10. Oktober 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Zentrale Themen der Kommentare sind die Verleihung des Friedensnobelpreises und der Besuch von Altkanzler Gerhard Schröder bei Wladimir Putin.

Die südafrikanische Juristin- Navanethem Pillay spricht in einem Interview.
Die südafrikanische Juristin- Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis - ein Thema der Presseschau. (picture alliance / KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI)
Die LANDSHUTER ZEITUNG schreibt zur Entscheidung des Nobelkomitees in Oslo: "Indem ihre Wahl auf die Südafrikanerin Navanethem Pillay fiel, haben die Norweger eine elegante Lösung gefunden. Die Spitzenjuristin war nicht nur UN-Kommissarin für Menschenrechte, sondern auch mehrere Jahre Richterin am Internationalen Strafgerichtshof. Die Würdigung ihrer Arbeit mit dem Friedensnobelpreis ist ein klares Plädoyer für das Völkerrecht und eine Mahnung zur rechten Zeit. Einem Donald Trump, der internationales Recht ignoriert und internationale Institutionen, wo immer möglich, bekämpft, kann das nicht gefallen", meint die LANDSHUTER ZEITUNG.
"Die Würdigung Pillays ist ein Bekenntnis zur multilateralen Weltordnung", hält die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG fest. "Die 85-Jährige steht für den Glauben daran, dass Frieden nicht allein durch Macht entsteht, sondern durch verbindliches Recht, unabhängige Gerichte, die Verfolgung von Kriegsverbrechen und internationale Kooperation. Damit verkörpert Pillay jene Ordnung, die nicht nur US-Präsident Trump mit seiner Skepsis gegenüber den UN, internationalen Verträgen und supranationalen Gerichten so gern geschwächt sehen will", folgert die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN notieren: "Die regelbasierte Ordnung gilt den Machthabern in den USA, in China und Russland als etwas Überholtes, Lästiges. Für sie ist nur das Recht des Stärkeren maßgeblich. Da war es genau die richtige Entscheidung des Komitees, nun einen Akzent zugunsten des Völkerrechts zu setzen. Unmittelbare Folgen wird das nicht haben. Aber was bleibt den Vernünftigen auf der Welt schon anderes übrig, als jede Gelegenheit zu nutzen, um auf ein vertraglich geregeltes und im Zweifelsfalle auch zu Sanktionen fähiges Miteinander der Staaten zu setzen?", überlegen die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
In der Wochenzeitung JÜDISCHE ALLGEMEINE ist von einer "niederschmetternden Nachricht" die Rede: "Seit ihrem Ausscheiden bei den Vereinten Nationen agitiert Pillay offen gegen Israel und unterstützt die BDS-Bewegung, wie UN Watch immer wieder dokumentiert hat. Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum Navi Pillay keine würdige Friedensnobelpreisträgerin ist. Im Juli 2022 wetterte ihr Kommissionsmitglied Miloon Kothari gegen eine angebliche 'jüdische Lobby'. Und er stellte Israels Recht auf Mitgliedschaft bei den Vereinten Nationen in Frage. Man sollte meinen, dass eine ehemalige Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte antisemitische Stereotype erkennt und sie konsequent zurückweist. Doch Navi Pillay tat das Gegenteil. Sie nahm Kothari vor Kritik sogar in Schutz. Er durfte Mitglied ihrer Kommission bleiben", kritisiert die JÜDISCHE ALLGEMEINE.
Der WESER-KURIER wirft ein: "Selbstverständlich kann man über die Resultate der UN-Untersuchungskommission zu Israel und den besetzten Palästinensergebieten, die Pillay geleitet hatte, debattieren. Im September 2025 war das Gremium zu dem Schluss gekommen, dass Israel im Gazastreifen Völkermord begangen habe. Ein harter Vorwurf, den nicht nur Israel bestreitet. Diese Erkenntnisse allerdings pauschal als voreingenommen und falsch zurückzuweisen, wie es die israelische Regierung auch nach Bekanntgabe der Entscheidung am Freitag wieder versuchte, ist eine falsche Strategie. Pillays Expertise als Juristin, die sich jahrzehntelang für die Wahrung von Menschenrechten in ihrer Heimat Südafrika, in Ruanda und anderswo auf der Welt eingesetzt hat, sollte auch in Jerusalem bekannt sein", mahnt der Bremer WESER-KURIER.
Altkanzler Schröder hat Russlands Staatschef Putin besucht und an einer Feier zu dessen Geburtstag teilgenommen. Das HANDELSBLATT kommentiert: "Ein vom Kreml veröffentlichtes Foto aus Putins Privathaus zeigt Schröder selig beim Händeschütteln mit dem Kriegsverbrecher, den er als seinen Freund bezeichnet. Die Außenwirkung dieses Fotos ist verheerend für das deutsche Ansehen in der Welt. Denn während Schröder mit Putin feierte, starben in der Ukraine Dutzende Menschen bei russischen Luftangriffen, darunter allein diese Woche drei einjährige Babys. Auch wenn der 82-jährige Schröder sich nicht mehr ändern wird, bleibt die Verurteilung seines Verhaltens bitter nötig. Denn sein nonchalanter Umgang mit Putin verstärkt das Narrativ von AfD, BSW und Linken, dass man mit dem Mann im Kreml doch nur reden müsse", heißt es im HANDELSBLATT.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vermerkt: "Schröder hat nun auch noch die allerletzte Schamgrenze überschritten. Hatte er sich auf bisherigen Moskau-Reisen seit dem russischen Überfall auf die Ukraine noch mit dem Nimbus des Elder Statesman umgeben und so getan, als könne er bei seinem Freund Putin etwas für den Frieden erreichen, macht Schröder nun nur noch Kasse und Party. Das kann nicht wirklich überraschen. Wie wenig er sich um den Ruf Deutschlands oder der SPD schert, hat Schröder ausreichend dokumentiert", lautet ein Urteil der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.
Die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG aus Halle/Saale merkt an: "Wenn Gerhard Schröder den Kreml-Chef weiter als Freund sieht, dann muss man an der moralischen Verfasstheit des Altkanzlers zweifeln. Und dennoch hat SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner recht, dass Schröder aktuell der einzige Politiker ist, der überhaupt persönlich mit Putin sprechen kann. So wie sich die Lage in der Ukraine entwickelt, ist ein Waffenstillstand oder gar Frieden nur mit Putin möglich. So viel Realismus sollte jeder deutsche Spitzenpolitiker haben. Natürlich darf die Ukraine nicht fallen gelassen werden - wie es AfD und BSW anstreben. Trotzdem muss mit Putin gesprochen werden - vielleicht wird Schröder da noch einmal wichtig", ist in der MITTELDEUTSCHEN ZEITUNG zu lesen.
"Putin gibt nichts auf solche Kontakte", findet hingegen der KÖLNER STADT-ANZEIGER. "Er nutzt Leute wie Schröder und Trump für seine Zwecke – Fotos, PR und eigene Imagepflege. Kein noch so unverfrorenes Hofieren wird den russischen Präsidenten dazu bewegen, seinen grausamen Krieg zu beenden. Und denen, die Putin den Hof machen, geht es auch um persönliche Interessen. Schröder hat in den vergangenen Jahren schlicht gute Geschäfte mit Russland gemacht – mit Positionen bei russischen Energiekonzernen. Nun hat er sich einen neuen Job gesichert: im Aufsichtsrat einer Handelskette", erinnert der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Dazu noch ein Kommentar der FUNKE-MEDIENGRUPPE: "Seien wir realistisch: Schröder wird seine Meinung und sein öffentliches Auftreten nicht mehr ändern. Er sollte dafür aber nicht belohnt werden. Dass Schröder und seine Frau beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in erster Reihe saßen, ist eine protokollarische Fehlentscheidung. Wenn man Schröder die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen nicht verwehren will, sollte man ihn zumindest in die fünfte Reihe verweisen. Es ist höchste Zeit", betont ein Kommentator der FUNKE-MEDIENGRUPPE.
Abschließend eine Stimme zur vorläufigen Einigung der EU-Finanzminister auf eine Zentralisierung der Finanzmarktaufsicht. Dazu schreibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG: "Die Einigung ist kaum zu überschätzen. Das Paket soll Hunderte Milliarden Euro in Wachstumsbranchen spülen. Europäische Start-ups, so die Hoffnung, können sich künftig in Europa mit ausreichend Kapital versorgen, statt in die USA weiterzuziehen. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union ist das zentral. Auch für Kleinanleger bieten sich neue Möglichkeiten. Kurz: Das Paket ist ein großer Schritt auf dem mühsamen Weg zu einer echten Kapitalmarktunion.Die Einigung ist auch symbolisch wichtig. Die Finanzminister haben innerhalb von zehn Monaten mehr für die Kapitalmarktunion erreicht als in den zehn Jahren zuvor, wie mehrere Minister hervorhoben. Die EU-Staaten haben erkannt, dass sie keine Chance gegen die USA und China haben, wenn sie die Hindernisse zwischen ihren Märkten nicht einreißen."