04. Oktober 2026
Die Presseschau

Die Kommentare beschäftigen sich mit dem Iran-Krieg und dem Nahost-Konflikt. Zunächst geht es aber um die Bundespolitik anlässlich des gestrigen Feiertags.

Eine Menschenmange feiert mit Luftballons und Deutschlandfahnen vor dem Brandenburger Tor die Wiedervereinigung in der Nacht auf den 3. Oktober 1990
Eine Menschenmange feiert mit Luftballons und Deutschlandfahnen vor dem Brandenburger Tor die Wiedervereinigung in der Nacht auf den 3. Oktober 1990 (picture-alliance/ dpa | Fotoreport)
Die WELT AM SONNTAG merkt an: "Jedes Jahr taucht zum Tag der Deutschen Einheit die Frage auf, ob wir denn jetzt auch endlich innerlich EIN Land sind. Dann werden gerne die Errungenschaften des deutschen Förderalismus beschworen. Gleichzeitig gerät dieser Förderalismus in der Realität zunehmend unter Druck. Aus dem nachvollziehbaren Gedanken, eine AfD-Regierung könnte den Landesverfassungsschutz abschaffen, wird offen über die Ultima Ratio 'Bundeszwang' nachgedacht. Zudem droht der Bund mit dem Ausschuss des Landes aus dem gemeinsamen Verbund, um den Abfluss von Staatsgeheimnissen an die AfD zu verhindern. Aber wer hier nach Zentralisierung ruft, zerstört die Resilienz, die uns vor Missbrauch staatlicher Macht schützen soll. Dabei wäre doch in Zeiten wachsender Bürokratie, staatlicher Überforderung und sinkenden Vertrauens in dessen Handlungsfähigkeit das Gegenteil richtig. Wir müssten mehr Förderalismus und Subsidiarität wagen", attestiert die WELT AM SONNTAG.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG legt den Fokus auf die Christdemokraten, und resümiert: "Ein Stück weit erleidet die CDU nun die Revanche des Ostens, von Bürgern, die sich notorisch benachteiligt und geringgeschätzt fühlen. Für die Christlichdemokraten machte es den 3. Oktober, den Tag der Deutschen Einheit, dieses Jahr besonders bitter. Sie hatten im Herbst 1989 die Wiedervereinigung mit großem Tempo vorangetrieben. Kohl versprach den Menschen im Osten seine 'blühenden Landschaften'. Die SPD bezweifelte das. Geholfen hat es ihr nicht. Der Niedergang der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands begann lange vor jenem der Union. Im Gegensatz zur SPD glaubte man die CDU besser gefeit gegen interne Querelen und gesellschaftliche Umbrüche. Sie war Machtmaschine und Volkspartei in einem. Was nur ist geschehen? Natürlich hat die CDU ein personelles Problem. Sie hat heute keine starken Persönlichkeiten, Kanzler Merz fand nie in sein Amt. Nicht der Strandkorb, den sich der junge, von der Ostsee stammende Staatsminister Philipp Amthor auf den Balkon seines Kanzleramtsbüros stellen ließ, ist das Ärgernis, sondern der offenkundige Mangel an Seriosität und menschlicher Reife", urteilt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.
Zur Diskussion um die Berliner Partei Die Linke stellt DER TAGESSPIEGEL in seiner Wochenendausgabe fest: "In den vergangenen zwei Wochen ist eine Menge Unsinn geredet worden über das sehr reale Problem des Antisemitismus in der Linkspartei. Ärgerlich war etwa die Behauptung der SPD-Chefin Bärbel Bas, die Linkspartei sei möglicherweise 'in großen Teilen antisemitisch unterwegs'. Eine solche Pauschalisierung wird dem Problem nicht gerecht und tut den Betroffenen keinen Gefallen. Skandalös ist allerdings auch die Krisenkommunikation der Linkspartei. Es wird abgestritten, kleingeredet, abgelenkt. Aufklärung und Transparenz werden versprochen, bleiben dann aber aus", bemerkt DER TAGESSPIEGEL.
Nun zum nächsten Thema. Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO geht auf den vereitelten mutmaßlichen Terrorangriff in einem Passagierflugzeug nach Tel Aviv ein und schreibt: "Diese Terroraktion erinnert uns, dass das Sicherheitsrisiko bei geopolitischem Kräftemessen nicht nur auf die Kriegsfront übertragen werden kann. Dass diesmal eine humanitäre Katastrophe im letzten Moment verhindert werden konnte, war ein großes Glück im Unglück. Im Nachhinein fragen sich viele, was wäre, wenn… Der Vorfall ist in gewisser Weise ein Spiegelbild der angespannten Lage im Nahen Osten", kommentiert JIEFANG RIBAO aus Shanghai.
Die israelische Zeitung HAARETZ stellt eine Verbindung zwischen dem Flugzeugvorfall und Israels Ministerpräsidenten Netanjahu her und konstatiert: "Die Atmosphäre des Chaos und der Unsicherheit, das Gefühl der anhaltenden Krise - das ist Netanjahus bevorzugte Spielart. Das sind die Emotionen, die er schon lange ausnutzt. Das Flydubai-Spektakel wird ihm daher mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Hände spielen, während die Wahlen näherrücken. Netanjahus Geschick besteht darin, Krankheit als Heilung zu deklarieren. Die Angriffe vom 7. Oktober sind während seiner Regierungszeit geschehen, aber jetzt behauptet er, dass nur er Israel aus der daraus erfolgten Krise retten kann." Das war HAARETZ aus Tel Aviv.
Die norwegische Zeitung VERDENS GANG analysiert das große Ganze in Nahost: "Schon vor dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 gab es kaum noch Vertrauen zwischen Israelis und Palästinensern. Inzwischen ist es auf Null gesunken. Premierminister Benjamin Netanjahu macht es Israels Kritikern leicht, mit seiner Kriegsführung in Gaza, seiner fehlenden Planung für die Zeit danach und seinen extremistischen Politikern. Kaum jemand glaubt, dass Israelis und Palästinenser untereinander zu einer Lösung gelangen können. Und hier kommt der unberechenbare US-Präsident Donald Trump ins Spiel - erst recht, wenn er bei den Zwischenwahlen eine Niederlage erleidet. Danach würde er in der Innenpolitik nur noch wenig erreichen können. Was wäre da ein größeres Vermächtnis als eine Lösung für den Nahen Osten?", überlegt VERDENS GANG aus Oslo.
Der Krieg im Iran und den umliegenden Regionen ist derweil Thema in der panarabischen Zeitung AL QUDS AL-ARABY. Sie resümiert: "Die Huthi haben mit den USA zwar vereinbart, derzeit auf Kämpfe zu verzichten. Sollte der Krieg zwischen Iran und den USA jedoch eskalieren, könnte sich das ändern. Die Huthi könnten die Vereinbarung aufkündigen und die Meerenge von Bab al-Mandab angreifen oder blockieren. Eine solche Eskalation würde die Ölpreise weltweit zusätzlich in die Höhe treiben. Dieses Risiko dürfte die Trump-Regierung aus mehreren Gründen kaum eingehen wollen", schreibt die Zeitung AL QUDS AL-ARABY, die in London erscheint.
Die Zeitung QATAR TRIBUNE aus Doha wirft einen Blick auf die Position des eigenen Landes im Iran-Krieg und betont: "Dohas Rolle besteht nicht darin, anstelle von Washington oder Teheran den Ausgang zu bestimmen. Vielmehr sollte Doha die Bedingungen schaffen, unter denen die beiden Seiten miteinander kommunizieren, gegenseitige Maßnahmen auskundschaften und einen Rahmen für die Umsetzung schaffen können. Die zentrale Frage ist, ob die aktuellen diplomatischen Kanäle helfen können, die Lücke zwischen politischen Absichten und der Praxis zu überbrücken. Während Washington und Teheran ihre jeweiligen Verpflichtungen abwägen, werden Dohas Bemühungen sich darauf konzentrieren, die Verhandlungen am Laufen zu halten", fasst die Zeitung QATAR TRIBUNE zusammen.
Zum Schluss noch ein Blick nach Frankreich. Dort protestieren seit Tagen Schüler und Schülerinnen gegen schlechte Lernbedingungen - und die Proteste werden zunehmend gewalttätiger. Viele Medien werfen der französischen Linkspartei und Politiker Mélenchon vor, die Proteste anzustacheln. THE INDEPENDENT aus Großbritannien kommentiert zu den Blockaden, die bei den Protesten veranstaltet werden: "Es ist zu einfach, diesen theatralischen Stil zu belächeln, aber Schüler und Lehrer haben allen Grund, sich zu beschweren. Schultage gehen länger als sechs Uhr abends, die Klassen sind mit 35 oder mehr Schülern überfüllt, abwesende Lehrer werden nicht ersetzt, die Gebäude sind marode und die Angestellten sind schlecht bezahlt. Das Problem ist aber, wer all das ausnutzt. Traurigerweise ist all das maßgeschneidert für die rechtsextreme Marine Le Pen, die nun glücklich die öffentliche Aufmerksamkeit von den Antisemitismus-Vorwürfen gegen ihren aufstrebenden Premierminister Bardella weglenken kann. Die Linkspartei mit Mélenchon und der Jugend liefert das Chaos, und die extreme Rechte sammelt die Wählerstimmen ein", prognostiziert THE INDEPENDENT aus London. Und mit dieser Stimme endet die Presseschau.