21. September 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Die Zeitungen kommentieren die Einigung mit den USA im Grönland-Streit und den Ausgang der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Viele gehen dabei auf den Reformkurs der Bundesregierung und die politische Zukunft von Bundeskanzler Merz ein.

    Ein Bildschirm im Willy-Brandt-Haus zeigt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei seiner Ansprache nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
    Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) (dpa / Kay Nietfeld)
    Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG schreibt: "Rechte Radikale sind die großen Gewinner der Wahl in Schwerin, linke Radikale sind es in Berlin. Deutschland wird so nicht einfacher zu regieren. Beide Landtagswahlen führen noch einmal vor Augen, was daraus folgt, falls die Mitte keinen Kurs vorgibt. Wenn es ihr nicht gelingt, Ängste aufzugreifen, Menschen ernst zu nehmen, sie nicht zu belehren, zu bedrohen, zu beleidigen. Eine Hoffnung bleibt: Wenn es in der Mitte einsam wird, findet man sich dort vielleicht zusammen. Migration, Energie, Klima: In einigen Feldern wurden die Linien zuletzt weicher. Das ist der richtige Weg, statt sich zu zerfleischen mit moralischen und machtorientierten Maximalpositionen. Die kann man den Parteien am Rand überlassen. Sie sind dort auch gut aufgehoben", meint die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
    Die AUGSBURGER ALLGEMEINE sieht es so: "Die Regierungsparteien der alten Bundesrepublik verlieren ihren Fußabdruck, beinahe überall im Osten. Mal wankt die SPD an der Fünf-Prozent-Hürde, mal ist es die CDU. Die Grünen bleiben außerhalb Berlins eine Randnotiz, die FDP ist so tot wie im Westen. Stattdessen: starke Ränder – die AfD in Mecklenburg, die Linke, sogar als Wahlgewinnerin, in Berlin."
    Die FRANKFURTER RUNDSCHAU betont die Möglichkeit für eine "linke Alternative" zur AfD: "Die Bundesrepublik rückt nach rechts. Die ganze Republik? Nein! Ein gallisches Dorf, das dem allgemeinen Trend trotzt wie in den Asterix-Comics, befindet sich ausgerechnet in der Hauptstadt. In Berlin hat die noch vor wenigen Monaten völlig unbekannte Linken-Politikerin Elif Eralp einen überraschend klaren Wahlsieg eingefahren. Die Erfolgsgeschichte zeigt: Wenn es gelingt, berechtigten sozialen Protest mit dem Kampf gegen rechts zu verbinden, sind auch Wahlsiege auf der linken Seite des politischen Spektrums möglich. In Mecklenburg-Vorpommern hat die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Manuela Schwesig es zwar nicht geschafft, die AfD einzuholen. Doch ihre beeindruckende Aufholjagd dürfte reichen, um weiter zu regieren. Schwesig hat sich deutlich abgesetzt von der Regierungspolitik im Bund, die von der eigenen SPD mitverantwortet wird. Dieses klare Signal, das von den Wahlergebnissen für Eralp und Schwesig ausgesendet wird, sollte auch im Kanzleramt gehört werden", ist die FRANKFURTER RUNDSCHAU überzeugt.
    Die BADISCHE ZEITUNG warnt die SPD davor, die falschen Schlüsse aus dem Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern zu ziehen: "Die sonst sieche SPD darf Manuela Schwesigs fulminante Aufholjagd feiern, aber sie sollte diese nicht überbewerten. In Mecklenburg-Vorpommern gab es den von der 'Frau gegen Blau' erhofften Sogeffekt: Die größte Kraft der Mitte wurde gestärkt, um einen neuen AfD-Triumph zu verhindern. Sollte die SPD sich nun im Bund von Schwesigs harter Reformkritik anstecken lassen, wäre das keine gute Nachricht. Denn in dem Punkt hat Friedrich Merz recht: Die Reformen müssen kommen."
    Die SAARBRÜCKER ZEITUNG meint dazu: "Merz geht am Wahlabend in die Offensive: Seine Botschaft: Ich ziehe durch, trotz der Niederlagen werde ich für den Reformkurs einstehen. Merz versucht mit aller Kraft, seine Kanzlerschaft zu retten, das wird am Sonntag klar. Doch ob das reicht für die nächsten Monate? Zweifel bleiben. Merz muss jetzt den Balanceakt schaffen, Union und SPD im Bundestag zusammenzuhalten. In der SPD merkt man deutlich, dass der Reformwille sich abschwächt, auch bei der CSU wird das in Teilen schon deutlich. In der CDU wird man in der Bundestagsfraktion dagegen klare Kante von Merz einfordern. Es wird ein Drahtseilakt."
    Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN gehen ebenfalls auf die Stellungnahme des Bundeskanzlers am Wahlabend ein: "Dass Merz unmittelbar nach der Prognose vor die Kameras trat, zeigt den Ernst der Lage, nicht nur für die CDU. Noch nie hat sich ein Kanzler unmittelbar nach Landesabstimmungen an die Nation gewandt. Dass der 'Rückenwind aus Berlin' ausgeblieben ist, räumte der Kanzler unverblümt ein. An den umstrittenen Reformen will er dennoch festhalten. Ob ihm das gelingt, ist ungewiss. Der 70-Jährige ist ein Regierungschef auf Abruf."
    Der WESER-KURIER aus Bremen befasst sich mit der politischen Zukunft des Bundeskanzlers: "Es spricht derzeit mehr dafür, dass sowohl die Ministerpräsidenten als auch die Rebellen innerhalb der Unionsfraktion die Faust in der Tasche ballen und den Kanzler zunächst eher stützen als stürzen werden. Eines haben insbesondere die Ergebnisse der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern gezeigt: Das beste Mittel, die AfD in Schach zu halten, ist ein starker und anerkannter Regierungschef. Von ihren hohen Zustimmungswerten hat Manuela Schwesig profitiert und kann deshalb weiter regieren. Bei den kommenden Landtagswahlen könnten es ihr Anke Rehlinger im Saarland, Daniel Günther in Schleswig-Holstein und Hendrik Wüst in Nordrhein-Westfalen gleichtun. Friedrich Merz ist dagegen in der Bevölkerung so unbeliebt wie kein Bundeskanzler zuvor. Sollte sich das nicht grundlegend ändern, wofür derzeit nichts spricht, wird es die Union kaum wagen, mit dem Sauerländer an der Spitze erneut in einen Bundestagswahlkampf zu ziehen. Das weiß Merz selbst am besten", unterstreicht der WESER-KURIER.
    Die FREIE PRESSE aus Chemnitz vermerkt: "Menschen wählen eben Menschen, denen sie etwas zutrauen. Von denen sie glauben, dass sie es können. In Baden-Württemberg war das zuletzt Cem Özdemir für die Grünen, in Sachsen-Anhalt hatte der AfD-Triumph maßgeblich mit Ulrich Siegmund zu tun. Ob dieser Vertrauensvorschuss immer in gute Politik mündet, ist eine andere Frage - siehe Friedrich Merz, von dem sich der eine oder andere ja auch viel versprochen haben soll. Und nun? Ist das denkbar schlechteste Szenario, dass eine Regierung unter Merz sich durchwurschtelt wie bisher. Geht es mit diesem Kanzler auch anders? Es wäre ein mittleres politisches Wunder. Dass derzeit niemand sagen kann wie es in der CDU weitergeht, ist das eindeutigste Zeichen ihrer tiefen Krise." Wir zitierten die FREIE PRESSE.
    Und nun zu der Einigung mit den USA im Grönland-Streit. In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG ist zu lesen: "Glaubt man Trump, dann hat er einen gewaltigen diplomatischen Sieg errungen: Die USA dürften in Grönland mit ihrem Militär künftig machen, was sie wollten, posaunte er bei Truth Social hinaus, keiner könne Amerika dort hineinreden, und zwar für immer und ewig. Aber in Wahrheit ist das, was Trump da angeblich herausverhandelt hat, nichts. Nach allem, was man über die Vereinbarung weiß, erlaubt sie den USA eine umfassende militärische Nutzung der Insel. Diese war ihnen aber vorher auch schon erlaubt. Davon, dass die USA nun Grönland besitzen, kann weiterhin keine Rede sein. Nun könnte man sagen: prima! Wenn die USA Grönland militärisch besser sichern, sichern sie damit die gesamte Nato-Nordflanke besser. Das ist höchst willkommen, es wäre ein ernsthaftes Investment von Trump in die Sicherheit Europas. Aber der Riss in der Nato, die Fassungslosigkeit über Trumps Verhalten, das Misstrauen und die Wut – das alles bleibt. Vielleicht lässt das irgendwann nach, weil Trump sich am Ende als halbwegs vernünftig erwiesen hat. Vielleicht aber auch nicht, vielleicht hat es die Nato dauerhaft traumatisiert", gibt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zu bedenken.
    Das STRAUBINGER TAGBLATT kritisiert das Vorgehen des US-Präsidenten: "Washington hätte seine Ziele ohne Drohungen und ohne den Eindruck erreichen können, ein Nato-Partner müsse um sein eigenes Territorium fürchten. Die USA sind in Grönland seit Jahrzehnten militärisch präsent. Es gab Verträge, Gesprächskanäle und ein gemeinsames Interesse daran, russischen und chinesischen Einfluss zu begrenzen. Man hätte einfach verhandeln können, wie es unter engen Verbündeten Usus ist: partnerschaftlich und respektvoll."