06. Oktober 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind die erste Runde der Präsidentenwahl in Brasilien und die Warnungen der deutschen Geheimdienst-Chefs vor dem Schattenkrieg Russlands. Mehrere Zeitungen kommentieren zudem die Vergabe des Medizin-Nobelpreises, der in diesem Jahr auch an zwei deutsche Forscher geht. Zunächst aber eine Stimme zur konstituierenden Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt, bei der heute ein AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt werden könnte.

AfD-Politiker Tobias Rausch und Ulrich Siegmund im Landtag von Sachsen-Anhalt
Der AfD-Politiker Tobias Rausch (l.) will Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt werden, hier neben Fraktionschef Ulrich Siegmund, der sich im Dezember zum Ministerpräsidenten wählen lassen will (RONNY HARTMANN / AFP)
Das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND schreibt: "Die AfD wird, mit den Stimmen des BSW, voraussichtlich ihren ersten Landtagspräsidenten stellen. Sie beteuert, dieses wichtige Amt überparteilich führen zu wollen – das ist jedoch stark zu bezweifeln. Das liegt weniger am konkreten Kandidaten: Tobias Rausch ist eher ein Gemäßigter in dem rechtsextremen Landesverband. Zwar hat der 35-Jährige keine weiße Weste. Doch sollte man ihm zubilligen, dass sich das Verhalten ändern kann. Allerdings muss Rausch dies auch wollen. Und daran lässt eine Entscheidung zweifeln: Er will Generalsekretär seiner Partei bleiben. Der größte Beleg ist jedoch dies: Die Fraktion schlägt allen Ernstes als Vizepräsident Hans-Thomas Tillschneider vor. Er ist ein Dogmatiker, der das radikale Parteiprogramm maßgeblich verfasst hat, der giftschäumende Reden im Landtag hält und der selbst in der AfD als rechtsaußen gilt", stellt das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND fest.
Das STRAUBINGER TAGBLATT hebt hervor: "Mit dem Landtagspräsidenten kann die AfD künftig ihren Gegnern das Wort entziehen, außerdem ernennt er formell die Spitze des Landesrechnungshofs. Die Szenen werden nicht so chaotisch sein wie vor zwei Jahren in Thüringen. Aber man sollte sich keine Illusionen machen: Die AfD wird dieses Amt nutzen, um es ihren Gegnern so schwer wie möglich zu machen", ist das STRAUBINGER TAGBLATT überzeugt.
Die WESTDEUTSCHE ZEITUNG schlägt einen Bogen von der AfD zur Gefahr durch Russland: "Wie gefährlich die extremen Ränder in dieser Republik sind, zeigt sich auch an deren Haltung gegenüber dem Kriegsaggressor Russland. Die AfD fordert permanent ein Ende der Sanktionen und lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine ab. Die engen Beziehungen einiger AfD-Politiker mit Russland sind nachgewiesen. Insofern sind auch in dem Fall des russischen Schattenkriegs in Deutschland, von dem gestern drei Verfassungsschützer im Deutschen Bundestag in deutlichem Ton gesprochen haben, die Antworten in der Mitte zu suchen: BND, Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst warnen vor Sabotage, Desinformation und Anschlägen – gesteuert aus Russland, längst angekommen in Deutschland", erläutert die WESTDEUTSCHE ZEITUNG aus Wuppertal.
Im REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER heißt es: "Die Präsidenten der deutschen Geheimdienste haben bei ihrer Anhörung vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium selten so offen gesprochen und die Gefahren für die Bundesrepublik so konkret benannt. Deswegen sollte den Deutschen klar sein, dass die Zeit der großen Sicherheit jetzt endgültig vorbei ist. Die eindringlichen Warnungen vor möglichen Anschlägen, Sabotageaktionen und digitaler Propaganda aus Russland sind keine Panikmache. Der Ukrainekrieg fungiert seit mehr als vier Jahren als starker Katalysator für die Entwicklung der hybriden und konventionellen Kriegsführung. An diese Geschwindigkeit und die daraus resultierenden Bedrohungen muss sich das Land, die Bevölkerung und allen voran die Politik anpassen. Deshalb halten Jäger, Rosenberg und Selen die Regierung zurecht an, den Fuß nicht vom Gaspedal zu nehmen, wenn es beispielsweise um die Sicherung der kritischen Infrastruktur geht", ist im REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER zu lesen.
Und die MEDIENGRUPPE BAYERN bemerkt: "Seit zehn Jahren stellen sich die Präsidenten der drei deutschen Nachrichtendienste – der Auslandsgeheimdienst BND, der Verfassungsschutz und der Militärische Abschirmdienst MAD – einmal im Jahr der Öffentlichkeit. Lange hat das nur Insider interessiert. Doch spätestens mit dem von Russland initiierten Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen gilt besonders für die Chefs der drei Behörden, dass es an ihnen liegt, öffentlich zu sagen, was ist. Die Nachrichtendienste tun gut daran, sich als 'erste Verteidigungslinie' des Staates und seiner Verfassung in Stellung zu bringen. Lange genug haben sie Informationen gesammelt. Nun geht es darum, der Bevölkerung auch die Erkenntnisse zu vermitteln – damit jeder versteht: Die Bedrohung für Land und Leute ist real." So weit die MEDIENGRUPPE BAYERN und so viel zu diesem Thema.
Nach der Bekanntgabe der diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger notieren die NÜRNBERGER NACHRICHTEN: "Im trüben Einerlei der deutschen Stimmungslage ist das wirklich mal eine gute Nachricht: Die beiden deutschen Wissenschaftler Peter Hegemann (Berlin) und Georg Nagel (Würzburg) erhalten gemeinsam mit ihrem amerikanischen Kollegen Karl Deisseroth heuer den Nobelpreis für Medizin. Das ist in erster Linie ihr ganz persönliches Verdienst. Es spricht aber auch für das Land, in dem sie forschen und lehren. Ohne die Ausgezeichneten instrumentalisieren zu wollen, sollte man einfach mal feststellen, dass Deutschland oft noch ganz vorne steht - trotz gigantischer Probleme in Wirtschaft, Sozialsystemen und Politik", finden die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
"Zwei deutsche Grundlagenforscher und ein ehrgeiziger amerikanischer Visionär bekommen den diesjährigen Medizin-Nobelpreis", hält die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG fest. "Das ist natürlich zuerst ein riesiger Erfolg der deutschen Wissenschaft. In der Tat gibt es nicht viele Ehrungen aus Stockholm, die wie dieser Preis die Handschrift des deutschen Wissenschaftsverständnisses tragen. Aber es passt eben auch in das mithin stereotyp wirkende Bild, das hierzulande seit Langem kursiert: Deutschland kann Grundlagenforschung, doch wenn es darum geht, bahnbrechende Entdeckungen rasch in Ideen umzumünzen, die sich technisch nutzen und monetarisieren lassen, da packen andere schneller zu", bemängelt die F.A.Z.
Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg sieht Handlungsbedarf bei der Politik: "Wer heute den Wissenschaftlern gratuliert, muss morgen für verlässlich finanzierte Hochschulen und freie Forschung sorgen. Festreden schaffen keinen Fortschritt. Am Anfang der ausgezeichneten Arbeit stand eine Frage über eine Alge. Daraus wurde ein Werkzeug, das der Hirnforschung neue Möglichkeiten eröffnet. Grundlagenforschung lässt sich nicht nach dem nächsten Geschäftsabschluss beurteilen. Wer vor jedem Experiment einen wirtschaftlichen Nutzen verlangt, gefährdet die Entdeckungen von morgen", glaubt die SCHWÄBISCHE ZEITUNG.
Damit zu unserem letzten Thema. Bei der Präsidentenwahl in Brasilien gehen der linke Amtsinhaber Lula da Silva und sein rechter Herausforderer Flávio Bolsonaro in die Stichwahl. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU konstatiert: "Das Land hat bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl einen radikalen Ruck nach rechts, nach ultrarechts gemacht. Besonders freuen wird sich Donald Trump. Er hat dann ab 2027 wohl ein weiteres Land an seiner Seite, das ihm bedingungslos folgt. Noch vor ein paar Monaten sah es so aus, als seien der Wahlsieg des linken Amtsinhabers Lula da Silva und seine vierte Präsidentschaft nur Formsache. Zu schwach und blass war sein Herausforderer Flávio Bolsonaro. Aber in den vergangenen Wochen konnte der Rechtsextreme aufholen. Ganz offenbar ist es dem inhaftierten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro am Ende gelungen, sein Wählerpotenzial auf den Sohn zu übertragen", analysiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG meint: "Was fehlt, ist der überzeugende Grund für eine weitere Präsidentschaft von Lula da Silva, eine zukunftsweisende Erzählung. Siebenmal hat der frühere Gewerkschaftsführer inzwischen kandidiert. Sollte er doch noch gewinnen, würde er im Alter von 81 seine vierte Amtszeit antreten. Und trotzdem hat er bislang keine überzeugende Antwort auf die Probleme vieler Brasilianer gefunden, die Kriminalität im Land zum Beispiel oder die teils mangelhafte Schulbildung", resümiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, und damit endet die Presseschau.