
Dazu schreibt die Zeitung WELT AM SONNTAG: Der Aufschrei war so laut wie noch nie. Gianni Infantino wollte Teile der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren verkaufen und damit weitere Milliarden scheffeln. Jetzt ist der Chef des Weltverbandes mit seinem Plan gescheitert. Grund ist der Widerstand der europäischen Nationen. Endlich haben sie sich entschieden genug gegen eine Idee des enorm umstrittenen Funktionärs gestellt. Es ist eine Zäsur, die wichtig ist für diesen Sport. In der Nacht zu Samstag machte Infantino einen Rückzieher, der Druck war zu groß geworden und der größte Machtkampf der jüngeren Fußballgeschichte somit schnell wieder beendet – mit Infantino als großem Verlierer. Er hatte unterschätzt, wie vehement die europäischen Nationen sich gegen seine Pläne wehren würden. Für ihn ist es ein globaler Rückschlag. Er sieht sich offenkundig auf Augenhöhe mit den Mächtigsten der Welt, als Mischung aus Staatslenker und Wirtschaftsmogul, im Stile eines Dealmakers. Als solcher hat er sich demokratischer Prozesse entledigt. Doch wer drohte und handelte da eigentlich? Die Länder, die den Geist Gianni Infantinos einst nährten. Dass er am Ende so mächtig und skrupellos sein würde, wollten sie nicht kommen sehen", bemerkt die WELT AM SONNTAG.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG AM SONNTAG notiert: "Schnell, geeint und mit aller Konsequenz: Am Dienstagabend tauchten erste Berichte über die Pläne von Präsident Infantino auf, private Investoren an der FIFA zu beteiligen. Nur zwei Tage später gab der europäische Fußballverband UEFA bekannt, dass man sämtliche FIFA-Veranstaltungen boykottieren werde, solange diese Pläne im Raum stünden. Damit war das Projekt tot, bevor es überhaupt zur Abstimmung gelangen konnte. Denn welcher Geldgeber würde sich an einem FIFA-Produkt beteiligen, beim welchem die europäischen Stars fehlten? Alles, was es dazu gebraucht hat, war eine koordinierende Videokonferenz unter den 55 UEFA-Mitgliedern. Die UEFA erteilt Europa gerade eine Lektion in Sachen Machtpolitik. Dem alten Kontinent wird allzu oft zu Recht vorgeworfen, zaudernd, zerstritten und ohne Strategie aufzutreten. Selbstverliebte Machthaber wie Xi Jinping, Wladimir Putin oder Donald Trump lassen sich vom konzilianteuropäischen 'Vielleicht, vielleicht auch nicht . . .' wenig beeindrucken. Doch im Fußball ist Europa noch eine wahre Macht. Und wenn trumpistisch auftretende Figuren wie Infantino diese herausfordern, werden sie in die Schranken gewiesen. Man kann nur hoffen, dass sich die Politik ein Beispiel daran nimmt." So weit die NZZ AM SONNTAG.
Nun nach Ceuta. Die BILD AM SONNTAG hält fest: Der Ceuta-Schock sitzt tief bei Politikern wie Bürgern: Niemals zuvor sind bis zu 50.000 Menschen an einem einzigen Tag illegal über eine EU-Außengrenze gekommen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Großteil von ihnen 24 Stunden später wieder nach Marokko zurückgekehrt ist. Von den Bildern aus der spanischen Exklave in Nordafrika geht die erschreckende Botschaft aus: Auch im elften Jahr nach 2015 ist Europa nicht geschützt vor einer irregulären Masseneinwanderung. Dagegen hilft auch der Hinweis nicht, dass Ceuta zwar als Teil Spaniens zur EU gehört, aber nicht zum Schengenraum. Denn was wäre wohl passiert, wenn mehrere Zehntausend Migranten am Strand von Ceuta einfach sitzen geblieben wären? Spanien hätte sie aus humanitären Gründen wohl aufs europäische Festland bringen müssen", mutmaßt die BILD AM SONNTAG.
"Die Krise in Ceuta hat ein Problem offengelegt, das über die jüngsten Grenzverletzungen hinausgeht", ist in der spanischen Zeitung ABC zu lesen: "Auf der einen Seite hat Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez gegenüber EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen die Reaktion einiger EU-Mitglieder angeprangert. Sánchez tut sich offensichtlich schwer damit, Marokko zu kritisieren oder die Schuld beim organisierten Verbrechen zu suchen. Spanien hat die Regeln seiner Migrationspolitik zuletzt deutlich gelockert, was auch Konsequenzen für den gesamten Schengenraum hat. Wie soll man Solidarität von den anderen Mitgliedern fordern, ohne die Folgen der eigenen Entscheidungen kritisch zu bewerten? Aber Europa müsste auch gegenüber Marokko entschiedener auftreten. Es kann nicht sein, dass Migration als Druckmittel benutzt wird, um die Integrität der europäischen Grenzen zu testen", unterstreicht ABC aus Madrid.
Die türkische Zeitung KARAR führt aus: "Die Situation in Ceuta hat eins verdeutlicht: Sowohl Spanien als auch die gesamte EU sind auf Marokko und seine Strafverfolgungsbehörden angewiesen, um die Massenmigration zu verhindern. Dies setzt voraus, dass Marokko zufriedengestellt wird und es keine ernsthaften Probleme zwischen Spanien und Marokko gibt. Sobald Rabat unzufrieden ist, lockert es die Grenzkontrollen. Die daraus resultierende Massenmigration zwingt Spanien, schwierige Entscheidungen zu treffen und nach Übergangslösungen zu suchen, um Marokko zu besänftigen. Marokko erhebt generell Anspruch auf die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla. Wenn Spanien in dieser Frage Zugeständnisse macht, hat das schwerwiegende Folgen für Madrid. Was würde man den katalanischen oder baskischen Separatisten in Barcelona oder Bilbao entgegnen? Was würde aus den Kanarischen Inseln werden? Feststeht: Dieser Territorialstreit in Nordafrika steht wieder auf der Tagesordnung der Weltpolitik", beobachtet KARAR aus Istanbul.
Das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL merkt an: "Erst Italien. Dann Finnland, Schweden, Dänemark. Schließlich Österreich. Ein Regierungschef, ein Minister nach dem anderen reagierte am Donnerstag auf die Bilder aus Ceuta, auf den offensichtlichen Notstand in der kleinen spanischen Exklave, wohin sich Zehntausende aus Marokko geflüchtet hatten. Aber die Partner drückten Spanien nicht etwa ihre Verbundenheit aus. Sie boten keine Hilfe an. Sie sagten auch nicht zu, Druck auf Marokko auszuüben. Stattdessen drohten sie den Spaniern mit dem Rauswurf aus dem Schengenraum. Es ist ein gefährlicher und unnötiger Präzedenzfall. Bloß kein neues 2015! Das ist das einzige Prisma, unter dem man nun die Ereignisse von Ceuta betrachtet. Aus psychologischer Sicht mag die Migrationspanik verständlich sein. Aber strategisch führt sie in die Irre. Statt ihr gesamtes Gewicht in die Waagschale zu werfen, zerstritt sich die EU innerhalb von Stunden", heißt es im SPIEGEL.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG blickt auf die Unruhe in der CDU nach den jüngsten Personalentscheidungen von Bundeskanzler Merz: "Das gefühligste Zitat kam von Staatssekretärin Gitta Connemann. 'Es wird bei dem einen oder anderen Zeit brauchen, aber das ist nur menschlich', sagte sie – mit gehauchter Stimme. Gemeint waren die verletzten Gefühle derjenigen, die beim Regierungsumbau ihr Amt verloren hatten und sich in dieser schwierigen Zeit persönlicher Veränderung nicht empathisch genug betreut fühlten vom Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Zu ihnen wird Patrick Schnieder gezählt, der entlassene Verkehrsminister. Die Kritik lautet, Friedrich Merz habe seine Entscheidung nicht gut genug erklärt. Bei wem muss er das? Man stelle sich eine Sekunde vor, Merz würde auf eine notwendige Abberufung verzichten – aus Sorge um die Seelenlage der Betroffenen. Oder würde seine Autorität durch ein geheucheltes Bedauern untergraben. Das Gegenteil muss man sich nicht vorstellen, weil es die Realität ist: eine Partei, die ihren Kanzler künstlich in Verruf bringt, obwohl sein Niedergang auch ihr eigener wäre. Gestandene Politiker, die ihre Befindlichkeit über die Glaubwürdigkeit der Regierung und den Erfolg für das Land stellen. Wenn man Merz einen Vorwurf machen sollte, dann diesen: dass es ihm an der Autorität fehlt, solches Verhalten zu unterbinden."
