
Dazu schreibt die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT: "Es ist positiv, dass der russische Präsident Putin gestern den US-Sondergesandten Witkoff in St. Petersburg empfangen hat: Schließlich ging es um einen Frieden in der Ukraine. Außerdem war es wichtig für die Ukraine, Finnland und ganz Europa, dass Witkoff vorher einen Zwischenstopp in Oslo einlegte und dort mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj zusammentraf. So reiste er nicht völlig unvorbereitet zu Putin weiter. Immerhin hatte die harsche Kritik von US-Präsident Trump an Selenskyj schon die Befürchtung geweckt, die Ukraine werde allenfalls einen von Großmächten diktierten Frieden erhalten. Aber diese Gefahr ist keineswegs gebannt. Die Regierung Trump ist im Vorfeld der Zwischenwahlen im Chaos versunken. Erst danach wird sich zeigen, in welche Richtung die Politik der USA gehen wird", erwartet ILTA-SANOMAT aus Helsinki.
"Die Welt nach Trump. Die Starken herrschen, die Schwachen sind dankbar, dass sie noch leben", titelt die polnische RZECZPOSPOLITA: "Seit Beginn von Trumps Präsidentschaft sind die amerikanischen Gespräche mit dem russischen Staatschef stets von dem Versuch begleitet, den Aggressor moralisch aufzuwerten und das Opfer herabzuwürdigen. Einerseits mag dahinter der Wunsch stecken, Putin milde zu stimmen. Das zentrale politische Problem ist für Trump aber der festgefahrene Konflikt mit dem Iran. Um Teheran endlich in die Knie zu zwingen, ist er zu vielem bereit. Auf diesem blutigen Schachbrett trägt einer der Bauern den Namen 'Ukraine', und er ist bereit, ihn zur Erreichung seines Ziels zu opfern", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA meint zu möglichen Friedensverhandlungen: "Der ukrainische Präsident Selenskyj betrachtet ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Putin als Mittel zur Einigung. Moskau sieht das anders: Für Putin bedeutet ein solches Treffen die Unterzeichnung bereits ausgehandelter Vereinbarungen. In Moskau ist man sich des Sieges – auf welchem Weg auch immer – sicher. Und US-Präsident Trump hat bereits geäußert, dass es für ihn einfacher sei, mit Putin zu verhandeln als mit Selenskyj – die Dieselkrise sei dafür ein Beleg. Trumps Ansicht nach muss nun die Ukraine Kompromisse eingehen", erklärt die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Das WALL STREET JOURNAL aus den USA kommentiert in diesem Zusammenhang die Freilassung des US-Bürgers Stephen Hubbard. Er war vor vier Jahren in der Ukraine von russischen Soldaten verhaftet worden. "Es gibt keinen Grund, Putin dankbar zu sein, der westliche Geiseln als Teil seiner Staatsführung einsetzt. Er nimmt jemanden fest, erhebt fingierte Anschuldigungen gegen ihn, lässt ihn in einem manipulierten Gerichtsverfahren verurteilen und lässt ihn dann zu einem für ihn günstigen Zeitpunkt frei oder tauscht ihn gegen eine oder mehrere andere Personen aus. Und Steve Witkoff, Trumps Chefunterhändler mit Russland, nannte in Moskau Präsident Putin dafür einen Menschenfreund", mokiert sich das WALL STREET JOURNAL aus New York.
Kommen wir zu den Ausschreitungen in Frankreich. Die norwegische Zeitung VERDENS GANG aus Oslo erklärt: "Ehrwürdige alte Gebäude brennen, ganze Straßenzüge sind verwüstet. Die Schuld wird unter anderem der Einwanderung zugeschoben. Auch Vertreter der MAGA-Bewegung und der europäischen Ultrarechten gehen zum Angriff auf afrikanische Muslime über. Propaganda gelingt am besten, wenn sie tatsächliche Probleme ausnutzt und verstärkt. Frankreich hat große Probleme, aber dazu gehören weder ein Bürgerkrieg noch dschihadistische Aufstände. Die Menschen protestieren gegen steigende Lebenshaltungskosten, schlechte Schulen und Politiker ohne gute Antworten, und gewaltbereite Aktivisten und Plünderer nutzen die Situation aus", analysiert VERDENS GANG aus Oslo.
Die thailändische BANGKOK POST sieht es so: "Es sind Szenen eines Landes, das aus den Fugen gerät. Das liegt nicht allein daran, dass die Staatsfinanzen oder das politische System des Landes zerrüttet sind – auch wenn beides der Fall ist. Tiefergreifend ist der Zusammenbruch jener Versprechen, die das Land eigentlich zusammenhalten sollten: das Versprechen, dass das Land als umfassender Versorgungsstaat fortbestehen kann, ohne sich als dynamische und unternehmerisch orientierte Nation im Wettbewerb behaupten zu müssen. Dieses Versprechen war nie wirklich tragfähig, auch wenn es bemerkenswert ist, wie hartnäckig die Franzosen an ihm festgehalten haben", heißt es in der BANGKOK POST.
Die libanesische Zeitung AN NAHAR erinnert daran, dass es Proteste in vielen europäischen Ländern gibt: "Europa lebte lange nach einer unausgesprochenen Übereinkunft: Für die Sicherheit sorgte Washington, die Energie kam aus Moskau, und der Sozialstaat sicherte den gesellschaftlichen Frieden. Dann versiegten die russischen Gaslieferungen, im Februar brach der Krieg mit dem Iran aus, die Straße von Hormus wurde blockiert. In der Folge verdoppelte sich der Dieselpreis, der Gaspreis stieg um 140 Prozent. Im Hintergrund wartet Moskau. Jeder zusätzliche Euro, den Europa für Brennstoffe ausgeben muss, stärkt jene, die eine Rückkehr zum russischen Gas fordern. Washington unterstützt die europäische Rechte, die ihrerseits dem Kreml die Hand entgegenstreckt. Amerika untergräbt eigenhändig die politische Mitte Europas – und damit die politische Ordnung seines engsten Verbündeten. Dies ist kein 'europäischer Frühling', sondern der Herbst der politischen Mitte", befürchtet AN NAHAR aus Beirut.
Die EU will ihre Abhängigkeit von Importen aus China verringern. Bundeskanzler Merz spricht sich dafür aus, notfalls den Zugang zum europäischen Markt zu regulieren. Das stößt auf Kritik in der chinesischen Zeitung HUANQIU SHIBAO: "Dass Deutschland, einst der größte Profiteuer der wirtschaftlichen Globalisierung und entschiedene Befürworter des Freihandels, nun handelspolitische Schutzinstrumente einführen will, sorgt für großes Erstaunen. Mit diesem Kurs-Wandel stellt Deutschland faktisch wesentliche Grundlagen seines eigenen Wirtschaftsmodells infrage. Deutschland zeigt sich verunsichert angesichts des strukturellen Drucks. Zu nennen sind der demografische Wandel, der Rückstand bei der digitalen Transformation oder die Abwanderung traditioneller Industriezweige infolge des Wegfalls günstiger russischer Energie. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass die deutsche Wirtschaft stagniert oder sogar in eine Rezession gerät. Es ist heuchlerisch und wird nicht helfen, dem Wettbewerb aus China die Schuld für die eigenen grundlegenden Probleme zu schieben. Dieser Kurs könnte sich als 'Bumerang' erweisen, der letztlich auf Deutschland selbst zurückfällt", warnt HUANQIU SHIBAO aus Peking.
Zuletzt noch ein Kommentar aus Südafrika. Die Zeitung THE HERALD moniert, dass die südafrikanische Regierung Gelder für die Ernährung von Kleinkindern zurückhält: "Das Bildungsministerium befindet sich in der tragischen Lage, Millionen Rand an die Staatskasse zurückzuzahlen, während Kleinkinder hungern. UNICEF berichtete 2024, dass 23 Prozent der Kleinkinder in Südafrika in extremer Armut leben. Hinter dieser Statistik stehen Kinder, deren Bedürfnisse nicht bis zum nächsten Haushaltsjahr warten können. Dennoch ist es dem Bildungsministerium nicht gelungen, ein Pilotprojekt zur Ausgabe von Mahlzeiten in Einrichtungen für Kleinkinder zu realisieren - obwohl die Finanzierung gesichert ist. Die Ausschreibung wurde bereits achtmal verschoben. Das ist ein Versagen gegenüber den Kindern, denen diese Mittel zugutekommen sollen. Das Recht eines Kindes auf Nahrung darf nicht davon abhängen, ob eine Behörde ihre Unterlagen rechtzeitig fertigstellt", fordert die Zeitung THE HERALD aus Johannesburg zum Ende der Internationalen Presseschau.
