
Die philippinische Zeitung THE MANILA TIMES sieht in den Demonstrationen in mehreren europäischen Ländern einen Ausdruck der neuen politischen Mobilisierung junger Menschen: "Im Jahr 2024 führten Studenten in Bangladesch eine 'Gen-Z-Revolution' an, die die 15-jährige Regierungszeit von Premierministerin Sheikh Hasina beendete und sie zur Flucht aus dem Land zwang. Ähnliche Proteste führten zu Regimewechseln etwa in Madagaskar, Marokko oder Peru. Viele staunen über die Geschwindigkeit, mit der die Protestbewegung den Kontinent erfasste. Soziale Medien haben es der Jugend ermöglicht, sich nahtlos zu vernetzen und zu mobilisieren. Digitale Vernetzung über TikTok und Instagram hat Studentengruppen zu einer grenzüberschreitenden Gemeinschaft zusammengeführt", notiert THE MANILA TIMES.
Die chinesische Zeitung XINJING BAO stellt die sozialen Ursachen der Proteste heraus: "Was die Demonstranten gemeinsam auf die Straßen treibt, sind die Klagen über zu hohe Lebenskosten und Kürzungen der sozialen Leistungen. Auch ein Trend der politischen Dezentralisierung ist zu beobachten. Anstelle der traditionellen Gewerkschaften und politischen Parteien schafften es zahlreiche bisher unbekannte Organisationen, die Menschen auf die Straßen zu mobilisieren. Wie lange diese Protestwellen anhalten werden, kann niemand voraussagen. Ein Zeichen des Endes ist im Augenblick jedenfalls nicht in Sicht", hält XINJING BAO aus Peking fest.
Die panarabische Zeitung AL ARABY AL-JADEED warnt: "Die Ausweitung der Proteste in Frankreich und anderen europäischen Ländern droht die Lage der Migrantinnen und Migranten, insbesondere der nordafrikanischen Gemeinschaften, weiter zu verschärfen. In einer Situation wirtschaftlicher Krise, wachsender Arbeitslosigkeit und zunehmender sozialer Unsicherheit geraten Menschen nordafrikanischer Herkunft verstärkt in den Blick einer von Populismus und Rechtsextremismus geprägten Debatte. Besonders gefährdet sind in dieser Hinsicht die großen nordafrikanischen Gemeinschaften in Frankreich und Belgien. Eine unzureichende Sicherheitskontrolle und eine aufgeheizte öffentliche Stimmung führen dazu, dass Menschen nordafrikanischer Herkunft pauschal mit den Ausschreitungen in Verbindung gebracht werden", befürchtet AL ARABY AL-JADEED mit Sitz in London.
Auf die Reaktionen deutscher Politiker geht die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN ein. In einem Gastkommentar heißt es: "Im Vorfeld der angekündigten Gen-Z-Proteste gab es Hoffnung, dass es in Deutschland nicht so weit kommen würde wie in Frankreich – auch deshalb sitzt der Schock über die Ausschreitungen tief. Hessens Innenminister Roman Poseck erklärte zwar, dass der Großteil der Festgenommenen eine deutsche Staatsbürgerschaft besitze und erwähnte gleichzeitig den Migrationshintergrund vieler Teilnehmer an den Ausschreitungen. Offensichtlich wird, dass vor allem die CDU sich große Sorgen macht, weil solche Ereignisse wie die diesmaligen Ausschreitungen zum weiteren Aufstieg der AfD führen könnten", beobachtet NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Nun in die USA. "Morgen entscheidet sich das Schicksal von Präsident Donald Trump", schreibt die tschechische Zeitung MLADÁ FRONTA DNES: "In den Vereinigten Staaten finden die sogenannten 'Midterms' statt, also die Kongresswahlen in der Mitte der Amtszeit des Präsidenten. Es wird sich zeigen, ob der geschickte Manipulator die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses behalten wird – und damit auch seine fast diktatorischen Befugnisse. Oder wird Trump zu einer 'lahmen Ente', die von der demokratischen Mehrheit ausgebremst wird. Wenn die Europäer jedoch glauben, dass ein möglicher Sieg der Demokraten etwas an der Politik gegenüber Kiew ändern wird, dann irren sie sich. Es wird höchstens zu einer rhetorischen Veränderung kommen. Veränderungen sind eher in der Politik gegenüber dem Iran zu erwarten", so die Einschätzung von MLADÁ FRONTA DNES aus Prag.
Die finnische Zeitung HUFVUDSTADSBLADET konstatiert: "In den meisten Bundesstaaten liegen die Kandidaten in den Umfragen eng beieinander, und eine krachende Niederlage für Trumps Partei ist keineswegs gesichert. Außerdem ist - jedenfalls aus finnischer Perspektive - keineswegs sicher, dass ein Erfolg der Demokraten einen größeren Unterschied ausmacht. Man sollte also seine Hoffnungen zügeln. Innenpolitisch würde Trump stärker kontrolliert werden, aber er würde nicht verschwinden, und die Außenpolitik der USA wird in der Praxis vom Präsidenten gemacht. Finnland und Europa müssen also weiter Allianzen schmieden, die nicht vom Wohlwollen Washingtons abhängen", folgert HUFVUDSTADSBLADET aus Helsinki.
Die amerikanische Zeitung USA TODAY richtet den Blick auf Trumps Haushaltsgesetz, dem sogenannten "One Big Beautiful Bill Act“: "Dabei handelt es sich um ein umfassendes Bundeshaushaltsgesetz, das befristete Steuererleichterungen für Arbeitnehmer durch wesentlich kostspieligere und dauerhafte Steuersenkungen für die reichsten Amerikaner ersetzt. Nun, da die Zwischenwahlen vor der Tür stehen, scheint die politische Rechnung für Trumps 'Errungenschaft' von den Republikanern im Repräsentantenhaus und im Senat bezahlt zu werden, die seine Haushaltsgesetzgebung unterstützt haben. Trumps 'One Big Beautiful Bill' war in Umfragen von Anfang an unpopulär. Und kurz nach den Zwischenwahlen dürften die vielen negativen Folgen dieses Bundeshaushalts noch deutlicher zutage treten", erwartet USA TODAY aus New York.
Die schwedische Zeitung SVENSKA DAGBLADET konstatiert: "Die USA sind politisch gespalten wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Aber es gibt auch Fragen, in denen die Einigkeit zwischen Demokraten und Republikanern überwiegt. Das gilt für die Unterstützung der Ukraine, für die Abneigung gegenüber Wladimir Putin und - natürlich - auch für die Wut über die hohen Benzinpreise. Gegen Ende des Wahlkampfs ist aber noch eine weitere Frage aufgetaucht: die Korruption. Acht von zehn US-Bürgern sagen, dass sie dieses Thema besonders beunruhigt. Warum die Frage auf einmal auf der Agenda steht, ist unklar. Lange haben es die Demokraten nicht geschafft, die Wähler dafür zu interessieren. Vielleicht sind die Skandale inzwischen so zahlreich geworden, dass sie eine kritische Masse erreicht haben", spekuliert SVENSKA DAGBLADET aus Stockholm.
Nach der Parlamentswahl in Israel gestaltet sich die Regierungsbildung schwierig. Die chilenische Zeitung LA TERCERA erwartet langwierige Verhandlungen: "Die Bildung einer neuen stabilen Regierung erscheint nicht unbedingt eine 'Mission impossible', wirkt aber eher unwahrscheinlich. 61 von 120 Sitze in der Knesset wären dazu nötig, aber der Block von Netanjahu kommt auf nur 53 und das Mitte-rechts-Bündnis von Gadi Eisenkot auf lediglich 48. Der Erfolg der arabischen Parteien erklärt sich durch die historisch hohe Wahlbeteiligung der arabischen Israelis. Aus Netanjahus Likud kommt der Vorwurf einer ausländischen Einmischung aus Ländern wie Katar oder der Türkei, was die Wahlkommission jedoch zurückweist und die Opposition als Verzögerungstaktik bezeichnet. Eisenkot hat jedes Bündnis mit Netanjahu ausgeschlossen und damit einer Regierung der nationalen Einheit eine Absage erteilt. Dass sich eine Partei aus Netanjahus Lager löst und der Opposition anschließt, ist unwahrscheinlich", analysiert LA TERCERA aus Santiago de Chile.
Die dänische Tageszeitung POLITIKEN empfiehlt: "Oppositionsführer Gadi Eisenkot sollte trotz seines Zögerns auf die palästinensischen Parteien zugehen und gemeinsam mit ihnen Netanjahu stürzen, um Israel einen Neuanfang zu ermöglichen. Das erfordert politischen Mut und Entschlossenheit. Das Vertrauen zwischen jüdischen und palästinensischen Staatsbürgern Israels ist äußerst gering. Dennoch können und sollten sie zusammenarbeiten. Das haben sie früher bereits getan, auch auf politischer Ebene - und Israel braucht das heute mehr denn je. Aber es muss jetzt etwas getan werden", mahnt POLITIKEN aus Kopenhagen. Und mit diesem Kommentar endet die internationale Presseschau.
