30. Oktober 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Mit Stimmen zum EU-Kanada-Gipfel. Im Mittelpunkt steht aber ein anderes Thema: Das Magazin "Der Spiegel" berichtete, dass die Berliner Linken-Politikerin Eralp Sorgen um die Sicherheit ihrer Familie ausgedrückt habe, falls sie sich explizit zu einem bekannten Hamas-Sympathisanten äußere. Die Anmerkungen zu einem Interview waren offenbar versehentlich an die Redaktion geschickt worden.

Die Lage um Elif Eralp und die Linke in Berlin ist Thema in den Zeitungen.
Die Lage um Elif Eralp und die Linke in Berlin ist Thema in den Zeitungen. (dpa / Sebastian Gollnow)
Im Zuge des Wahlsiegs der Linken nimmt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG die Regierungsbildung in Berlin in den Blick: "Eralp müsste sich als Regierende Bürgermeisterin trauen, Gefahren für Berlin zu benennen. Wenn sie darüber aber nicht reden kann, wie will sie sie dann bekämpfen? Und wie sollen sich Menschen fühlen, die direkt bedroht werden? Es sieht so aus, als wäre Eralp dem Amt nicht gewachsen, das viele Berliner ihr ausweislich des Wahlergebnisses zugetraut haben", heißt es in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.
Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg kritisiert das Vorgehen des Nachrichtenmagazins: "Die 'Spiegel'-Redaktion hat die Unbedarftheit des Teams um Elif Eralp ausgenutzt und stellt die Frau, die Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden will, als wenig selbstbewusste Memme dar. Das geht nicht. Doch bei allem Zorn über den Tabubruch ist nun einmal in der Welt, dass die Möchtegern-Haupstadt-Bürgermeisterin aus Angst ein Interview abschwächen wollte. Damit ist ihre Regierungsfähigkeit dahin. Sollten SPD und Grüne in Berlin noch halbwegs bei politischen Sinnen sein, so müssen sie das gemeinsame Bündnis mit der Linken abblasen", folgert die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG.
Das DARMSTÄDTER ECHO vermerkt: "Spätestens jetzt sollte es das gewesen sein mit allen Bestrebungen, in Berlin eine Koalition unter Führung der Linkspartei zu schmieden. Die Enthüllungen rund um ein Interview mit der Berliner Linken-Fraktionsvorsitzenden Elif Eralp legen nahe, dass alle Kritiker einer solchen Liaison recht behalten haben: Es wäre unverantwortlich, das Schicksal der Bundeshauptstadt in die Hände dieser Partei zu legen", meint das DARMSTÄDTER ECHO.
Das Portal T-ONLINE aus Berlin stellt fest: "Die Frau, die Regierende Bürgermeisterin der deutschen Hauptstadt werden will, kapituliert vor radikalen Islamisten und ihren Unterstützern in der eigenen Partei. Als mögliche Amtsträgerin ist sie damit nicht tragbar. Wer einen Kotau vor Extremisten macht, gibt ihnen die Räume, die sie brauchen, um ihren Einfluss auszudehnen. Es muss klar sein: Eralp darf keine politische Verantwortung in dieser Stadt tragen", fordert T-ONLINE.
DIE GLOCKE aus Oelde hält fest: "Wenn schon die bloße Erwähnung eines Hamas-Sympathisanten Eralp eine Passage aus einem Interview tilgen lässt, dann ist das eine Kapitulation vor der Organisierten Kriminalität und Terrororganisationen. Angesichts dieses Vorfalls, eines eklatanten Antisemitismus-Problems und Clan-Kontakten in der Linken sollten SPD und Grüne endlich ihre Koalitionsverhandlungen stoppen", argumentiert DIE GLOCKE aus Oelde.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG nimmt sich ebenfalls der möglichen Koalitionspartner an: "SPD und Grüne scheinen so weitermachen zu wollen wie bisher. Der SPD-Vorsitzende Krach kommentierte Eralps Angstbekenntnis mit der Versicherung, er wolle 'diese Terroristen' nicht in der Stadt haben. Das Erste, was er dafür tun könnte, wäre eine Abkehr von der Partei, deren linksradikaler Teil mit 'diesen Terroristen' sympathisiert", kommentiert die F.A.Z.
DER TAGESSPIEGEL aus Berlin unterstreicht: "SPD und Grüne stehen jetzt vor einem großen Problem. Eralps Offenbarung zeigt, wie tiefgreifend mittlerweile organisierte Kriminalität und Hamas-Sympathisanten Einfluss haben in der deutschen Hauptstadt. Diejenige, die an der Spitze der Gegenbewegung künftig stehen müsste, hat persönliche Ängste vor dieser Auseinandersetzung. Ist unter diesen Umständen eine Fortsetzung der Gespräche überhaupt noch möglich? Schwer vorstellbar, aber auch nicht ausgeschlossen. Funktionieren wird das nur, wenn Eralp selbst eine 180-Grad-Wende hinlegt und ungeachtet der persönlichen Ängste mit aller Härte gegen diejenigen in der Partei vorgeht, die die Nähe zu Terrorsympathisanten pflegen", unterstreicht DER TAGESSPIEGEL.
DIE TAGESZEITUNG - TAZ - betont: "Es bleibt nur die Flucht nach vorne. Wenn es jemandem zuzutrauen ist, nach solch einem Fehler wieder aufzustehen, dann wohl der kämpferischen Elif Eralp, die im Wahlkampf ein so gutes Gespür für das politische Momentum hatte. Sie muss allerdings – und hat jetzt die Chance –, sie muss schnell dazulernen und diesen Strukturen auch gegen den Widerstand aus Teilen ihrer eigenen Partei angstfrei und überzeugend den Kampf ansagen. Selbst wenn es sie Zustimmung bei ihrer Wähler*innenschaft kostet. Es geht schließlich um Größeres als nur um ein politisches Amt. Jetzt muss sich zeigen, ob sich eine moderne, aufgeklärte Linke von autoritären Kräften einschüchtern lässt. Elif Eralp sollte nicht bereit sein, eine rot-grün-rote Koalition und eine soziale Politik in Berlin am Nahostkonflikt scheitern zu lassen", verlangt die TAZ.
Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG aus Essen moniert: "Nach außen versuchen die in Teilen extremen Berliner Linken, ihre Beziehungen zu Hamas-Sympathisanten, zu Islamisten und Antisemiten sowie die Nähe mancher Mitglieder zur Organisierten Kriminalität kleinzureden. Das alles sei nur eine Kampagne der politischen Gegner und konservativer Medien. In Wahrheit aber hat die Linken-Chefin Eralp vor einigen dieser Gruppierungen Angst um sich und ihre Familie. Was müssen dann erst die jüdischen Familien in Berlin ertragen, von denen viele täglichen Drohungen und Pöbeleien ausgeliefert sind? Wie müssen sich Polizeibeamte und deren Familien fühlen, die von Teilen der Linken abgelehnt, zum Teil sogar gehasst werden? Und was sollen eigentlich alle anderen Menschen denken, die sich in Berlin ebenfalls nur nach Ruhe und Sicherheit sehnen? Kai Wegner wurde als Regierender Bürgermeister zu Recht abgewählt, weil er in einer Krisenlage versagt und anschließend gelogen hat. Elif Eralps Verhalten ist verlogen und damit keinen Deut besser", urteilt die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG.
Der EU-Kanada-Gipfel und die künftigen Beziehungen zwischen der EU und Kanada sind Thema in der NÜRNBERGER ZEITUNG: "Die strategischen Interessen der beiden Seiten liegen auf der Hand. Kanada verfügt über Energie und kritische Rohstoffe, Europa über einen großen Binnenmarkt und industrielle Kapazitäten. Und so sollten Brüssel und Ottawa die Chance nutzen, die Zusammenarbeit bei Verteidigung, Technologie und Handel auszubauen. Dafür braucht es keine neue Kategorie zwischen Partnerschaft und Mitgliedschaft, sondern belastbare Vereinbarungen, die allen nutzen. Dass die EU hier überhaupt erst noch Klarheit gewinnen muss, ist bezeichnend", kritisiert die NÜRNBERGER ZEITUNG.
Deutschland und mehrere andere EU-Länder hatten erreicht, dass der Begriff "assoziierte Mitgliedschaft" für Kanada aus dem Entwurf für die geplante Abschlusserklärung gestrichen wurde. Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER kritisiert deshalb Bundeskanzler Merz: "Der Namensstreit und die Abschwächung der Kooperationen vor dem EU-Kanada-Gipfel sind ein mieses Foul von Bundeskanzler Friedrich Merz an seiner Parteifreundin Ursula von der Leyen. Sie sind weder im Interesse Deutschlands noch im Interesse des Staatenbundes. Streits um Nichtigkeiten waren schon immer das größte Problem der EU. In Zeiten des Friedens und wirtschaftlicher Prosperität verzögerten sie Entscheidungen bestenfalls ein wenig. Das kann sich der Staatenbund nun aber nicht mehr leisten. In dieser unschönen neuen Welt muss er schnell und entschlossen handeln. Vor allem jetzt, da sich mit dem politischen Wandel nicht nur Bedrohungen, sondern viele neue und wichtige Möglichkeiten ergeben. Das sollte auch der Kanzler endlich begreifen."