03. Oktober 2026
Die Presseschau

Kommentiert werden unter anderem die Anrufe von Bundespräsident Steinmeier bei Ministern der Bundesregierung sowie der neu aufgeflammte Bürgerkrieg in Äthiopien. Zunächst aber Kommentare zum heutigen Tag der Deutschen Einheit.

    Nordrhein-Westfalen, Köln: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht während einer Diskussionsrunde auf der weltgrößten Computer- und Videospielmesse Gamescom.
    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Christoph Reichwein / dpa)
    Die RHEINPFALZ merkt an: "36 Jahre nach der Wiedervereinigung scheinen die Deutschen in Ost und West vor allem in einem einig zu sein: im Frust. Wegen der schwierigen Wirtschaftslage und der Angst um den Arbeitsplatz, wegen der hohen Preisen, einer Weltlage, die so bedrohlich wirkt wie seit Jahrzehnten nicht mehr, und einem Staat, in dem von den Schulen bis zum Straßen- und Schienennetz vieles nicht mehr gut funktioniert: Der Frust mag verständlich sein. Aber auf Dauer lähmt er. Eine lebendige Demokratie ist auf Menschen angewiesen, die zugleich kritisch und engagiert sind. Menschen, die etwas dafür tun, um sich selbst und damit auch die Gesellschaft weiterzubringen. Das ist auch ein gutes Mittel gegen Frust", schlägt die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen vor.
    In den NÜRNBERGER NACHRICHTEN heißt es: "Tatsächlich kann ein Teil dieser Wiedervereinigung (oder war es doch eher ein Anschluss?) als gelungen betrachtet werden. Im Grunde ist all das, was 1989/90 noch als kaum machbar eingestuft wurde, gelöst worden: Die Infrastruktur des Ostens kann sich sehen lassen. Ob Straßen, Schienennetz oder schnelles Internet – diese Kluft ist mehr als geschlossen. Wenn man dem Einheitskanzler Helmut Kohl posthum huldigen mag, blühen die Landschaften vielerorts in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern", finden die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
    Das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND sieht das kritischer. Es schreibt unter anderem in der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG: "Nach 36 Jahren ist es an der Zeit, die Frage umzudrehen: Ist nicht gerade der Westen das Problem? Weil er seit diesen 36 Jahren in der Illusion lebt, der Goldstandard zu sein, an den sich der Osten anzunähern habe (und dabei versagt). Wochenlang wurde rund um die Sachsen-Anhalt-Wahl über die Frage gestritten, ob die Ostdeutschen jetzt endlich mal dankbar für die Transfermilliarden sein sollten – oder ob die Kosten der Einheit ein Nullsummenspiel waren, weil die Vorteile Westdeutschlands durch neue Absatzmärkte und das Humankapital von Zuzüglern die Kapitalflüsse ausglichen. Die Frage ist müßig, denn der Wohlstandszuwachs ist auf beiden Seiten aufgebraucht, während uns junge Transformationsgesellschaften wie Polen überholen. Was wirklich ansteht, ist die Suche nach einer neuen Erzählung, wo dieses Land hinwill. Auf einem gemeinsamen Weg. Zum ersten Mal", fordert das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND.
    Die Zeitung ND.DER TAG erinnert: "Fast vier Millionen Ostdeutsche sind seit 1990 in den Westen 'ausgewandert'. Sie alle haben ihre Erfahrungen, Gewohnheiten und Biografien mitgebracht, sie wurden Schulkamerad*innen, Arbeitskolleg*innen und Freund*innen. Wer also nicht mit ganz fest verschlossenen Augen durchs Leben geht, dürfte gerade auf dieser persönlichen Ebene von der Wiedervereinigung betroffen sein. Das anzuerkennen und zu reflektieren, könnte auch dabei helfen für ein besseres politisches Klima in diesem Land zu sorgen", betont ND.DER TAG.
    Die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG blickt auf die jüngsten Wahlerfolge in Ostdeutschland: "Linke und AfD leben von Fehlern im Zuge der Vereinigung sowie vom Versagen der Regierungen der vergangenen zehn Jahre. Das bedeutet keineswegs, dass die deutsche Einheit ein Irrweg war. Und schon gar nicht, geringzuschätzen, Diktatur und Spaltung auf friedlichem Wege überwunden zu haben. Es mag sehr bequem sein, die Nase über 'die da' zu rümpfen. Konstruktiver wäre der Dialog. Wir sind ein Volk – mit verschiedenen Erfahrungen und Empfindungen. Das darf man auch mal feiern", unterstreicht die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG aus Heide.
    Nun ein Blick auf Bundespräsident Steinmeier, der sich einem Medienbericht zufolge in den jüngsten Streit der Bundesregierung über die Sparmaßnahmen in der Pflege eingeschaltet haben soll. Die WELT merkt an: "Friedrich Merz mag ein schwacher Kanzler sein. Das Volk mag sich nach einem Befreiungsschlag sehnen. Aber die Politik ist nun einmal nicht Karate, sondern 'das starke und langsame Bohren harter Bretter', wie Max Weber es formulierte. Die große Koalition hat ein Mandat bis 2029. Sie hat dieses Mandat gefälligst wahrzunehmen und die harten Bretter weiter zu bohren. Daran hat Steinmeier sie erinnert, und das war gut so", meint DIE WELT.
    Um das Amt des Bundespräsidenten - oder der Bundespräsidentin - geht es in einem Kommentar der MEDIENGRUPPE BAYERN. Sie schreibt unter anderem in der PASSAUER NEUEN PRESSE: "Bereits am 30. Januar wählt die Bundesversammlung den Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier. CDU und CSU, die dort die wohl aussichtsreichste Ausgangsposition für einen Kandidaten haben, sollten also langsam in die Gänge kommen. Und es ist einigermaßen unverständlich, warum sie nicht endlich die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) nominieren. Für sie spricht ausgesprochen viel. Es wird Zeit für eine Frau in diesem Amt. Es gibt zwar auch andere mögliche Kandidatinnen, aber keine hat eine so umfassende politische Erfahrung als Landtags- und Bundestagsabgeordnete, als Landes- und Bundesministerin und als Parlamentspräsidentin wie Aigner. Sie schafft es zudem wie wenig andere, eine ganz natürliche Augenhöhe herzustellen – zu den Großkopferten wie zu den ganz normalen Leuten. Aigner wird als CSU-Frau über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg geschätzt. Das könnte noch von enormer Bedeutung sein. Ob Aigner die Kandidatin der Union wird, hängt freilich maßgeblich von CSU-Chef Söder ab. Der weiß: Würde Aigner Bundespräsidentin, wäre es mit seinen eigenen Kanzler-Ambitionen wohl vorbei – denn es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass die CDU zwei CSU-ler in Berliner Spitzenämtern akzeptieren würde", analysiert die MEDIENGRUPPE BAYERN.
    Nun ein Blick ins Ausland. Die schwedische Zeitung AFTONBLADET beschäftigt sich mit einer Rede von US-Verteidigungsminister Hegseth: "Eine Welt, die in Gut und Böse aufgeteilt ist. Ein Gott der auf der eigenen Seite steht, und Krieg als Teil eines größeren geistlichen Kampfs. So klingen eigentlich Mullahs oder Taliban - aber diese Äußerungen stammen von Hegseth. Im Pentagon gibt es eine neue Abteilung, die der Religion in den US-Streitkräften eine stärkere Rolle verschaffen soll. Hegseth hat auch schon Gottesdienste im Pentagon gehalten. Aktuell befinden sich die USA im Krieg mit dem Iran. Zu den zentralen Kritikpunkten am Regime in Teheran gehört eben gerade die Verquickung von Religion und politischer Macht. Religion dient im Iran zur Rechtfertigung von Gewalt. Aber wenn nun auch in den USA der Verteidigungsminister von einem göttlichen Kampf predigt, sollten die Alarmglocken schrillen. US-Soldaten sind Christen, Muslime, Juden und Atheisten. Sie haben der Verfassung Treue geschworen, nicht Gott oder Pete Hegseth. Es besteht Anlass zur Sorge: Die stärkste Armee der Welt soll keinen Krieg in Gottes Namen führen", warnt AFTONBLADET aus Stockholm.
    Und zum Schluss ein Blick auf den Bürgerkrieg in Äthiopien. Die katholische Wochenzeitung DIE TAGESPOST erklärt: "Äthiopien versinkt in Blut und Tränen. Weit unter der Wahrnehmungsschwelle einer Weltöffentlichkeit tobt in einem der ältesten christlichen Länder der Welt ein ethnischer Krieg, der kein Ende findet. Daran trägt auch der 2019 nicht nur verfrüht, sondern wohl irrtümlich mit dem Friedensnobelpreis geehrte Regierungschef Äthiopiens, Abiy Ahmed, Schuld. Er hat die ethnischen Spannungen selbst seit Jahren befeuert, statt sie auszugleichen. Wie schon so oft in diesem Jahrhundert übersieht der Westen auch in diesem Fall ein Pulverfass, das weit über die eigenen Grenzen hinaus Krieg und Massenvertreibungen auslösen könnte. Die innere Krise Äthiopiens bringt ganz Ostafrika in Turbulenzen; ein Staatszerfall jedoch würde seine Druckwellen weit darüber hinaus entfalten." Das war die TAGESPOST aus Würzburg, und damit endet die Presseschau.