17. Oktober 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute mit Kommentaren zu verschiedenen Themen des EU-Gipfels sowie zu den Beschlüssen zur Erhöhung der Tabaksteuer und zur Einführung einer sogenannten Frühstartrente in Deutschland.

Ein pinkes Sparschwein steht auf einem schwarzen Untergrund, rechts davon liegen Cent-Münzen.
Die Bundesregierung will mit der Frühstartrente schon für Kinder eine Altersvorsorge auf den Weg bringen - ein Thema unsere Presseschau. (picture alliance / PantherMedia)
Das STRAUBINGER TAGBLATT begrüßt den Beschluss des Bundestags, wonach Kinder zwischen sechs und 18 Jahren zehn Euro im Monat vom Staat für ihre Altersvorsorge bekommen sollen: "Entscheidend ist, dass der Einstieg nicht vom Engagement der Eltern abhängt. Die Frühstartrente bietet jungen Menschen die Chance, am eigenen Depot zu verstehen, wie Geldanlage funktioniert. Dass Streuung wichtig ist, Kursschwankungen dazu gehören und sich Geduld auszahlt. Der Staat schießt also nicht nur einen Zehner im Monat zu, sondern eröffnet auch einen Zugang zu Finanzwissen, das bislang allzu oft vom Elternhaus abhängt", betont das STRAUBINGER TAGBLATT.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) lobt: "Die Frühstartrente soll die Altersvorsorge bereits in jungen Jahren stärken. Das sinnvolle Projekt zeigt: Der Koalition kann etwas gelingen, wenn sie nur will."
Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg kritisiert: "Das Konzept hat mehrere Haken. Erstens ist die Frühstartrente eine Förderung mit der Gießkanne - was sich der klamme Staat nicht leisten kann. Selbst Kinder, die später ein Millionenerbe antreten, bekommen das Geld. Zweitens besteht die Gefahr, den Kids eine fragwürdige Botschaft zu vermitteln: Sparen heißt, dass der Staat einem Geld schenkt. Diesem Eindruck können die Eltern zwar entgegenwirken, indem sie den Förderbetrag aufstocken. Doch das können sich nur jene leisten, die Geld übrig haben. Drittens ist die Frühstartrente ein staatliches Förderprogramm für Banken und Versicherungen. Angesichts der langen Laufzeiten bei der Frühstartrente sorgen die hohen Gebühren für einen massiven Renditeverlust. Das sollte korrigiert werden," mahnt die BADISCHE ZEITUNG.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG konstatiert: "Die Frühstartrente ist nach der Mütterrente die zweite neue Belastung in einem System, das dringend einer Entlastung bedarf. Die neue Rente hat gleichwohl den Vorteil, dass der Nutzen die Kosten überwiegt. Die Mütterrente und auch die Rente mit 63 sind kostspielige Privilegien, die mit Gerechtigkeit nicht viel zu tun haben. Sie müssen bezahlt werden durch Beitragszahler, die sie nicht beanspruchen wollen oder können. In der Frühstartrente ist der Effekt dagegen ein positiver: Sie unterstützt die junge Generation, die mehr Belastungen schultern muss als ihr lieb sein kann. Hätten deutsche Regierungen schon früher ein solches Vertrauen in die Kapitalmärkte gehabt, das deutsche Rentensystem stünde auf solideren Füßen", gibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG zu bedenken.
Die MÄRKISCHE ALLGEMEINE aus Potsdam beschäftigt sich mit der beschlossenen Erhöhung der Tabaksteuer: "Bis zu zwölf Euro pro Packung: Der Staat dreht an der Steuerschraube für Tabakwaren. Man könnte meinen, es gehe dem Staat um die Gesundheit seiner Bürgerinnen und Bürger. Indem er die Tabaksteuer erhöht, entwöhnt er die Menschen subtil vom Rauchen. Doch um die positiven gesundheitlichen Effekte der Tabaksteuer geht es der Bundesregierung nicht. Sonst hätte sie dafür gesorgt, dass die Mehreinnahmen zur Gesundheitsprävention genutzt werden. Die Tabaksteuer erfüllt am Ende nur einen Zweck: Sie soll dazu beitragen, die großen Löcher im Bundeshaushalt zu stopfen. Der Staat nutzt die Suchterkrankungen von Millionen Menschen aus, um schnell an Geld zu kommen. In dieser Hinsicht ist die Tabaksteuererhöhung geradezu perfide", so die Kritik der MÄRKISCHEN ALLGEMEINEN.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG richtet den Fokus auf die verbalen Angriffe von US-Präsident Trump auf den ukrainischen Präsidenten Selenskyj: "Trump hofiert nicht nur Kreml-Chef Putin, sondern diskreditiert zugleich Selenskyj. Statt anzuerkennen, dass sein Krieg gegen Iran die Energiekrise ausgelöst hat, gibt Trump nun Selenskyj die Schuld und fordert die Ukraine auf, sich einen neuen Staatschef zu suchen. Dass Trump gut sein würde für Putin, war stets absehbar – dass es sich so grotesk offenbaren würde, hat vermutlich selbst Putin nicht gehofft", mutmaßt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Der TAGESSPIEGEL aus Berlin ergänzt: "Inzwischen muss auch den Gutgläubigsten klar sein: Der US-Präsident lässt die Ukraine im Krieg gegen den russischen Aggressor fallen. Denn die vergangenen Tage und Wochen waren selbst für Trumps Verhältnisse von bemerkenswerter Tatsachenverdrehung, Selbstverleugnung und Täter-Opfer-Umkehr geprägt. Die Zwischenwahlen stehen an. Da kommt die Ukraine als Sündenbock gerade recht."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE geht auf die Reaktion der Europäer auf Trumps Attacken gegen Selenskyj ein: "Beim EU-Gipfel haben sie sich mit direkter Kritik am US-Präsidenten zurückgehalten. Doch die Bilder mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj im Kreis der Partner durften sowohl als Botschaft an Moskau als auch an das Weiße Haus verstanden werden: Hier steht man weiter hinter der Ukraine. Das Zeichen war umso nötiger, weil Trump zuletzt wieder einen Kurs eingeschlagen hat, von dem insbesondere Kreml-Chef Putin profitiert. Niedrige Spritpreise vor den Kongresswahlen wiegen für Trump schwerer als die Frage, wie sich die Ukraine gegen den russischen Aggressor behaupten soll – was sollen die Europäer da noch kommentieren?", fragt die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
Auch die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus blickt auf den EU-Gipfel, jedoch auf die Haushaltsgespräche: "Es ist geradezu fatal, dass bei den festgefahrenen Etat-Verhandlungen der vielzitierte deutsch-französische Motor zum Totalausfall wird. Paris ist politisch gelähmt und ächzt unter einem gigantischen Schuldenberg. Anstatt das eigene System zu reformieren, hofft Frankreich in dieser Situation auf die Milliarden aus Brüssel. Deshalb sind nun die Augen auf Deutschland gerichtet. Entscheidend ist, wie weit Kanzler Merz seine Vorstellungen durchsetzen kann, den EU-Haushalt zu modernisieren. Die EU hat jetzt die Chance zu zeigen, inwieweit sie mit konsequenten Investitionen in die Zukunft als geopolitischer Akteur eine zentrale Rolle in der Welt einnehmen will. Die Alternative wäre wenig verlockend; Europa würde unweigerlich als Spielball der USA, Chinas und Russlands enden", fürchtet die LAUSITZER RUNDSCHAU.
Die gemeinsame Position Deutschlands und Frankreichs für eine Abkehr vom sogenannten Verbrenner-Aus bis 2035 ist Thema in der FRANKFURTER RUNDSCHAU: "Kanzler Merz gibt den Retter der deutschen Autoindustrie. Frankreichs Präsident Macron hat offenbar auf dessen Druck seinen Widerstand gegen die Aufweichung des europäischen Verbrenner-Aus aufgegeben. Geht dieser Deal in der EU durch, könnten auch nach 2035 noch neue Benziner und Diesel verkauft werden. Was der Kanzler als Erfolg verkauft, dürfte sich als historischer Fehler erweisen: Den europäischen Autokonzernen drohen neue Verzögerungen beim Anschluss an das Zeitalter der E-Mobilität. Europas Hersteller benötigen einen verlässlichen Kurs, damit sie bezahlbare Stromer entwickeln und eigene Batteriefabriken aufbauen können. Stattdessen signalisiert Berlin: Der alte Motor hat doch noch eine Zukunft", klagt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
"Merz und Macron haben der Wirtschaft etwas Luft verschafft", findet die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg: "Diese muss nun sehen, wie sie die gewonnene Zeit nutzt, um den Übergang in die E-Mobilität agil zu gestalten. Denn daran führt nach wie vor kein Weg vorbei. Es liegt jetzt an der Automobilindustrie, Verpasstes nachzuholen. Denn vor allem der chinesische Technologievorsprung zu viel niedrigeren Preisen verschwindet ja nicht aus der Welt. Was deutschen Autobauern fehlt, ist Expertise 'created in Europe'. Das beginnt mit dem Google-basierten Navigationssystem, geht weiter über die dann doch nicht gebaute Recyclingfabrik für E-Auto-Akkus und hört noch lange nicht auf bei der chaotischen Lade-Infrastruktur, die beim unbedarften Fahrer Höchstpreise abruft." Mit dieser Stimme der RHEIN-NECKAR-ZEITUNG endet die Presseschau.