07. Oktober 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Die BÖRSEN-ZEITUNG wirft einen Blick auf die Budgetberatungen in der EU und plädiert für Radikalität und Mut:

"Radikalität, weil es nicht funktioniert, die EU-Finanzierung in Trippelschritten anzupassen, wenn man dazu nur alle sieben Jahre überhaupt die Möglichkeit hat. Angesichts der Langfristigkeit der Festlegungen ist ein klares Umsteuern verlangt. Anders gesagt: Wenn mehr Geld für Verteidigung gebraucht wird, dürfen Kürzungen bei Mitteln für den ländlichen Raum kein Tabu sein. Mut wiederum wäre hilfreich, damit sich die EU nicht vor allem auf höhere nationale Beiträge verlassen muss, sondern selbst Geld einnimmt. Eine Digitalsteuer würde mit Sicherheit neue Kontroversen mit dem Weißen Haus nach sich ziehen. Aber sich aus Angst davor nicht zu wagen, die in der EU nur geringe Steuern zahlenden Digitalkonzerne stärker zur Kasse zu bitten, bedeutet den Verzicht auf eine Eigenmittel-Quelle, die vieles einfacher machen würde."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG kommentiert eine Rede vom Bundesbankpräsident Nagel über die Goldvorräte:
"Wenn der Bundesbankpräsident früher über die Goldvorräte der Notenbank geredet hat, ging es meistens um ein Thema: Verkauft die Notenbank einen Teil ihres Goldschatzes, um damit Nützliches zu machen? Die Debatte scheint sich komplett gedreht zu haben. In seiner Rede auf der Jahrestagung der London Bullion Market Association pries Bundesbankpräsident Joachim Nagel die Vorteile des Edelmetalls als Reserve für Notenbanken so sehr, dass man fast den Eindruck haben konnte, die Bundesbank gerät unter Druck, warum sie selbst nicht nachkauft. Zuletzt ist der Anteil des Goldes an den globalen Reserven sprunghaft auf 25 Prozent gestiegen."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG plädiert dafür, die Rechte von Beschäftigten in Unternehmen zu stärken:
"Wäre die Unternehmensmitbestimmung ein Mensch, so müsste man ihr fortgeschrittene Muskelschwäche attestieren. Deutsche Großunternehmen haben sich in Scharen von ihr verabschiedet, sie haben aufgehört, sie mitzutragen. Sie schleichen sich auf juristischen Nebenwegen davon oder ignorieren die Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten im Aufsichtsrat, wie neue Zahlen des gewerkschaftsnahen Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung zeigen. Fast die Hälfte der Großunternehmen, für die eine paritätische Mitbestimmung von Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat vorgesehen ist, umgeht oder ignoriert das Modell. Damit aber gefährden Wirtschaft und Politik eine Stütze des wirtschaftlichen Erfolgs dieses Landes. Unternehmensmitbestimmung ist keine Bürokratie, die jetzt mal weg kann."