
Dazu schreibt die brasilianische Zeitung O GLOBO: "Es war eine überraschende Wendung: Präsident Lula von der Arbeitspartei PT hat Senator Flávio Bolsonaro in der Stichwahl um das Präsidentenamt besiegt. Noch vor drei Wochen galt ein solches Szenario als unwahrscheinlich, weil Flávio deutlich vor Lula gelegen hatte. Aber dann gelang es ihm, das Blatt zu wenden, und somit wird er Brasilien ein viertes Mal regieren. Entscheidend für seinen Sieg war, dass er Wähler mobilisieren konnte, die im ersten Durchgang noch zu Hause geblieben waren. Flávio hat den Ausgang der Wahl als inakzeptabel bezeichnet und Einspruch angekündigt. Aber kleinere Unregelmäßigkeiten dürfen nicht als Vorwand dienen, um das Ergebnis in Frage zu stellen. Die Wahl ist vorbei, und die Entscheidung der Wähler muss respektiert werden. Bolsonaro muss begreifen, dass zur Demokratie auch Niederlagen gehören", betont O GLOBO aus Rio de Janeiro.
"Brasilien hat gewählt: Vierte Amtszeit für Lula", titelt die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA und erläutert: "Lula da Silvas Sieg kommt überraschend. Das Wahlergebnis fiel anders aus, als es die meisten Umfragen vorhergesagt hatten, und durchbrach den weltweit zu beobachtenden Trend, amtierende Regierungschefs abzuwählen. Lulas Sieg stoppt die Erfolgsserie der Rechten in Lateinamerika. Experten zufolge trug die höher als erwartet ausgefallene Wahlbeteiligung zu diesem Sieg bei. Die Präsidentschaftswahl in Brasilien galt als eine der weltweit wichtigsten Wahlen des Jahres und als entscheidend für die politische Landkarte der Region. Die beiden Kandidaten vertraten sehr unterschiedliche Visionen für die Wirtschafts-, Sozial- und Außenpolitik. In der Außenpolitik bekräftigte Lula nach Bekanntgabe seines Sieges, dass Brasilien 'Niemandes Hinterhof' sein werde. Das ist eine Anspielung auf den wachsenden Einfluss der USA in Lateinamerika sowie auf das angespannte Verhältnis zwischen Lula und US-Präsident Trump“, merkt die RZECZPOSPOLITA aus Warschau an.
Die Zeitung LIANHE BAO aus Taiwan analysiert: "Lula da Silva scheint es zum Schluss doch noch gelungen, die Wähler wieder zu den eigentlichen Wahlthemen zurückzuführen. Er gab zu verstehen, dass es mit ihm um die Sicherheit des Landes und um ein besseres Leben für alle gehen soll. Sein Herausforderer Bolsonaro Junior hingegen spielte lieber mit anderen Karten: Geschlechtsidentität, ethnische Zugehörigkeit, religiöser Glauben sowie moralische Beurteilung politischer Systeme. Lulas Erfolg ist ein Sieg des Pragmatismus über die Ideologie", unterstreicht LIANHE BAO aus Taipeh.
Die italienische Zeitung LA REPUBBLICA aus Rom hält fest: "Lula da Silvas Sieg ist ein politisches Wunder: Es ist die erste erfolgreiche Aufholjagd zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang in der Geschichte brasilianischer Präsidentschaftswahlen. Doch die Bedeutung reicht über Brasilien hinaus. Die von US-Präsident Trump angeführten Maga-Rechten aus den Vereinigten Staaten standen kurz davor, eine weitere Fahne in Lateinamerika zu hissen."
Themenwechsel. Die serbische Zeitung VREME thematisiert den Wahlausgang im Land: "Es ist vorbei - Aleksandar Vučić ist Vergangenheit. Die Mehrheit der serbischen Bevölkerung hat gezeigt, was sie von ihm und seinem Umfeld hält, von der Korruption, der Manipulation der Medien und dem Wunsch, endlos zu herrschen. Damit ist er gescheitert. Sein System wird nun zusammenbrechen. Aber es haben eben auch rund 40 Prozent der Wähler für ihn gestimmt. Die alten Seilschaften müssen jetzt zerschlagen werden. Kein Profiteur oder Betrüger darf ungeschoren davonkommen. Aber dafür muss die von den Studenten angeführte Mehrheit die Kraft finden, den einfachen Bürgern zu vergeben, die jahrelang für Vučić gestimmt haben und seiner Propaganda glaubten. Das wird nicht einfach werden, aber nur so kann Serbien genesen", ist sich VREME aus Belgrad sicher.
Die kroatische Zeitung VECERNJI LIST ist folgender Meinung: "Das war nicht nur irgendeine Wahl, sondern ein Referendum über Aleksandar Vučić und seine Politik. Und das Ergebnis lautet: Serbien ist bereit für einen Wandel. Die Umfragen lagen wieder einmal gründlich daneben, und selbst eine scheinbar unangreifbare Regierung ist nicht unbesiegbar. Es waren die Studenten, denen das Unmögliche gelungen ist: Sie haben die allgemeine Unzufriedenheit in politische Energie umgewandelt, unterschiedliche Menschen zusammengebracht und eine Alternative zum herrschenden System präsentiert. Das ist mehr als nur ein Stimmungswandel in Teilen der Bevölkerung, sondern ein politisches Erdbeben", urteilt VECERNJI LIST aus Zagreb.
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN wirft ein: "Die Studenten haben die sozialen Netzwerke genutzt und sind auch landesweit in den klassischen Tür-zu-Tür-Wahlkampf gegangen. So ist es ihnen vor allem auch in ländlichen Gebieten gelungen, das Vertrauen der Wähler zu gewinnen. Allerdings ist nun vieles unklar, was die künftige Regierung anbelangt. Nicht nur, weil die meisten Kandidaten der Liste kaum über politische Erfahrungen verfügen, sondern auch, weil die politischen Positionen sehr unterschiedlich sind: von den europafreundlichen Liberalen über die Linken bis hin zu den nationalistischen Konservativen", stellt ASAHI SHIMBUN aus Tokio fest.
Nun nach Israel. Nach dem Tod zweier israelischer Soldaten hat Ministerpräsident Netanjahu eine Militäroperation im Westjordanland befohlen. In der palästinensischen Zeitung AL HAYAT AL-JADEEDA ist zu lesen: "Die Militäroperation hat auf palästinensischer Seite eine breite Debatte ausgelöst. Kritiker wenden ein, die Tötung zweier Soldaten habe Israel einen willkommenen Vorwand geliefert, sein Vorgehen im Westjordanland weiter zu verschärfen. Die Palästinensische Autonomiebehörde und die verschiedenen palästinensischen Fraktionen hatten sich bislang weitgehend zurückgehalten – in der Hoffnung, der Besatzungsmacht keine Rechtfertigung für ein Vorgehen wie im Gazastreifen zu liefern. Dabei stehen die Palästinenser im Westjordanland seit Langem unter massivem israelischem Druck. Ihr Land wird ihnen genommen, ihre Ernten werden gestohlen, ihre Häuser zerstört und ihr Eigentum beschlagnahmt", bemerkt AL HAYAT AL-JADEEDA aus Ramallah im Westjordanland.
Die australische Zeitung SYDNEY MORNING HERALD notiert mit Blick auf die anstehenden Parlamentswahlen: "Die Kriegstrommeln dröhnen in Israel, kurz vor der ersten Wahl des Landes seit vier Jahren - und Benjamin Netanjahu gibt den Takt an. Der Ministerpräsident veröffentlichte in den sozialen Medien ein apokalyptisches, KI-generiertes Bild, das zeigt, wie eine Atombombe mitten über Tel Aviv abgeworfen wird. Die Botschaft war: Wählt mich, oder Armageddon wird losbrechen. Der Beitrag riecht nach Verzweiflung. Ein Regierungschef, der sich seiner Wiederwahl sicher wäre, müsste den Menschen keine Angst einjagen", heißt es im SYDNEY MORNING HERALD.
Die niederländische Zeitung DE TELEGRAAF aus Amsterdam hält fest: "Eine großangelegte Militäroperation im Westjordanland. Drohungen der Hamas mit einem neuen 7. Oktober. Und die Gefahr, dass der Krieg mit dem Iran jeden Moment ausbrechen könnte. Die Israelis gehen zur Wahl, während es an allen Fronten heftig brodelt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hofft, dass ihm diese Lage helfen wird, doch noch den Sieg davonzutragen."
Die britische Zeitung FINANCIAL TIMES führt aus: "Seit Netanjahu nach der letzten Wahl ins Amt zurückkehrte, hat er das Land auf einen unheilvollen Kurs geführt. In seinem Streben nach Macht und angesichts eines ihm drohenden Korruptionsprozesses hat er sich mit religiösen Ultranationalisten verbündet. Sie stehen liberalen Israelis feindselig gegenüber, befürworten Krieg statt Diplomatie, schüren Gewalt gegen Araber und drängen auf die Annexion palästinensischer Gebiete." Das war zum Ende der internationalen Presseschau die Londoner FINANCIAL TIMES.
