26. Oktober 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute mit einer Nachlese des CSU-Parteitags, der noch keine Festlegung der Union auf Ilse Aigner als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin gebracht hat, und mit Kommentaren zum Auftritt von Audi-Chef Döllner mit US-Präsident Trump.

Die CSU-Politikerin und Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, spricht in der 68. Plenarsitzung des Bayerischen Landtags am 28.01.2026 in München.
Die CSU-Politikerin Ilse Aigner (Archivfoto vom Januar 2026). (picture alliance / dpa / Matthias Balk)
Zunächst zu Ilse Aigner und der Union. Die AUGSBURGER ALLGEMEINE geht auf die Kandidatin selbst ein: "Ilse Aigner könnte in diesem Amt eine gute Figur machen als Politikerin und als Frau, die Brücken baut. Aigner ist jemand, der die Sprache des Volkes spricht und jene oft schmerzlich wahrgenommene Distanz zwischen 'denen, da oben' und den Wählern draußen, im Land, überwinden kann. Aigner ist herzlich und verbindlich im Auftreten und klar in ihrer Haltung gegen Extremisten. Zudem ist sie als erfahrene Politikerin bestens vernetzt. Sie bringt die Voraussetzungen mit, um eine Präsidentin zu werden, wie sie das Land jetzt braucht. Man muss sie nur auf die Bühne lassen."
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER geht auf die Strategie von CSU-Chef Markus Söder ein: "Gerade erlebt Söder, wie kompliziert es werden kann, wenn man die Kandidatin für das höchste Staatsamt zu einer Figur auf dem Schachbrett der eigenen Ambitionen machen will. Würde Aigner tatsächlich zur Bundespräsidentin gewählt, gäbe es ein gewichtiges Argument gegen eine spätere Kanzlerkandidatur von Söder: Dass die bayerische Regionalpartei gleich zwei Posten an der Staatsspitze besetzt, wäre nicht der CDU und erst recht nicht dem Wahlvolk zu vermitteln. Aber Aigner jetzt wieder fallen zu lassen – das würde die CSU ihrem Vorsitzenden, an dem sie Prinzipienfestigkeit vermisst, nicht verzeihen", mutmaßt der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG sieht es so: "Markus Söder gelang es bis zur letzten Minute seines Parteitags, den loyalen bayerischen Bruder zu geben. Durch sein Manöver mit Ilse Aigner ist er ohnehin nur begrenzt putschfähig. Sollte es tatsächlich diese Bundespräsidentin aus der CSU geben, würde er wohl eher Ananaszüchter in Alaska als doch noch Kanzler. Aber Merz ein bisschen Angst machen, dafür reicht’s immer. Und wenn es in der letzten Minute des Parteitags ist. Seinen Generalsekretär ließ er eine Rakete von Isar Aerospace apportieren, als Gastgeschenk. 'Zum Anschauen', wie Söder natürlich betonte", heißt es in der SZ.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU zollt Respekt: "CSU-Chef Markus Söder hat die Sache klug angestellt – auch wenn seine Motivation undurchsichtig ist. Was als überstürzte Aktion begann, um nach dem Kommunalwahldebakel in der CSU gute Stimmung zu machen, hat sich zu einem smarten Schachzug entwickelt. Söder wirbt schon seit einigen Wochen für Ilse Aigner, ohne dabei zu überdrehen. Auch nun beim CSU-Parteitag hat er die richtige Balance gefunden: nicht zu viel Verve, um Friedrich Merz nicht vor den Kopf zu stoßen. Aber auch nicht zu wenig, so dass ihm niemand später den Vorwurf machen kann, er habe sich nicht genug für Ilse Aigner ins Zeug gelegt."
Die SAARBRÜCKER ZEITUNG richtet den Blick aufs Verhältnis der beiden Schwesterparteien: "Bei der Suche nach einer Kandidatin für das Amt des Staatsoberhaupts droht die Union nebst den potenziellen Anwärterinnen Schaden zu nehmen. Die CSU will die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als Bundespräsidentin. Die CDU hat bisher niemanden zu bieten, der innerparteilich und über Parteigrenzen hinweg ähnlich überzeugt. Der Kanzler hat die Personalfrage zu lange treiben lassen. CSU-Chef Söder nutzt das aus: Er hielt in der Kanzlerkrise solidarisch zu Merz. Aus Sicht der CSU zahlt Merz diese Loyalität nicht zurück. Das könnte für den Kanzler in der nächsten Krise zum Problem werden", warnt die SAARBRÜCKER ZEITUNG.
Die TAGESZEITUNG wirft ein: "Fast immer heißt es: Ist der Kanzler stark genug? In der Diskussion über das Bundespräsidentenamt zeigte sich das am süffisanten Applaus, mit dem Merz beim CSU-Parteitag bedacht wurde, als er den Namen Aigners nur kurz erwähnte. Er steckt wieder einmal in der Klemme. Merz ist so unbeliebt in seinen eigenen Reihen, dass er keine Größe mehr demonstrieren kann. Denn selbst wenn der Kanzler versuchen würde, der CSU ihre Kandidatin zu gewähren und die Unionsparteien hinter Ilse Aigner zu versammeln – es würde ihm als Schwäche ausgelegt werden", schätzt die TAZ.
Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg konstatiert: "Wieder hat der Kanzler gezögert, als er hätte führen müssen. Nun droht Streit mit der CDU oder der CSU. Seine Zwickmühle hat er selbst gebaut. Mit Karin Prien, Julia Klöckner und Annegret Kramp-Karrenbauer hätte die CDU drei geeignete Frauen aufzubieten. Merz hätte aber auch frühzeitig Aigner unterstützen und damit Söder ausmanövrieren können. Stattdessen ließ er andere die Entscheidung prägen. Nach dem Debakel um die Richterwahl von Frauke Brosius-Gersdorf und der verkorksten Kabinettsumbildung in diesem Sommer folgt das nächste Gezerre. Wieder läuft er einem Konflikt hinterher, den entschlossene Führung hätte verhindern können", ist die SCHWÄBISCHE ZEITUNG überzeugt.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG beobachtet: "Allein die Erwähnung der Landtagspräsidentin reichte, um den Parteitag in Jubel ausbrechen zu lassen. Was sich da abspielte, war die inoffizielle Nominierung einer CSU-Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin. Der Name Aigner wird damit nicht nur zum Test für die Union, sondern auch zum Test, ob Schwarz-Rot noch eine Zukunft hat. Anders als die CDU hat die SPD keine Chance, nach Steinmeier wieder einen eigenen Kandidaten durchzusetzen. Lässt sich aber dennoch ein Machtwechsel andeuten? Das hängt von den Grünen ab. Denn sie könnten beides: der SPD die rot-rot-grüne Machtoption offenhalten, CDU und CSU die schwarz-grüne", analysiert die F.A.Z.
Themenwechsel. Die VW-Tochter Audi will ein Werk im US-Bundesstaat Georgia aufbauen. Verkündet wurde die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump bei einer Wahlkampf-Veranstaltung für die anstehenden Zwischenwahlen. Auf der Bühne war auch Audi-Chef Gernot Döllner. Die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen wägt ab: "Es geht nicht darum, dass Audi ein Werk in den USA baut. Das ist völlig legitim. Aber war Döllner nicht bewusst, dass er mit seinem Auftritt direkt in den US-Wahlkampf eingreift? Auf alle Fälle verließ er damit die Sphäre des Pragmatismus, den Manager in solch rauen Zeiten wohl an den Tag legen müssen. Was Döllner hier tat, war blanker Opportunismus, ein Kniefall vor Trump. Man kann so etwas politisch instinktlos, man kann es auch würdelos finden", kritisiert die RHEINPFALZ.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG fragt: "Hätte die Ankündigung nicht problemlos nach den Midterms am 3. November erfolgen können? Döllners Auftritt auf Trumps Wahlkampfbühne wirkt, als bestätige ein deutsches Unternehmen die Erzählung des US-Präsidenten, wonach Zölle und Druck auf Handelspartner Jobs und Investitionen in den USA bringen. Das ist eine gefährliche Botschaft, nicht nur für Europa, sondern für die Regeln des freien Handels insgesamt. Döllner mag argumentieren, er vertrete die Interessen des Konzerns. Sein ausdrücklicher Dank an Trump auf der republikanischen Bühne war aber unnötig. Eine nüchterne Mitteilung über Standort, Investition und Arbeitsplätze hätte es auch getan", ist die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG überzeugt.
Das HANDELSBLATT merkt an: "Seit der US-Präsident die Zölle im vergangenen Jahr eingeführt hat, verlieren Audi und der Mutterkonzern VW Milliarden. Das Werk, gepaart mit Zollerleichterungen, ist ein Ausweg. Es ist eine Sache, Geschäfte zu machen mit Ländern, die es nicht so genau mit den Menschenrechten und demokratischen Werten nehmen. Doch es hat eine ganz andere Qualität, Wahlkampfhilfe für einen rassistischen und offensichtlich korrupten, Europaattackierenden und Diktatoren hofierenden US-Präsidenten zu leisten. Der Audi-Chef hat damit eine Grenze überschritten. Wenn deutsche CEOs offenbar kein Problem damit haben, einem xenophob und frauenfeindlich auftretenden Trump im Wahlkampf auszuhelfen, was hält sie dann noch davon ab, das Gleiche auch bei der in Teilen rechtsextremen AfD zu tun?" fragt das HANDELSBLATT zum Ende dieser Presseschau.