28. Oktober 2026
Die internationale Presseschau

Die Parlamentswahl in Israel findet große Beachtung in den Zeitungen weltweit. Außerdem geht es unter anderem um den Streit zwischen Norwegen, Finnland und Dänemark hinsichtlich des russischen Präsidenten Putin sowie um den französischen Fußball-Star Mbappé, der seine Werbeverträge in China verloren hat.

Netanjahu und Eisenkot sind auf einem großen Plakat abgebildet, Netanjahu mit rotem, Eisenkot mit blauem Hintergrund.
Die Wahl in Israel spielt in vielen Kommentaren eine Rolle. (picture alliance / dpa / Gil Cohen-Magen)
In Israel zeichnet sich kein klarer Sieger der Parlamentswahl ab. Nach Auszählung von mehr als 70 Prozent der Stimmen liegt laut Wahlkommission der rechtsgerichtete Block von Ministerpräsident Netanjahu vorn. Die Prognose in der israelischen Zeitung HAARETZ lautet: "Nachdem Netanjahu die Wähler mit Warnungen wie 'Die Araber stehlen uns die Wahl' in Angst und Schrecken versetzt hat, wird er seine Macht nutzen, um 'zu beweisen', dass genau das geschehen ist. Angesichts des Verhaltens von Netanjahu und seiner Partei in den vergangenen Jahren muss man damit rechnen, dass weitere rote Linien überschritten werden. Nachdem bereits Fake News und rassistische Lügen über die Vorgänge in arabischen Wahllokalen verbreitet wurden und konkrete Versuche unternommen wurden, den Wahlablauf zu stören, wird nun wahrscheinlich versucht werden, Zweifel an den Ergebnissen aus diesen Wahllokalen zu säen." Sie hörten einen Auszug aus HAARETZ aus Tel Aviv.
Die palästinensische Zeitung AL HAYAT AL-JADEEDA aus Ramallah stellt fest: "Die Wahl zeigt, dass zwischen den großen zionistischen Parteien kaum noch Differenzen in der Frage des israelisch-palästinensischen Konflikts bestehen. Keine von ihnen verfolgt eine politische Lösung. Im Mittelpunkt steht die Sicherheit Israels. Und den Siedlungsbau selbst stellt auch die Opposition nicht grundsätzlich infrage."
"Die großen Zugewinne der palästinensischen Parteien bei den Parlamentswahlen in Israel stellen die etablierte Opposition des Landes vor eine grundlegende Herausforderung", analysiert der Londoner GUARDIAN. "Die größte Veränderung zwischen der neuen und der alten Knesset wird die stärkere Vertretung palästinensischer Parteien sein, die Prognosen zufolge möglicherweise 17 bis 18 Sitze gewinnen könnten - gegenüber bisher 10. Das zeichnet die Fronten in der politischen Landschaft Israels neu. Arabische Israelis werden nicht mehr so leicht ignoriert oder an den Rand gedrängt werden können."
Auch LA STAMPA aus Italien meint: "Vielleicht markiert diese Wahl, wenn schon nicht das Ende, so doch den Anfang vom Ende der langen Herrschaft von 'King Bibi'."
POLITYKA aus Polen befürchtet: "Es stehen langwierige Koalitionsverhandlungen bevor, die möglicherweise nicht zur Bildung einer alternativen Regierung führen werden. Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Wahl ist, dass die Mehrheit der Israelis gegen Netanjahu gestimmt hat: Das Lager um Eisenkot und die arabischen Parteien kommen zusammen auf 70 bis 73 Mandate. Der Sender ‚Kanal 14‘, ein Propagandainstrument Netanjahus, organisierte sogar eine Debatte darüber, ob der Iran eine Atombombe auf Tel Aviv abwerfen würde, sollte Netanjahu die Wahl verlieren. Dies bezog sich auf ein Bild, das wenige Tage vor der Wahl in den sozialen Medien aufgetaucht war – ein mittels KI erzeugtes Bild eines Atompilzes über Tel Aviv. Einer der Diskussionsteilnehmer erklärte mit ernster Miene, dass ‚Tausende Menschen bei lebendigem Leib verbrennen‘ würden. Natürlich machte sich niemand die Mühe, klarzustellen, dass der Iran gar nicht über eine Atombombe verfügt", bemerkt die POLITYKA aus Warschau.
Und zur Zukunft Netanjahus schreibt die australische Zeitung THE AGE: "Die Israelis sind in großer Zahl zu den Wahlurnen geströmt, um Netanjahu und den rechtsextremen Kräften eine Absage zu erteilen. Doch Netanjahu bleibt geschäftsführender Ministerpräsident, bis eine neue Regierung gebildet ist. Dabei kann er die Vorteile seines Amts nutzen, um den weiteren politischen Wettbewerb zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Netanjahu ist angeschlagen, aber noch lange nicht besiegt. Nicht einmal annähernd", prophezeit THE AGE, die in Sydney erscheint.
Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen hat ein Telefonat des finnischen Präsidenten Stubb und des norwegischen Ministerpräsidenten Støre mit Russlands Machthaber Putin kritisiert. POLITIKEN aus Kopenhagen kommentiert: "Ein überraschender Kalter Krieg ist zwischen den nordischen Hauptstädten ausgebrochen. Ein unangemessener 'Alleingang', - so lautete die ungewöhnlich wütende Reaktion von Frederiksen auf das Telefonat. Die Ukraine steht unter maximalem Druck, und vor einem weiteren harten Winter. Deshalb verdient jeder durchdachte Versuch Unterstützung, der zu einem gerechten Friedensschluss führen kann. Die nordischen Länder und Europa müssen deshalb sehr schnell wieder aufeinander zugehen. Andernfalls bleibt am Ende nur ein Sieger: Wladimir Putin", befürchtet POLITIKEN aus Dänemark.
"Der Vorstoß von Stubb und Støre war kühn, wenngleich unvollständig", bilanziert die finnische Zeitung HUFVUDSTADSBLADET aus Helsinki. "Um persönliches oder nationales Prestige darf es nicht gehen. Aber: Staatsführer wie Macron und Merz sind geschwächt oder mit eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Das ist die Stunde des Nordens, vorzutreten. Aber das geht nicht ohne starke Rückendeckung."
"Es war längst an der Zeit, dass jemand aus Europa mit Russland spricht", betont die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN aus Oslo. "Frederiksen hätte sich die Zeit nehmen und die Reaktion des ukrainischen Präsidenten Selenskyj abwarten können. Dieser schrieb nämlich umgehend auf X, er sei dankbar für die Unterstützung von Stubb und Støre."
Die Moskauer Zeitung KOMMERSANT schreibt dazu: "Der seltene direkte Kontakt europäischer Politiker mit dem russischen Staatschef zeigte zwar ihr Interesse am Dialog, hat jedoch offenbar nichts an der allgemeinen Konfrontationspolitik der EU-Staaten geändert. Insgesamt sieht Moskau die Europäische Union derzeit nicht am Verhandlungstisch für eine langfristige Lösung in der Ukraine."
Bundeskanzler Merz setzt seine Asien-Reise in Japan fort. In der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio lesen wir: "Was die japanische Regierung befürchtet, ist, dass Merz das gemeinsame Kampfjet-Projekt von Japan, Großbritannien und Italien ansprechen könnte. Japan möchte keinen Quereinstieg Deutschlands in dieses Projekt. Denn die bereits laufende Entwicklung der Jets würde dadurch erheblich verzögert und eine neue Rollenverteilung der teilnehmenden Staaten könnte für Japan bedeuten, weniger Einfluss zu haben."
Zum Staatsbesuch von Bundespräsident Steinmeier in China bemerkt JIEFANG RIBAO aus Shanghai: "Es ist zu hoffen, dass sein Besuch den bilateralen Beziehungen neue Impulse verleihen wird. Das frühere Modell der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen, wonach Deutschland die Technologie liefert und China dafür seinen Markt öffnet, hat aber ausgedient. Heute liegt der Schwerpunkt auf einer Kooperation in Forschung und Entwicklung auf Augenhöhe. Zwar bemüht sich Bundeskanzler Merz um die Erschließung neuer Lieferquellen in Südostasien, aber in einigen Schlüsselbereichen führt nach wie vor kein Weg an China vorbei." Das war die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO.
Mehrere Unternehmen in China haben die Zusammenarbeit mit dem französischen Fußballstar Kylian Mbappé beendet. Auslöser sind offenbar Aussagen Mbappés über Revolutionsführer Mao. Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO schreibt dazu: "Während sich Mbappé inzwischen entschuldigt hat, steckt sein Verein Real Madrid den Kopf in den Sand. Dass der Fußballer die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt hat, ist empörend genug. Noch schlimmer ist aber, dass sein Verein, der vom chinesischen Markt immens profitiert, dies als 'persönliche Meinungsäußerung' abtun will. Das widerspricht dem Grundgedanken des Sports als Bindeglied zwischen unterschiedlichen Kulturen."
Und GUANGMING RIBAO aus Peking fasst es folgendermaßen zusammen: "China versteht keinen Spaß, wenn rote Linien überschritten werden. Dies ist ein deutliches Warnsignal für alle werbewirksamen Spitzensportler, die in China Gewinne einstreichen möchten." Das war die internationale Presseschau. Redaktion: Ann-Christin Heidrich und Marie Nadler; SprecherIn: