06. November 2026
Die internationale Presseschau

Die Regierungskrisen in Paraguay und Belgien sind Thema in den Zeitungen wie auch weiter die Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen und die Folgen für US-Präsident Trump.

US-Vizepräsident JD Vance spricht in Maryland vor dem Einsteigen in das Flugzeug Air Force Two mit der Presse, bevor er zu Gesprächen über den Iran nach Pakistan aufbricht.
Die Rolle von US-Vizepräsident JD Vance nach denm Kongresswahlen ist Thema in den Zeitungen. (AP / Jacquelyn Martin)
Die britische Zeitung GUARDIAN schreibt: "US-Präsidenten, die zu 'lahmen Enten' wurden, haben sich im Rest ihrer Amtszeit oft auf die Außenpolitik konzentriert, um der Unzufriedenheit im Inland zu entgehen und sich in einem Bereich ein Vermächtnis zu schaffen, in dem ein von der Opposition beherrschter Kongress weniger Hindernisse in den Weg legen kann. Trump könnte versucht sein, von dieser Demütigung und der immer lauter werdenden Kritik aus den eigenen Reihen der Republikaner durch ein erneutes Abenteurertum abzulenken. Vielleicht durch eine Eskalation gegenüber Kuba oder, was wahrscheinlicher ist, durch eine rachsüchtige neue Offensive gegen den Iran", vermutet der GUARDIAN aus London.
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT geht auf mögliche personelle Konsequenzen ein: "Wer wird bei den Republikanern für die Wahlniederlage verantwortlich gemacht? Die Kritik an US-Präsident Donald Trump nimmt zwar zu, doch das einfachste Opfer wäre Pete Hegseth, der als Verteidigungsminister für den Iran-Krieg zuständig ist. Seine Zukunft ist höchst ungewiss. Vizepräsident JD Vance benannte den Iran-Krieg bereits am Mittwoch als einen Grund für die Wahlniederlage der Republikaner. Und Hegseth ist als direkt dafür zuständiger Minister logischerweise das schwächste Glied der Kette", erklärt DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio nimmt Vizepräsident JD Vance in den Blick, der auf Distanz zu Trumps Iran-Krieg ging: "Wahrscheinlich hatte Vance die Wahlniederlage seiner Partei erwartet und den Text lange vorbereitet. Im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen 2028 hat er sich nun entschieden, sich von Trump abzusetzen. Seine Ursachenforschung, warum so viele Wähler der republikanischen Partei den Rücken kehrten, ist zwar richtig, allerdings ist auch er selbst ein Teil der Regierung. Es bleibt spannend, ob das Erfolg hat und ob die Partei wirklich auf Vance setzen wird", notiert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die WASHINGTON POST aus den USA folgert: "Vance distanziert sich öffentlich von jener Person, die ihn aus der politischen Bedeutungslosigkeit holte, seine damals ins Stocken geratene Senatskampagne rettete und ihn schließlich in das Amt des Vizepräsidenten beförderte. Es ist ein außergewöhnlicher Akt der Illoyalität. Die Ironie dabei ist: Wenn Vance die Schuld für die Wahlniederlage jemandem zuweisen will, sollte er einmal ganz genau in den Spiegel schauen. Denn es war nicht der Krieg gegen den Iran, der die Republikaner den Sieg kostete – es war das Scheitern, diesen Krieg zu gewinnen. Dies lag am Waffenstillstand mit dem Iran sowie an jenem verhängnisvollen Grundsatzabkommen mit dem Iran, das von Vance selbst ausgehandelt wurde", erinnert die WASHINGTON POST.
Die in China staatlich kontrollierte Zeitung WENHUI BAO teilt mit: "Trump wird bei all seinen Vorhaben wie Haushaltsbewilligungen, Steuersenkungen oder Änderungen der Sozialausgaben mit erheblichem Widerstand der Demokraten rechnen müssen. Andererseits verfügt Trump über das Recht, gegen vom Kongress verabschiedete Gesetze sein Veto einzulegen. In der Vergangenheit hat er demonstriert, dass er keine Hemmungen hat, davon Gebrauch zu machen", heißt es in der Zeitung WENHUI BAO aus Schanghai.
Die russische Zeitung KOMMERSANT befindet: "In Russland herrscht die Auffassung, dass es für Moskau umso besser sei, je schärfer die internen Auseinandersetzungen in den USA ausfallen und je weniger Einigkeit in der amerikanischen Führung herrscht. Die Überlegung dahinter: Wenn die US-Führung in ihren internen Querelen gefangen ist, hat sie weniger Spielraum, um auf der Weltbühne eine aggressive Politik zu verfolgen oder anderen Akteuren der internationalen Gemeinschaft ihren Willen aufzuzwingen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ein gespaltenes, schwaches und in seiner eigenen Stärke verunsichertes Amerika zugleich eine inkonsequente, unvorhersehbare, impulsive und unverantwortliche Weltmacht darstellt – eine Macht, die für die unterschiedlichsten außenpolitischen Überraschungen gut ist", mahnt der KOMMERSANT aus Moskau.
In Belgien herrscht im Streit um Haushaltsfragen eine Regierungskrise: Premierminister Bart De Wever steht mit seiner sogenannten Arizona-Koalition unter Druck. Die auf niederländisch erscheinende belgische Zeitung HET LAATSTE NIEUWS kommentiert: "Der König wird den Premierminister voraussichtlich zurück an den Verhandlungstisch schicken. Doch wird es den Parteien gelingen, den Geist des 'Wahlkampfmodus' wieder in die Flasche zurückzubringen? Jede Partei wird behaupten, für ihre eigene Ideologie zu kämpfen – rechts gegen links, Steuern gegen Ausgabenkürzungen. In Wirklichkeit ist die Frage jedoch viel einfacher: Wer sucht nach schnellen Wählerstimmen - und wer möchte tatsächlich, dass das Land langfristig besser dasteht? Wie die Deutschen sagen: 'Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen'", analysiert HET LAATSTE NIEUWS aus Brüssel.
Die französischsprachige belgische Zeitung LA LIBRE BELGIQUE fragt: "Warum sollte man das Land in eine Phase der Unsicherheit stürzen, wenn die fünf Regierungsparteien signalisieren, zu weiteren Zugeständnissen bereit zu sein? Die Möglichkeit eines Sturzes der Regierung bleibt aber. Eine Wiederaufnahme der Gespräche in einem Rahmen, in dem die Parteivorsitzenden eine zentrale Rolle spielen, würde die politische Schwäche von Premierminister De Wever unterstreichen. Wird er bereit sein, eine weitere bitte Pille schlucken, indem er gezwungen ist, ein Vetorecht von Akteuren zu akzeptieren, die gar nicht Teil seiner Regierung sind?" So weit LA LIBRE BELGIQUE aus Brüssel.
In Paraguay sorgt der Zusammenbruch der Digitalbank Ueno für eine schwere Finanzkrise. Gegen Präsident Santiago Peña wurde wegen seiner Verbindungen zu der Bank ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet, er bot seinen Rücktritt an. Die Zeitung ULTIMA HORA aus Paraguay kritisiert: "Präsident Peña will glauben machen, die Ueno Bank sei lediglich irgendein Akteur auf dem Bankenmarkt, für das er weder jetzt noch in der Vergangenheit irgendeine Verantwortung getragen habe. Aber das ist nicht nur juristisch unhaltbar, sondern auch moralisch verwerflich: Peña war maßgeblich an der Entstehung und Entwicklung dieser Finanzgruppe beteiligt. Er wusste um ihre Dynamik, aber auch um ihre Schwächen, und er war früher Zentralbankchef und Finanzminister. Mit dieser Erfahrung konnte er die Unregelmäßigkeiten und Risiken unmöglich übersehen. Mit ein paar ausweichenden Pressemitteilungen ist es nicht getan. Es ist skandalös, wenn der Präsident so tut, als wisse er nichts von dem Monster, an dessen Erschaffung er selber beteiligt war", stellt ULTIMA HORA aus Ascuncion fest.
Die paraguayische Zeitung LA NACION meint: "Viel wichtiger sind jetzt die Ermittlungen der Justiz gegen den Gründer der Bank und die Personen, die sich unrechtmäßig bereichert haben, während einfache Bürger und ihre Familien unverzüglich Klarheit über die Sicherheit ihrer Guthaben brauchen. Sozialer Friede lässt sich nicht verordnen, sondern er entsteht, wenn die Menschen Zugriff auf ihr Geld haben. Die Herausforderung besteht jetzt darin, die Ersparnisse der Bevölkerung zu schützen und die Verantwortlichen zu bestrafen. Alles andere kann warten", meint LA NACION aus Paraguays Hauptstadt Asunción.
Die brasilianische Zeitung O GLOBO beobachtet: "Es ist unklar, ob sich die betroffenen Kontoinhaber so schnell wieder beruhigen lassen werden. Schließlich gab es zahlreiche Verdachtsmomente. Präsident Peña war Aktionär der Ueno Bank, und Prüfer kritisierten schon länger die Vergabe riskanter Kredite. Wurden die Bedenken an den Präsidenten herangetragen, spielte er sie herunter."