
Die israelische Zeitung HAARETZ begrüßt das: "Die arabischen Wähler haben sich zu einer politischen Kraft entwickelt, die nicht mehr ignoriert werden kann – und die eigentlich als Partner willkommen geheißen werden sollte. Eine Regierung, die auf jüdisch-arabischer Zusammenarbeit beruht, könnte die einzige Chance auf eine positive Veränderung sein. Nach drei Jahren Krieg und Leid könnte eine jüdisch-arabische Regierung dazu beitragen, das Land zu heilen und das Zusammenleben seiner Bürgerinnen und Bürger grundlegend zu verändern", hofft HAARETZ aus Tel Aviv.
Die polnische GAZETA WYBORCZA lenkt die Aufmerksamkeit auf den amtierenden israelischen Regierungschef Netanjahu: "Die jüngste politische Geschichte Israels lässt sich als ein immer verzweifelterer Versuch Benjamin Netanjahus beschreiben, der Justiz zu entkommen. Schon vor der Wahl versuchte er, das Militär zu einer Wiederaufnahme der Angriffe auf den Iran zu bewegen. Es ist davon auszugehen, dass er diesen Plan nicht aufgeben wird, sollte er Regierungschef bleiben. Gleichzeitig beschuldigen seine Leute die israelischen Araber – die sich zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft entwickelt haben – des Wahlbetrugs. Netanjahu ist offenbar nicht nur bereit, die Region in Brand zu setzen, sondern auch sein eigenes Land“, notiert die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY stellt einen Zusammenhang her zwischen der Parlamentswahl in Israel und den Zwischenwahlen in den USA, den sogenannten Midterms: "Die israelischen Wahlen haben Netanjahu keine Mehrheit verschafft. Ein neuer Krieg gegen den Iran könnte ihm jedoch die Möglichkeit eröffnen, die innenpolitischen Kräfteverhältnisse neu zu ordnen und eine Regierung der nationalen Einheit zu erzwingen. Auch für US-Präsident Trump könnte der Zeitraum zwischen den US-Zwischenwahlen und dem Zusammentritt des neuen Kongresses im Januar 2027 ein entscheidendes Zeitfenster darstellen. Sollte die demokratische Opposition in einer der beiden Kongresskammern die Mehrheit gewinnen, würden ihre Möglichkeiten zur politischen Kontrolle, zu Untersuchungen und zur Einflussnahme auf die Finanzierung militärischer Operationen wachsen. Vor diesem Hintergrund mehren sich die Hinweise auf Vorbereitungen für eine Wiederaufnahme des amerikanisch-israelischen Krieges gegen den Iran. Eine militärische Eskalation könnte beiden kurzfristig aus ihren innenpolitischen Sackgassen helfen – zugleich aber eine noch größere regionale Krise auslösen, deren Preis die Bevölkerung der gesamten Region zahlen müsste", hält AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London fest.
Auch die dänische Zeitung POLITIKEN verweist auf den Bezug zum Irankrieg: "Donald Trump hat die Zwischenwahlen noch nicht überstanden, und Israel hat die Stimmen der Knesset-Wahlen gerade erst ausgezählt und noch keine neue Regierung. Aber die Vorbereitungen für einen neuen Krieg gegen den Iran laufen bereits auf Hochtouren. Netanjahu erklärte, der Iran sei immer noch eine Bedrohung, die er mit seinem wunderbaren Freund Donald Trump ein für alle Mal ausschalten wolle. Medienberichten zufolge könnte es zu mehrtägigen massiven Angriffen auf iranische Anführer sowie auf Energie- und andere Infrastruktur kommen", so POLITIKEN aus Kopenhagen.
THE STRAITS TIMES aus Singapur nimmt anlässlich der Midterms die amerikanischen Firmen in den Blick: "Früher handelten amerikanische Unternehmenschefs in dem Bewusstsein, dass sich das politische Rad ständig dreht. Da Parteien abwechselnd an die Macht kamen, bemühten sich Unternehmen um die Gunst sowohl der Republikaner als auch der Demokraten – völlig unabhängig davon, wer das Weiße Haus oder den Kongress kontrollierte. Viele Unternehmenschefs haben diese ausgewogene Haltung in den vergangenen zwei Jahren aufgegeben. Es wird jedoch erwartet, dass der Präsident nach den Zwischenwahlen in wenigen Tagen deutlich weniger Einfluss in Washington haben wird. Doch die Wiederanknüpfung der Beziehungen zu den Demokraten dürfte kein leichtes Unterfangen sein. Amerikas Wirtschaftsführer könnten feststellen, dass selbst gemäßigte Demokraten für ihre Annäherungsversuche nicht mehr empfänglich sind", prognostiziert THE STRAITS TIMES.
Ein großer US-Unternehmer, der Tech-Milliardär Elon Musk, wird in der US-Zeitung USA TODAY kritisiert: "Dank seiner schier unerschöpflichen Geldmittel hat Musk die gesamte Republikanische Partei fest in der Tasche. Musk ist der mit Abstand größte Geldgeber für republikanische Kandidaten im ganzen Land. Sie nehmen bereitwillig Millionen von Dollar von einem Mann an, der auf seiner Plattform X mit Hass handelt, dessen wirre, einwanderungsfeindliche, rassistische und verschwörungstheoretische Ansichten täglich Millionen von Menschen erreichen. Und wenn sie gewinnen, wird er ihre politischen Karrieren in der Tasche haben. Aus solchem Hass kann nichts Gutes entstehen. Doch die Republikaner suhlen sich darin wie Schweine im Schlamm", urteilt USA TODAY aus New York
Wir blicken zur Europäischen Zentralbank. Deren Präsidentin Lagarde wird vorzeitig aus dem Amt scheiden. Dazu meint die spanische Zeitung EL PAÍS: "EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat bestätigt, was zuvor ohnehin bereits gemunkelt wurde: Sie verlässt ihren Posten schon im Februar statt im Oktober 2027 wie ursprünglich vorgesehen. Dazu bewegt haben dürfte sie die komplizierte politische Situation in ihrem Heimatland Frankreich. Dort finden im Frühjahr Präsidentschaftswahlen statt, nach denen zum ersten Mal die radikale Rechte in den Elysée-Palast einziehen könnte. Lagarde erklärte, sie könne in diesem Wahlkampf nicht neutral bleiben, wie es ihr Amt erfordere, gab aber gleichzeitig auch zu verstehen, nicht selber kandidieren zu wollen", bemerkt EL PAÍS aus Madrid.
"Dass die Französin vorzeitig als Präsidentin der Europäischen Zentralbank zurücktritt, hängt maßgeblich mit der Gefahr einer populistischen Machtübernahme in Frankreich zusammen", erklärt die Zeitung DE TIJD aus Belgien: "Ab dem 7. Februar 2027, wenn sie ihr Amt niederlegt, wird Christine Lagarde die Freiheit haben, wie sie sagte, öffentlich Prinzipien zu verteidigen, die ihr sehr am Herzen liegen. Sie wird dies mitten im französischen Wahlkampf tun. Mitte April findet dort der erste Wahlgang der Präsidentschaftswahlen statt, bei dem die weit rechts stehende Marine Le Pen als klare Favoritin gilt und der linksradikale Jean-Luc Mélenchon in den Umfragen auf Platz zwei liegt. Lagarde hofft, dass sie mit ihrer Erfahrung - sie war zuvor auch Finanzministerin und Chefin des Internationalen Währungsfonds - dem Wahlkampf Seriosität verleihen kann. Ob dies gelingt, bleibt allerdings abzuwarten, wie sie selbst einräumte", heißt es in DE TIJD aus Brüssel.
Die britische FINANCIAL TIMES macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: "Angesichts der zunehmenden Aufmerksamkeit, die die Finanzmärkte den Haushaltsproblemen Frankreichs, Lagardes Heimatland, widmen, könnte sich der Zeitpunkt ihres Rücktritts als vernünftig erweisen. Unter ihrer Leitung hat die EZB das 'Transmission Protection Instrument' geschaffen, ein geldpolitisches Instrument zur Abwehr spekulativer Angriffe auf die Staatsanleihen eines Landes der Eurozone. Marktbeobachter scheinen zuversichtlich zu sein, dass die Zentralbank über die Mittel und den Willen verfügt, einen drohenden Zusammenbruch der Märkte ähnlich wie während der Schuldenkrise in der Eurozone zu verhindern. Sollte jedoch jemals eine Entscheidung darüber gefällt werden müssen, ob dieses Instrument für Frankreich eingesetzt wird, gäbe es eine Komplikation weniger, wenn an der Spitze der EZB dann nicht gerade eine französische Persönlichkeit steht", erläutert die FINANCIAL TIMES aus London zum Ende der Internationalen Presseschau.
