ende dieser internationalen Presseschau.