
Der TAGESSPIEGEL aus Berlin bemerkt zu Merz' Äußerung: "Es wäre nicht ganz ohne Ironie, wenn im kommenden Jahr erstmals eine Frau das Bundespräsidialamt bezieht, weil ein Mann das verfügt hat. Natürlich: Eine Frau an der Spitze des Staates ist etwas, das man auf alle Fälle begrüßen kann. Die Art und Weise, in der argumentiert wird, ist allerdings irritierend. Denn so viel mehr, als dass nach 77 Jahren Bundesrepublik endlich mal eine Amtsinhaberin dran sei, hört man nicht. Selbstverständlich ist es dringend an der Zeit, dass eine Frau dieses Amt innehat. Aber sie sollte nicht deshalb antreten, weil nun mal eine Frau dran ist. Sondern weil sie eine Frau ist, die politisch kompetent, demokratisch gefestigt und persönlich überzeugend ist", heißt es im TAGESSPIEGEL.
Die TAZ moniert: "Das mag nach Fortschritt klingen. Ist es aber nicht. Natürlich hätte es Symbolcharakter, wenn zum ersten Mal eine Frau an der Spitze des Landes steht. Mädchen könnten abends im Nachrichtenprogramm Frauen in politischen Führungspositionen sehen. Können sie aber bereits: Ursula von der Leyen ist Präsidentin der Europäischen Kommission. Julia Klöckner ist Präsidentin des Deutschen Bundestags. Alice Weidel steht an der Spitze der AfD. Dabei ist es auffällig, dass wir als Gesellschaft bisher nur für einen ganz bestimmten Typ Frau in Führungspositionen bereit sind: die Konservative", stellt die TAZ fest.
Der STERN nimmt vor allem eine mögliche Kandidatin in den Blick: "Das Glück des Kanzlers ist, mehrere Kandidatinnen zu haben, die grundsätzlich infrage kommen, sogar eine, die das Amt vielleicht mal anders interpretieren würde, als das bisher in der bundesrepublikanischen Geschichte der Fall war: Julia Klöckner. Natürlich würde sie als Bundespräsidentin auch mal danebenlangen. Aber auf Sicht sollte das nächste Staatsoberhaupt ohnehin nicht fahren. Will die Mitte überleben, braucht es mehr Risiko, auch bei der Person im Schloss."
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN merken an: "Eigentlich wollte der CDU-Chef seine Präferenz schon vor Wochen verkünden. Ein stabiler Parteivorsitzender hätte das getan und seine Wunschkandidatin notfalls gegen interne Widerstände durchgesetzt. Die endlose Diskussion um seine Person hat ihm die Kraft dazu genommen. Es ist kein gutes Omen, wenn ein Kanzler, der das Land durch eine schwere Krise steuern soll, schon eine solche Personalie nicht auf die Reihe bekommt."
"Merz macht es seinen Kritikern auch zu leicht", kommentiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG. "Noch vor wenigen Wochen hielt er die Frage, ob Mann oder Frau, für irrelevant. Mittlerweile kann Merz gar nicht mehr anders, weil neben Ilse Aigner nur Frauen als Kandidatinnen der Union im Gespräch sind. Wenn nun aber Markus Söder zerknirscht zugeben müsste, dass er Aigner nicht durchsetzen konnte, hätte nicht er, sondern Merz ein Problem: In Bayern bräuchte er sich dann nicht mehr blicken zu lassen, und Söder würde ihn mit einer anderen K-Frage piesacken, wo immer es geht", prognostiziert die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG.
"Wieso spannt Friedrich Merz die Nation eigentlich so auf die Folter?", fragt die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg. "Wenn er wirklich eine geeignete Frau für das Amt des Bundespräsidenten sucht und seit Wochen Gespräche führt, fragt man sich, weshalb er nicht auf die naheliegendste Person kam: Angela Merkel. Die Altkanzlerin wird in Umfragen von 50 Prozent der Bevölkerung als geeignet angesehen. Ilse Aigner kommt nur auf 36 Prozent - und das nach einer mehrwöchigen CSU-Werbekampagne. Ein Traumwert ist das jedenfalls nicht", konstatiert die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG.
Nach den Hackerangriffen auf Supermarktketten in Europa, durch die die Steuerung der Kühlung manipuliert wurde, mussten die Filialen große Mengen an Lebensmitteln entsorgen. Die AUGSBURGER ALLGEMEINE notiert: "Es wäre zu einfach, die Schuld allein bei Verbrauchern oder Supermarktbetreibern abzuladen. Die Lücken stecken in den Produkten, Schwachstellen in der Software sind seit Monaten bekannt. Hinzu kommt im aktuellen Fall: Kühlanlagen laufen oft weit über zehn Jahre – doch nicht immer bieten Hersteller für die gesamte Lebensdauer Sicherheitsupdates an. Und das Problem reicht weit über Kühltheken hinaus. Auch Heizungen, Gebäudetechnik, Industrieanlagen oder die Software von Rathäusern hängen am Netz – und sind angreifbar, wenn niemand sie pflegt", warnt die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
Das STRAUBINGER TAGBLATT resümiert: "Wenn grundlegende Dinge vernachlässigt werden, ist nicht nur der einzelne Betrieb, sondern die vernetzte Gesellschaft insgesamt angreifbar. Dabei ist die Kühlschrank-Attacke noch vergleichsweise harmlos. Was, wenn es um große Kühlhäuser geht oder um empfindliche Medikamente? Nun müssen ungeschützte Internetzugänge geschlossen, Fernzugriffe abgesichert und Sicherheitsupdates aufgespielt werden."
Im KÖLNER STADT-ANZEIGER heißt es: "'Wer macht denn so was?', werden sich reflexhaft die meisten Menschen fragen. Naheliegender ist doch die Frage: Warum ist das überhaupt möglich? Die neue digitale Realität wurde zum Preis einer hohen Verwundbarkeit erkauft. Sie betrifft jeden – und ist doch in vielen Fällen überflüssig. Wenn beispielsweise smarte Saugroboter die Bodenmaße unserer Wohnungen scannen und diese Daten dem chinesischen Hersteller liefern. Vorrangiges Ziel des Verbraucherschutzes sollte daher nicht mehr allein die technische Sicherheit sein, sondern auch die Frage: Können wir so zur leichten Beute für Hacker werden? Abgesehen davon: Alles, was nicht unbedingt digital vernetzt sein muss – und welcher Staubsauger muss das schon? – gehört ohnehin entkoppelt." Soweit der Kommentar im KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Themenwechsel. Der Autozulieferer Schaeffler hat bekanntgegeben, dass er in Deutschland vier Standorte schließen und über 2.600 Stellen streichen will. Dazu schreibt die NEUE PRESSE aus Coburg: "Offiziell spricht man bei Schaeffler von einem 'Ergebnisverbesserungsprogramm'. Diese Wortschöpfung hat etwas Zynisches. Schließlich steht hinter jedem Arbeitsplatz eine konkrete Person - ein Familienvater oder eine Mutter -, die nun einer ungewissen Zukunft entgegensehen muss. Wer angestellt bleibt, soll überdies einen 'Solidaritätsbeitrag' leisten, übersetzt heißt das schlicht: auf Gehalt verzichten."
"Das ist eine weitere Hiobsbotschaft in einem an wirtschaftlichen Schreckensmeldungen ohnehin nicht gerade armen Jahr", stellt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG fest. "Und doch scheint die Botschaft nicht überall anzukommen. Denn die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie spitzt sich weiter zu, die von der IG Metall zu verantwortenden Warnstreiks weiten sich aus. Ja, die Wut vieler Beschäftigter ist nachvollziehbar. Doch eine Lohnforderung von flächendeckend fünf Prozent schießt übers Ziel hinaus. Mehr Lohn dort, wo es die Unternehmen tragen können – und Beschäftigungssicherung statt bloßer Lohnzugeständnisse dort, wo die Krise Unternehmen zwingt, Personal abzubauen. Ansonsten drohen am Ende alle zu verlieren: Eigentümer, Management, Belegschaft – und der Industriestandort Deutschland."
Zuletzt ein Blick in die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, die an die Debatte nach den Ausschreitungen bei den Jugendprotesten anknüpft. Dort heißt es: "Es waren beinahe zu hundert Prozent Jungen und junge Männer, die da nachts marodierten und brandschatzten. Nach Angaben der Frankfurter Polizei viele mit Migrationshintergrund. Zugleich überwiegend deutsche Staatsbürger. Das so klar zu benennen wie Dobrindt, bedeutet nicht automatisch, dass man Ressentiments oder rassistische Klischees bedient. Es muss möglich sein, eine sachliche Debatte zu führen, warum so regelmäßig Männergruppen aus dem jetzt ebenfalls viel diskutierten 'migrantischen Milieu' mit Krawallen auffällig werden." Und mit dieser Stimme aus der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG endet diese Presseschau.
