23. Oktober 2026
Die internationale Presseschau

Mit Stimmen zu den Protesten in Frankreich und anderen europäischen Ländern und zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Zunächst geht es aber um die Schwachstellen bei der Computersprache PHP.

Die Website der PHP Foundation. In der Programmiersprache PHP wurden Sicherheitslücken entdeckt, die es Angreifern ermöglichen, die Kontrolle über Server zu erlangen.
In der Programmiersprache PHP wurden Sicherheitslücken entdeckt, die es Angreifern ermöglichen, die Kontrolle über Server zu erlangen - das ist eins der Kommentarthemen in den Zeitungen aus dem Ausland. (picture alliance / ANP / ROB ENGELAAR)
Die polnische RZECZPOSPOLITA schreibt dazu: "Zwei kritische Sicherheitslücken in der Programmiersprache PHP, auf der fast drei Viertel aller Websites weltweit basieren, haben eine globale Krise der digitalen Sicherheit ausgelöst. Die Sicherheitslücken ermöglichen es Kriminellen potenziell, aus der Ferne auf anfällige Systeme zuzugreifen – ganz ohne Passwort. Es ist so, als würde man feststellen, dass Millionen von Gebäuden mit demselben fehlerhaften Schloss ausgestattet sind – nun versuchen alle fieberhaft, es auszutauschen, bevor jemand herausfindet, wie sich die Tür damit öffnen lässt", notiert RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Nach Meinung des STANDARD aus Österreich handelt es sich um einen ... "... Vorgeschmack auf eine neue Normalität. Es ist eine Realität, über die man in der Branche nicht so gerne spricht: Jedes Stück komplexer Software ist voller Sicherheitslücken. Die Gründe dafür reichen von der Nutzung veralteter Technologien über das jahrzehntelange Mitschleppen von Code, bei dem niemand mehr so richtig weiß, wie er funktioniert. Aber auch dem Umstand, dass es sich dabei oft um sehr simple Fehler handelt, die für menschliche Augen schwer zu entdecken sind. Nun ist all das wahrlich kein Geheimnis. Mit ausreichend Interesse hätte man es also ändern können. Das wäre sinnvoll gewesen – aber ohne akute Bedrohung natürlich undenkbar. Solange nichts passiert, gibt es kein Budget", hält DER STANDARD aus Wien fest.
Der britische GUARDIAN verlangt: "Unternehmen müssen wissen, welche Software sie nutzen und wer für die Problembehebung verantwortlich ist. Außerdem braucht es eine angemessene Finanzierung. Es gibt durchaus Anlass für Optimismus. Die PHP Foundation hat mehr Mitarbeiter eingestellt und nutzt KI, um zu entscheiden, was wichtig ist und was nicht. Doch es muss noch mehr geschehen. Die großen Tech-Unternehmen, die mit kostenloser Open-Source-Software Milliarden verdienen, sollten einen angemessenen Beitrag zu deren Wartung leisten. Regierungen sollten dasselbe tun, anstatt darauf zu hoffen, dass eine Handvoll erschöpfter Entwickler den Betrieb auf unbestimmte Zeit am Laufen hält", vermerkt THE GUARDIAN aus London.
Der SYDNEY MORNING HERALD geht auf die Proteste in Frankreich ein: "Der Zusammenbruch der Ordnung ist dermaßen weit verbreitet, und die sinnlose Gewalt so allgegenwärtig, dass man nicht einfach mit einem typisch französischen Achselzucken darüber hinwegsehen kann. Die Franzosen haben erkannt, welche Gefahr von wütenden Randalierern ausgeht, die das Gefühl haben, keine Zukunft zu haben. Das Ausmaß der Gewalt bei den Ausschreitungen und die Aussicht auf eine Präsidentschaftswahl innerhalb der nächsten sechs Monate machen Frankreich zu einem Prüfstein dafür, ob eine Regierung die Ordnung wiederherstellen, Wohlstand schaffen, Migration bewältigen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern kann", konstatiert der SYDNEY MORNING HERALD.
Die panarabische Zeitung AL-QUDS AL-ARABI beobachtet: "Die Debatte in Frankreich über die Krawalle vom vergangenen Wochenende ist vor allem von einem geprägt: Zahlreiche Politiker versuchen, Stimmung gegen Muslime zu machen. Zugleich lenken diese Interpretationen den Blick der Öffentlichkeit von den eigentlichen Missständen weg. Frankreichs amtierender Präsident Macron steht für einen kompromisslosen Neoliberalismus, der einkommensschwache Bevölkerungsgruppen und Rentner belastet, während er die Wohlhabendsten des Landes begünstigt. Die gegenwärtige Krise lässt sich auch als Niedergang dieses sogenannten 'Macronismus' verstehen. Dieser Prozess geht mit erheblichen sozialen Härten und schmerzhaften Einschnitten einher. Migration und ihre Folgen spielen dabei allenfalls eine untergeordnete Rolle. Stattdessen werden Einwanderer zu Sündenböcken gemacht", betont AL-QUDS AL-ARABI mit Sitz in London.
Die griechische Zeitung KATHIMERINI befindet: "Die europäischen Staats- und Regierungschefs wirken vor dem Hintergrund der Proteste wie zaghafte Vertreter einer Elite, die von der Gesellschaft entfremdet, den aktuellen Herausforderungen nicht gewachsen und unfähig ist, visionäre Entscheidungen zu treffen. So droht die Entehung eines Europas, das sich deutlich von dem unterscheidet, zu dem wir Griechen aus vielen Gründen in den vergangenen Jahrzehnten aufgeschaut haben. Sollten die aktuellen Ereignisse in Frankreich den rechtsnationalen Rassemblement National weiter stärken und ihm zum Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr verhelfen, ist es unwahrscheinlich, dass Europa den gewohnten Weg fortsetzen kann. Dies gilt umso mehr in einer Zeit, in der der andere Pol der deutsch-französischen Achse den rasanten Aufstieg der extremistischen AfD erlebt", stellt KATHIMERINI aus Athen fest.
Der TAGES-ANZEIGER aus der Schweiz kommentiert die Ankündigung eines Protesttages in mehreren deutschen Städten, organisiert von der Initiative "Gen Z steht auf": "Trotz berechtigter Anliegen besteht auch in Deutschland die Gefahr, dass Linksextreme die Proteste kapern. Die Sicherheitsbehörden befürchten ausufernde Gewalt in den Großstädten. Ängste bei den Behörden löst auch das Datum aus, der 31. Oktober. In mehreren deutschen Großstädten kam es in der Halloweennacht zuletzt immer wieder zu heftigen Ausschreitungen. Die Verantwortlichen von 'Gen Z steht auf' distanzieren sich klar von Gewalt. Doch können die Organisatoren verhindern, dass sich Gewalttäter unter die friedlich Demonstrierenden mischen?", fragt sich der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.
Die chinesische WENHUI BAO analysiert die Hintergründe der Proteste in verschiedenen europäischen Ländern: "Im Kern lassen sich drei grundlegende Probleme erkennen. Erstens: Der schrumpfende finanzpolitische Spielraum erschwert eine Sicherung des Lebensstandards und der sozialen Versorgung. Zweitens: Politische Polarisierung und Spaltung in der Gesellschaft schwächen die Handlungsfähigkeit der Regierungen. Drittens: Die Diskrepanz zwischen der Politik und den Erwartungen der Menschen führt zu einer Vertrauenskrise. Die drastische Erhöhung der Ausgaben für die Verteidigung und die langanhaltende Unterstützung für die Ukraine geben den Bürgern das Gefühl, dass die Regierungen ihre Bedürfnisse vernachlässigen", vermutet WENHUI BAO aus Schanghai.
Mit der Unterstützung für die Ukraine befasst sich auch die dänische Zeitung BERLINGSKE: "Hätte Europa die Ukraine von Anfang an mit aller Kraft unterstützt, sähe heute vieles anders aus. Wenn die europäischen Staatsführer ihren Worten Taten folgen lassen wollen, müssen wir jetzt tiefer einsteigen. Das könnten wir mit dem Einsatz von Kampfflugzeugen in der Ukraine tun. Der Einsatz könnte von Basen außerhalb der Ukraine erfolgen, und die Maschinen würden sich nicht der Frontlinie nähern. Kritiker befürchten ein Überschreiten von Putins 'roten Linien' und somit eine Eskalation. Aber zum einen wurden diese roten Linien schon mehrmals überschritten, ohne dass dies Folgen gehabt hätte. Und zum anderen betrachtet Russland Europa ohnehin bereits als Kriegspartei", unterstreicht BERLINGSKE aus Kopenhagen.
Die Zukunft der Ukraine könnte auch Thema bei einem möglichen Gipfeltreffen von US-Präsident Trump, Kreml-Chef Putin und Chinas Staatschef Xi am Rande der APEC-Konferenz Mitte November sein. Dazu schreibt die lettische Zeitung DIENA: "Offiziell bestätigt ist dieser Dreiergipfel zwar noch nicht, aber Diplomaten aus China, Russland und den USA haben ihre Bereitschaft dazu signalisiert. Peking, Moskau und die Trump-Regierung können sicherlich versuchen, Gegensätze zu überwinden und Druck auf andere Länder auszuüben. Aber die meisten wären wohl nicht bereit, sich einem solchen Diktat zu beugen. Die Folge wäre dann noch mehr Instabilität in einer ohnehin bereits instabilen globalen Lage", bemerkt DIENA aus Riga, und damit endet die Internationale Presseschau.