
"Das Geld wird verpuffen und am Ende wird kein Effekt davon bleiben. Dabei wären die Milliarden anderswo sinnvoller eingesetzt. Zum Beispiel hätte die Koalition das Geld investieren können, um Alternativen zum Privat-Pkw zu schaffen. Länder hätten mehr Züge bestellen können, um den Takt zu verbessern. Wo der Weg zum nächsten Bahnhof weit ist, hätten mittelfristig elektrische Fahrzeuge angeschafft werden können. Oder aber die Bundesregierung hätte mehr Schnellladepunkte für E-Autos bauen können. Selbst die langfristige finanzielle Absicherung des Deutschlandtickets wäre sinnvoller gewesen. Die Bundesregierung muss sich langsam entscheiden, was sie will. Will sie eine energie- und verkehrspolitische Wende? Dann sind die beschlossenen Maßnahmen ungeeignet."
Auch die FRANKFURTER RUNDSCHAU sieht die Pläne kritisch:
"Was kommt heraus, wenn Union und SPD mit zwei Landtagswahlen im Nacken und jeweils einer unsinnigen Idee in die Verhandlungen gehen? Im Sinne der Dialektik könnte man ein Ergebnis erhoffen, das zumindest etwas besser ist als die Einzelvorschläge. Aber Murks plus Murks ergibt hier nur doppelten Murks: ein Tankrabatt und mittelfristig ein Spritpreisdeckel. Die Kombi liefert ein Glanzstück: einen Plan, der sowohl teuer ist als auch wenig zielgenau, der auf der einen Seite dem Klima schadet und mutmaßlich auch den Tankstellen."
Der Tankrabatt sei besser als sein Ruf, meint dagegen die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG:
"Man stelle sich ein brennendes Haus vor, das von der Feuerwehr gelöscht wird. Doch anstatt die Einsatzkräfte zu loben, stehen sie nachher in der Kritik. Stein des Anstoßes: Ein Teil des Löschwassers hat sein Ziel verfehlt und das Gemüsebeet des Nachbarn bewässert. Klingt absurd, ist aber der Stand der medialen und politischen Debatte in Deutschland. Das sieht man zum Beispiel an der Diskussion um den Tankrabatt, den die Bundesregierung bald wieder einführen will. Nicht, dass es daran nichts zu kritisieren gäbe, aber immerhin ist es der Versuch, den Brand in Schach zu halten. Doch die Kritik am „Gießkannenprinzip“ ist kleinkariert. Klar: Wer viel Sprit verbraucht, hat am meisten von der Entlastung. Aber das sind nicht nur die Halter von Luxusautos, sondern auch Handwerker und Pendler. Diese Menschen entlastet der Tankrabatt unbürokratisch und genau an der Stelle, wo der Schmerz entsteht: an der Zapfsäule. Wer es zielgenauer will, will es auch komplizierter, bürokratischer und damit langsamer."