
Die Nummer eins der deutschen Chemiebranche will die Nummer zwei schlucken. Das klingt mitten in einer tiefen Branchenkrise zunächst wie ein Befreiungsschlag. Tatsächlich ist Evonik für BASF aber vor allem eins: ein großes Risiko. Das Timing könnte kaum schlechter sein. BASF ist mit einem weitreichenden Konzernumbau beschäftigt. Geschäftsteile werden abgetrennt, Stellen abgebaut und die Agrarsparte auf Börsenreife getrimmt. Ausgerechnet jetzt eine Übernahme in dieser Größenordnung zu stemmen, bindet auf Jahre Managementkraft. Evonik selbst ist ebenfalls eine Baustelle. Billig würde der Deal für die Ludwigshafener sowieso nicht. Eine Fusion würde aber vor allem nichts an den Grundproblemen der Branche hierzulande ändern: teure Energie und globale Überkapazitäten."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG thematisiert den jüngsten Streit der Koalition über die Ausgestaltung der Sozialreformen:
"Wer solche Koalitionspartner hat, braucht keine politischen Gegner. Die SPD zieht sich in der Regierung nun offensichtlich auf die Position zurück, dass sie für eine Begrenzung der Sozialbeiträge und anderer Lohnzusatzkosten nicht zuständig sei. Mögen andere etwas dagegen tun, dass Arbeitnehmer netto immer weniger übrig behalten von ihrem Bruttolohn; und dass immer weniger Industrieunternehmen am Standort Deutschland wettbewerbsfähig produzieren können. Dahinter steht wohl das Kalkül, dass CDU/CSU als Erste in noch größere Schwierigkeiten geraten, bevor sich der Zorn der Beschäftigten über 'Nettoklau' und Jobverlust auch gegen die SPD richtet."
Seit gestern gelten in der Europäischen Union strengere Regeln für das Werben mit Umweltaussagen. Unternehmen müssen Formulierungen wie "nachhaltig", "klimafreundlich" oder "umweltbewusst" belegen können. Das sieht die EU-Richtlinie Empco vor. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG kommentiert:
"Die Richtlinie ist eine Chance für Firmen, die sich tatsächlich für Klimaschutz engagieren, aus der Masse der grünen Marktschreier hervorzustechen. Die Anfangszeit dürfte allerdings ausgerechnet für jene Unternehmen schmerzhaft sein, die viel tun und sich besonders ehrgeizige Klimaziele gesetzt haben. Für sie gibt es besonders viel zu überprüfen und genauer zu erklären. Unternehmen sollten unbedingt weiter über Nachhaltigkeitsthemen sprechen – nur eben anders als bisher. Statt hehre Zukunftsziele wie 'klimaneutral bis 2050' zu formulieren, sollten sie beispielsweise mehr über konkrete, belegbare Maßnahmen, realistische Zwischenziele und bereits erzielte Fortschritte informieren."
