02. Oktober 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute mit Stimmen zu den Vorgesprächen für eine Regierungsbildung in Berlin; zur Auszeichnung der NATO mit dem Westfälischen Friedenspreis und zu dem dramatischen Zwischenfall an Bord eines Linienflugs von Dubai nach Tel Aviv.

Elif Eralp, Linken-Politikerin, steht in Berlin vor dem Roten Rathaus.
Die Linken-Politikerin Elif Eralp will Regierende Bürgermeisterin in Berlin werden - dazu haben Vorgespräche ihrer Partei mit Grünen und SPD begonnen. (picture alliance / dpa / Sebastian Gollnow)
Zu den Berliner Gesprächen zwischen Linken, Grünen und SPD schreibt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "In der großen Aufregung, die rund um die Berliner Linke gerade herrscht, ist ein entscheidendes Detail beinahe untergegangen: Elif Eralp ist ja nicht einfach eine Linke, die vergesellschaften will. Mit ihr könnte eine Frau, deren Eltern vor 46 Jahren aus der Türkei flohen, Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden.Das wäre 37 Jahre nach dem Mauerfall ein historischer Moment. Die Linke, und die Berliner Linke ganz besonders, hat sich in den vergangenen Jahren wie keine andere Partei für diejenigen eingesetzt, die in Deutschland mit Migrationshintergrund leben", analysiert die SZ.
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus mahnt: "Zunächst soll die Linke erklären, wie sie gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen vorgehen will. Auf dem Vorhaben lastet viel Druck. Die Gespräche müssen gelingen. Scheitern sie, wäre Berlin womöglich politisch gelähmt. Zwar hätten auch CDU, Grüne und SPD eine Mehrheit - aber eine so knappe, dass sie kaum trägt. Zumal es für SPD und Grüne in Berlin selbstzerstörerisch wäre, nun doch mit den konservativen Wahlverlierern zu koalieren. Neuwahlen aber würden die Lage verschärfen. Trotzdem darf es nicht zu faulen Kompromissen kommen", konstatiert die LAUSITZER RUNDSCHAU.
Neben Antisemitismus-Vorwürfen ist auch der Umgang einzelner Linken-Politiker mit Akteuren der organisierten Kriminalität ein Gegenstand der Vor-Sondierungsgespräche. Der TAGESSPIEGEL aus der Hauptstadt geht auf die Rolle des Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak ein: "Koçak und seine radikale Neuköllner Linke sind ein Vorbild für den Erfolg und die Wiederbelebung der Partei, bei der Wahl im Bund 2025 und nun in Berlin. Dass Koçak nur seinen Sitz im Innenausschuss abgibt, aber mit dem Segen seiner Genossen sein Direktmandat, an dem sein Bezirksverband finanziell gut mitverdient, behält, zeigt, wie es moralisch um die Partei steht. Die Linke muss ihren Helden stürzen, um glaubhaft zu bleiben – und in Berlin regieren zu können", ist der TAGESSPIEGEL überzeugt.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG denkt in ihrem Kommentar bereits über das Abgeordnetenhaus hinaus: "Sicher denken manche darüber nach, ob nicht auch eine lupenreine Linkskoalition im Bund möglich wäre. Dazu müssten die drei Parteien im Schnitt nur auf jeweils etwas mehr als 15 Prozent kommen. Das könnte durchaus erreichbar sein, wenn nach einem Zerbrechen der schwarz-roten Koalition die Karten neu gemischt werden würden und der Ruf erschallte, man müsse unbedingt verhindern, dass die AfD an die Macht komme - alles sei besser als das. Das linke Auge drücken bis heute viele viel lieber zu als das rechte. Doch könnte sich auch ganz Deutschland ein Experiment leisten, wie es in Berlin unter besorgniserregenden Vorzeichen begonnen werden soll?", fragt die F.A.Z.
Themenwechsel. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat stellvertretend für das Verteidigungsbündnis in Münster den Westfälischen Friedenspreis entgegengenommen. Dazu das HANDELSBLATT aus Düsseldorf: "Dass die Nato in Münster mit dem Friedenspreis geehrt wird, ist nicht nur gerechtfertigt, es ist überfällig. Vielleicht trägt die Preisverleihung dazu bei, den gerade in Deutschland immer noch verbreiteten Irrglauben zu korrigieren, dass ein kategorischer Gegensatz zwischen Militär und Frieden besteht. Zu Unrecht wurde Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius kritisiert, als er das Ziel einer 'kriegstüchtigen' Bundeswehr ausgab. Nur eine einsatzbereite Armee entfaltet ihre abschreckende Wirkung. Die russische Propaganda nährt die Legende, dass eine Bedrohung von der Nato ausgeht. Dabei strebt das Bündnis anders als Russland nicht nach imperialer Expansion, sondern nach kollektiver Sicherheit", lobt das HANDELSBLATT.
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg steht dem Preisträger kritischer gegenüber: "Offiziell hat die Nato eine defensive Ausrichtung. Es gab und gibt aber Militäreinsätze außerhalb der Bündnisgrenzen. Mitunter auch ohne Zustimmung der Vereinten Nationen, wie 1999 im Kosovo. Der längsten Nato-Mission hatte die Uno zugestimmt: Dem Krieg in Afghanistan. Er endete im Fiasko. Seit die schwarz-rote Regierung in Berlin am Ruder ist, fährt sie wegen der russischen Bedrohung einen strammen Aufrüstungskurs - finanziell und materiell. Um Akzeptanz in der Gesellschaft zu schaffen, wird propagierend nachgeholfen. So kommt ein Friedenspreis für ein Bündnis zustande, das ohne seine militärische Komponente gar keine Existenzberechtigung hätte. Eine glatte Fehlentscheidung", ist die VOLKSSTIMME überzeugt.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder geht auf die Laudatio ein, die Bundeskanzler Friedrich Merz gehalten hat: "Es ist ein richtiges Zeichen, dass der Kanzler bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises nicht nur den Preisträger, die Nato, würdigt. Sondern wie deutlich er sich in Sachen Ukraine und Russland äußert. Diese Klarheit ist gut, weil auch dem Ausland der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt und ihr starkes Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern nicht entgangen ist. In Landtagen wird zwar nicht über die deutsche Außenpolitik entschieden. Aber trotzdem fragen sich Menschen in der Ukraine, in Russland und anderswo: Steht Deutschland oder wackelt es? Merz' Antwort lautet: Es steht", resümiert die MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
Die RHEINISCHE POST ist folgender Meinung: "Merz sagt: Wer Europas Frieden sichern will, darf Kiew nicht alleinlassen. Doch eine Rede schafft keine Zustimmung. Viele fragen, wie lange der Krieg dauert, was Waffenhilfe bewirkt und wann die Kosten enden. Wer diese Sorgen abtut, überlässt das Feld jenen, die einfache Antworten versprechen und die Folgen eines russischen Siegs verschweigen. Die Regierung muss Ziele, Kontrolle der Hilfe und Deutschlands Beitrag erklären: Es geht darum, der Ukraine eine souveräne Zukunft zu ermöglichen. Dazu gehört Diplomatie; Europa muss wieder mit am Tisch sitzen", erinnert die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf.
Und nun zum Vorfall an Bord einer Maschine der Fluggesellschaft FlyDubai, bei dem der Copilot den Piloten schwer verletzte. Die emiratischen Ermittlungsbehörden prüfen einen islamistischen Terrorverdacht. An Bord der Boeing nach Tel Aviv waren viele Israelis. Dazu merkt der MÜNCHNER MERKUR an: In wenigen Tagen jährt sich der Horror des 7. Oktober für Israel zum dritten Mal. Und wie es aussieht, ist das Land einer weiteren Katastrophe nur mit großem Glück entkommen. Doch war es nicht Fügung allein, die den 174 Passagieren von Flug "FZ 1073" das Leben rettete: Es war die Tatkraft und Entschlossenheit von Menschen, die seit vielen Jahren all ihre Wehrhaftigkeit brauchen, um in einer feindlich gesinnten Welt zu überleben. Zu Recht feiert das Land den Mut jenes Israelis, der erst half, den Terroristen im Cockpit zu überwältigen, um dann das Flugzeug vor dem Absturz zu bewahren", heißt es im MÜNCHNER MERKUR.
"Auch die pedantischen Security-Checks, die Fluggäste nach dem 11. September in Kauf nehmen, schaffen keine absolute Sicherheit", stellt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG fest - und ergänzt: "Der FlyDubai-Flug kann aber auch ein positives Zeichen sein. Zuallererst unterteilten sich die Menschen an Bord schließlich nicht nach Glauben und Nationalität. Die fundamentalste Grenze war eine ganz andere: Es gab einen an Bord, der offenbar den Tod wollte, mindestens wohl den des Kollegen. All die anderen wollten leben. Im Flugzeug saßen sie alle zusammen. Der Pilot und die Passagiere, die eingriffen, haben für jeden einzelnen gewonnen. Auch so lässt sich die verhinderte Tragödie lesen: Damit die Gewalttreiber nicht gewinnen, müssen die anderen zusammenhalten." Mit diesem Auszug aus der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG endet die Presseschau.