
Zunächst geht es um die Lage an Deutschlands Schulen. Der TAGESSPIEGEL aus Berlin zieht eine Bilanz der OECD-Bildungsstudie. Das Ergebnis sei ... "... nicht ganz so katastrophal ausgefallen wie die jüngste Pisa-Studie. Das liegt daran, dass es diesmal gar nicht darum ging, was Kinder können, wissen und anzuwenden wissen, sondern eher um blanke Zahlen: Wie gehen Länder mit dem Lehrkräftemangel um? Was verdienen Lehrer? Wie entwickeln sich die Hochschulabschlüsse und Berufsausbildungen? Wie viel investiert ein Land in Bildung? Und so weiter. Bei diesen Fragen steht Deutschland gar nicht so schlecht da. Deutsche Pädagogen sind vergleichsweise gut bezahlt. Deutschland hat aufgrund seiner Tradition einer hochwertigen Berufsbildung keinen so extremen Überhang bei den Hochschulabschlüssen wie andere Länder", hält der TAGESSPIEGEL fest.
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER verweist auf erfolgreiche Schulen: "Genau diese Gewinnerschulen sollte man sich ganz genau ansehen. Denn sie sind Inspiration und Ideengeber zugleich. Was macht diese Schule also anders? Ein Aspekt, der wohl einen sehr großen Anteil am Erfolg der dortigen Schüler ausmacht: Beziehungsarbeit. Die Schulleiterin sagt: Unser Fokus ist das Kind und was das Kind benötigt. Die Folge: Die Kinder und Jugendlichen lernen gerne – und sie lernen erfolgreich. Beziehungsarbeit und Bildungsarbeit sind eng miteinander verzahnt."
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf sieht die Politik in der Verantwortung: "Deutschland sucht dringend Lehrer. Und obwohl die Politik seit Jahren über den Lehrkräftemangel klagt, wird ein Teil des Nachwuchses wie Saisonarbeiter behandelt: Befristete Verträge enden mit dem Schuljahr, Lehrer landen in den Sommerferien in der Arbeitslosigkeit. Allein in diesem August waren es mehr als 3.000. Ein absurder Umgang mit Menschen, die dringend gebraucht werden. Wer Lehrer werben und an den Schulen halten will, muss wissen, was den Beruf attraktiv macht. Noch wichtiger wäre es aber, die Lehrer, die bereits da sind, auch gut zu behandeln. Ein Anfang wäre es, wenn sie nicht im Sommer Arbeitslosengeld beantragen müssten", betont die RHEINISCHE POST.
Kritischer äußern sich die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN. Es sei tragisch, dass Deutschland... "beim Unterrichtsausfall, dem Fehlen von Lehrkräften leider führend ist. 55 Prozent der Schüler besuchen Schulen, an denen im großen Stil Unterricht ausfällt. Der Schnitt aller untersuchten Staaten liegt nur bei 27 Prozent. Gerade in den Naturwissenschaften fällt viel Unterricht aus. Wo ansetzen? Schon an den Unis. Die Zahl der Abbrecher im Lehramtsstudium ist überproportional hoch. Das sind ja Leute, die wollen. Das Studium hält für viele offenbar nicht, was es verspricht. Die Bundesländer sind gefordert, das Studium attraktiver zu machen, um die Abbrecherquote zu senken", mahnt die MEDIENGRUPPE BAYERN.
Themenwechsel. Bundestagspräsidentin Klöckner warnt vor einer zunehmenden Polarisierung des Parlaments. Die CDU-Politikerin kritisiert insbesondere das Verhalten von Abgeordneten der AfD und der Linken im Plenum und droht bei systematischen Störungen mit einem harten Vorgehen. Die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG stimmt Klöckner zu: "Wer in der Volksvertretung so lange stört, bis andere nicht mehr zu hören sind, überschreitet die Grenze vom politischen Streit zur Behinderung der parlamentarischen Arbeit. Dass die CDU-Frau bei systematischen Störungen nun auch den Ausschluss einer ganzen Fraktion in Aussicht stellt, ist eine harte Ansage, jedoch eine nachvollziehbare."
Auch die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG hält die Kritik der Bundestagspräsidentin für berechtigt: "Dass ein Redner nicht mehr sprechen kann, darf die Bundestagspräsidentin nicht durchgehen lassen. Allerdings ist sie dann doch wieder nicht so mächtig, wie ihre Androhung, künftig komplette Fraktionen aus dem Saal zu entfernen, es vermuten lässt. Sie kann eine Sitzung unterbrechen oder sogar beenden – damit wäre der parlamentarische Ablauf empfindlich gestört. Und sie kann einzelne Abgeordnete des Saales verweisen. Dass sich Julia Klöckner nicht scheut, zu solchen Maßnahmen zu greifen, hat sie bereits gezeigt. Vielleicht hat ihre Drohung trotzdem disziplinierende Wirkung. Hoffentlich. Die Schüler, die allzu oft auf der Besuchertribüne die Debatten im 'Hohen Haus' verfolgen, werden sich gelegentlich fragen, wo sie da eigentlich hingeraten sind. Das Parlament hinterlässt keinen guten Gesamteindruck", urteilt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Das STRAUBINGER TAGBLATT geht noch einen Schritt weiter: "Demokratischer Streit lebt von der Fähigkeit, der anderen Seite zuzuhören, ihre Argumente und ihre Meinung zu ertragen, auch wenn es schwerfällt, und sich damit auseinanderzusetzen. Geht diese Fähigkeit verloren, ist das Gift für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Bundestag muss mit gutem Beispiel vorangehen. Benehmen sich Abgeordnete permanent daneben und bringt ihre Fraktion sie nicht zur Räson oder fördert das Verhalten sogar, darf es kein Tabu sein, diese Fraktion vor die Tür zu setzen. Und Störenfrieden so ihre Bühne zu nehmen."
"Worin besteht der Vorwurf?", fragt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Darin, dass Abgeordnete gesehen werden wollen – von Menschen außerhalb des Plenums? Es ist zum Gähnen. Klöckner jammert regelmäßig auf diese Weise. Sie lässt auch ihre Macht spielen: Wer einen anderen Abgeordneten der 'Lüge' bezichtigt, wird von Julia Klöckner gerügt; wer diesen selben Vorwurf hinter verschwiemelten Worten wie 'Desinformation' oder 'hybride Taktiken' verbirgt, der findet dagegen ihren Segen. So wird nichts klarer. Aber hölzerner, steifer. So braucht man sich über die Seltenheit, mit der Reden aus dem Bundestagsplenum öffentliche Aufmerksamkeit finden, leider nicht zu wundern", kritisiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG registriert viel Aufbruchsstimmung: "Man beschwört eine 'Politik der Hoffnung' und den großen Wandel, der jetzt - diesmal aber wirklich - kommen werde. Doch einige Versprechen klingen komplett unrealistisch. Etwa das angeblich kommende 'neue Zeitalter der Industrialisierung', von dem Schatzkanzler John Healey sprach. Großbritanniens Industrien haben seit Jahren Schwindsucht, sie ächzen unter enorm hohen Energiekosten und anderen Belastungen und bauen Stellen ab. Ein paar Staatsaufträge für Schiffswerften bringen da keine allgemeine Wende. Immerhin eine unbequeme Wahrheit servierte Schatzkanzler Healey den Delegierten: In den öffentlichen Kassen herrscht Ebbe. Man könne nicht aus dem Vollen schöpfen wie einst New Labour vor fast dreißig Jahren. Es ehrt den kantigen Sozialdemokraten, dass er diese Tatsache zentral betonte und auf Fiskaldisziplin pocht", findet die F.A.Z.
Die TAGESZEITUNG - TAZ - geht ein auf die Rede des Parteivorsitzenden und Premierministers Andy Burnham. Dieser stellte "Sehnsucht in den Mittelpunkt. 1945 habe man es schon einmal geschafft, ein besseres Land aufzubauen, rief er unter Verweis auf die damalige Labour-Regierung, die nach dem Sieg im Zweiten Weltkrieg den modernen Wohlfahrtsstaat aufbaute. Seit vierzig Jahren sei Großbritannien auf dem falschen Weg. Wer braucht da noch Nigel Farage? Linke Kritiker können nun mosern, dass Burnham Emotionen der Rechten übernimmt. Sie sollten sich eher fragen, warum Farage jahrelang an alte linke Emotionen anknüpfen konnte: nämlich den Wunsch, gemeinsam ein besseres Land aufzubauen. Konkretes hat der Labour-Premier zwar immer noch wenig zu bieten. Aber niemand lässt das Unkonkrete so schön aussehen wie Andy Burnham", lautet das Fazit der TAZ.
