27. Oktober 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Der Auftritt von Audi-Chef Döllner im US-Wahlkampf ist ein Thema. Zunächst geht es um die Ergebnisse der Parlamentswahl in Serbien und der Präsidentschaftswahl in Brasilien.

Unterstützer der Wahlliste Nr. 3 „Studentenliste – Studierende gewinnen“ versammeln sich auf dem Platz der Freiheit, um den Sieg bei den serbischen Parlamentswahlen zu feiern (25.10.2026, Novi Sad / Serbien)
Unterstützer der Wahlliste Nr. 3 „Studentenliste – Studierende gewinnen“ versammeln sich auf dem Platz der Freiheit, um den Sieg bei den serbischen Parlamentswahlen zu feiern (25.10.2026, Novi Sad / Serbien) (picture alliance / NurPhoto | Maxim Konankov)
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf bilanziert: "Ob der weltweite Vormarsch autoritärer Kräfte gestoppt ist, muss sich erst noch zeigen. Doch die Wahlen in Brasilien und Serbien machen Hoffnung: Politiker, die für autoritäre Machtpolitik stehen, haben eine Niederlage erlitten. Und demokratische Kräfte haben die Wähler trotz schwieriger Ausgangslage überzeugt. In einer Welt mit großen Problemen, die sich egoistische Alleingänge von Machthabern eigentlich nicht leisten kann, sind das gute Nachrichten. Anlass zur Entwarnung ist all das aber noch nicht", unterstreicht die RHEINISCHE POST.
"Alexander Vučić ist besiegt, Europas Regierungen wurden blamiert", so fasst die ZEIT das Ergebnis in Serbien zusammen: "Dieser Sieg gehört der serbischen Jugend. Niemandem sonst. Die europäischen Regierungen, die das Wort Demokratie so gerne im Mund führen, haben nicht dabei geholfen. Über Jahre haben sie Aleksandar Vučić hofiert. Die Liste seiner 'Freunde' reicht von dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über die deutschen Kanzler Angela Merkel und Olaf Scholz bis hin zu Ursula von der Leyen. Das Argument lautete immerzu, dieser Mann sorge nun einmal für Stabilität auf dem notorisch instabilen Balkan. Dabei konnte doch jeder sehen, dass dieser Mann kein Stabilitätsgarant ist, sondern das Gegenteil davon", schreibt die ZEIT.
Die MEDIENGRUPPE BAYERN mit Zeitungen wie dem DONAUKURIER betont: "In Serbien hat am Wochenende die Freiheit gesiegt. Und der Wille einer jungen Generation, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Manchmal lässt es einen verzweifeln, wie gleichgültig Parteien wie AfD und BSW, aber auch die Linke mit Russlands Hegemonialansprüchen umgehen. Menschen, die in Staaten wie Serbien, aber auch Georgien oder im Baltikum leben, wissen, wie hoch der Preis der Freiheit ist, die uns in Deutschland 1989 zugeflogen ist. Dass sich das russen- und chinafreundliche serbische Establishment in einer Wahl geschlagen gibt, ist die wahre Protestbewegung. In Wahlen lässt sich Freiheit sichern – wenn man diejenigen wählt, die Freiheit erhalten und nicht opfern", heißt es in den Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN.
Das DARMSTÄDTER ECHO überlegt: "Das Ziel, Vučić loszuwerden, hat die Opposition geeint. Wie weit diese Einheit trägt, ist die Frage. Auch lässt sich die Abhängigkeit von Russland nicht so einfach abstreifen. Trotzdem sitzt am Tag nach der Wahl auch im Kreml ein Verlierer. Von größter Bedeutung wird sein, ob die EU nach dem wohlfeilen Schulterklopfen die neue Regierung in Belgrad aktiv unterstützt. Dazu gehört dringend eine konkrete Beitrittsperspektive für ein neues Serbien."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG notiert: "Es ist ein demokratisches Experiment mit ungewissem Ausgang, das sich in Serbien vollzieht. Spannend werden die kommenden Wochen in dem Balkanstaat allemal. Im Dezember wird ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Begeht die Studentenbewegung bis dahin keine kapitalen Fehler, könnte sie Vučić eine zweite herbe Niederlage zufügen. Die Versprechen der Studentenbewegung sind klar: Ein Serbien ohne Korruption soll es sein. Der kosovarische Ministerpräsident Albin Kurti hat im Kosovo nicht allzu viel erreicht, ist aber weiterhin beliebt, weil er als nicht korrupt gilt. Wird dieses Minimalrezept auch für die serbische Studentenbewegung aufgehen?" Das war die F.A.Z.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG analysiert das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Brasilien: "Gefangen zwischen zwei Kandidaten, die viele Brasilianer einfach nicht wollten, haben sie weniger für Lula da Silva gestimmt, sondern vielmehr gegen Flávio Bolsonaro. Allein die Tatsache, dass der Sohn des ultrarechten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro so weit kommen konnte, wirft einen Schatten auf den Wahlgewinner da Silva. Flávio Bolsonaro hat keine ernst zu nehmende politische Erfahrung, seine Kandidatur war vor einem Jahr weitgehend aussichtslos gestartet. Nun fehlten an diesem Sonntag nur wenige Stimmen und Brasilien hätte analog zur letzten US-Wahl seinen Joe-Biden-Effekt erlebt: Ein Politiker mit enormen Verdiensten für das Land wäre letztlich gescheitert – nur, weil er nicht aufhören kann", bemerkt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Im Berliner TAGESSPIEGEL ist zu lesen: "Trotz allem aber bleibt Lulas Wiederwahl erstmal bemerkenswert: Er beginnt 2027 seine bereits vierte Amtszeit. Die Menschen wissen genau, was sie mit ihm bekommen. Das ist keine disruptive Veränderung, sondern Kontinuität. In Zeiten, in denen die Welt aus den Fugen gerät, ist auch das eine radikale Entscheidung."
Zum nächsten Thema. Der Audi-Vorstandsvorsitzende Döllner steht in der Kritik, weil er an einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Trump teilgenommen hat. Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN halten fest: "Sicher: BMW und Mercedes produzieren schon seit Längerem in den USA, und alle drei deutschen Premium-Hersteller investieren kräftig und unter Beifall der kommunistischen Funktionäre im demokratiefreien China. Dem Mitbewerber Audi gereichte es bisher zum Nachteil, keine Produktion in den Vereinigten Staaten zu unterhalten. Der Bau einer Audi-Fabrik jenseits des Atlantiks ist ökonomisch folgerichtig. Völlig unakzeptabel aber ist, diese Entscheidung ganz offen zum Wahlkampfgeschenk für einen europafeindlichen Präsidenten zu machen, der sich damit in seinen protektionistischen Zoll-Orgien bestätigt fühlen kann. Dem Ansehen der Premium-Marke in Europa ist das abträglich. Was ist eigentlich aus den ethischen Grundsätzen geworden, denen sich der Konzern einmal verschrieben hat?", fragen die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
"Der Auftritt des Audi-Chefs an der Seite Donald Trumps wird völlig zu Recht zerrissen, er war unsäglich", findet die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG. "Das Motiv dürfte eine Zahl mit wenigstens neun Stellen sein. Denn was Döllner in Trumps Jubelveranstaltung offenbar nicht sagen durfte: Voraussetzung für das neue Audi-Werk in den USA sind hohe Subventionen und/oder Zollvorteile. Die Wahlkampfhilfe des Unternehmenschefs gehört zur Gegenleistung wie die Zahl der Arbeitsplätze. Man kann nur hoffen, dass Trump das Audi-Engagement wenigstens teuer eingekauft hat. Diese Rechnung wird Döllner nun zumindest allen internen Kritikern aufmachen, die ihm den Imageschaden und damit die Schädigung der Unternehmensinteressen vorwerfen. Der Preis, den die gesamte deutsche Wirtschaft zu zahlen hat, ist die Glaubwürdigkeit", urteilt die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG.
Die Zeitung DIE WELT kommt zu einer anderen Bewertung: "Gernot Döllner ist ein mutiger CEO. Er überarbeitet radikal die Designsprache von Audi, er hat den Schritt in die Formel 1 gewagt, und nun riskiert er auch noch Anfeindungen in einem politisch tief nach links gerutschten deutschen Heimatmarkt. Aber vielleicht ist genau das ja das neue, gute Profil von Audi: Autos zu bauen für erfolgreiche Menschen, denen schlecht wird, wenn sie es mit moralischen Weltmeistern zu tun bekommen, die in ihrem eigenen Leben nichts zustande bringen. Vorsprung durch Technik – für jene erfolgsverliebte bürgerliche Mittel- und Oberschicht, die sich politisch gerade nicht mehr repräsentiert fühlt. Alle vernünftigen Deutschen, zumindest aber die Nettosteuerzahler, sollten Döllner dankbar sein, wenn es ihm gelingt, damit wenigstens die wichtigsten Arbeitsplätze in Ingolstadt zu retten." Das war die Zeitung DIE WELT.
Die GLOCKE aus Oelde nimmt den Audi-Chef ebenfalls in Schutz: "Welcher deutsche Unternehmenschef mit Interessen in den USA würde in schwierigen Zeiten die Einladung eines US-Präsidenten ablehnen? Betriebsräte und Gewerkschaften sollten sich lieber auf die Frage konzentrieren, wie sie dazu beitragen können, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie zu stärken."