
Für den Schritt der Konzernführung, fast alle Tarifverträge der Beschäftigten zu kündigen, zeigt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG Verständnis - und schränkt zugleich ein:
"Weniger Privilegien und mehr Wochenstunden machen die Autos aber nicht besser. Erstaunlich, wie würdelos der Machtkampf bei VW geworden ist. Die IG Metall fordert mehr Lohn. Die Konzernspitze behandelt ihre Mitarbeiter respektlos. Selbst die Kündigung der Tarifverträge soll zunächst an die Medien lanciert worden sein. Die Gefahr bleibt groß, dass VW vor allem mit sich selbst beschäftigt ist, statt bessere Autos zu bauen. Während sich Vorstand und Arbeitnehmerseite zoffen, zieht die Konkurrenz immer weiter davon."
Die Wochenzeitung ND.DIE WOCHE sieht es so:
"Die Strategie des Vorstands scheint voll aufzugehen: Das Gejammere über die angeblich so schlechten Perspektiven von Europas größtem Autokonzern war schon einmal von Erfolg gekrönt. Daher setzt man jetzt noch einen drauf und bläst zur Attacke auf die verbliebenen Tarifstandards. Damit würde man die sich durch falsche Managemententscheidungen verschärfenden Probleme vollends den Beschäftigten aufbürden. Ein echtes Zukunftskonzept liegt hingegen nicht vor."
"Die goldenen Zeiten sind vorbei", konstatiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
"Das müssen auch die Beschäftigten bei VW einsehen, die – verglichen mit anderen Branchen – immer noch von luxuriösen Arbeitsbedingungen profitieren. Trotzdem ist es ein fatales Signal an die Belegschaft, dass mal wieder nur sie verzichten sollen. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch müssen einsehen: Sie können nicht weiterhin fette Dividenden kassieren, während die Lackierer, Montagearbeiter und Karosseriebauer auf immer mehr verzichten sollen. Das ist nicht nur ungerecht. Es ist auch wirtschaftlich nicht vertretbar."
Nun noch ein Kommentar zur Zuckersteuer, die nach neuen Berechnungen des Bundesfinanzministeriums rund eine Milliarde Euro einbringen sollte - und nun vom Bundeskanzleramt wieder kassiert wurde.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt dazu:
"Es spricht viel dafür, dass der Finanzminister sich verschätzt hat. Lars Klingbeil wollte sich einen allzu großen Steuerschluck genehmigen. Der SPD-Politiker plante mit einem Milliardenbetrag für seinen Haushalt. Damit ist er weit über das hinausgegangen, was die Finanzkommission Gesundheit ursprünglich vorgeschlagen hatte. Sie hatte eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke angeregt - zugunsten der klammen Krankenkassen. Dass daraus eine Steuer wurde, war Konsens. Doch sobald es konkreter wurde, war damit Schluss."
