26. Oktober 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Die Wirtschaftskommentare vieler Zeitungen beschäftigen sich mit dem gemeinsamen Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner mit US-Präsident Trump kurz vor den Zwischenwahlen.

Audi-Chef Döllner bei Wahlkampfauftritt von Trump - steht neben Trump, am Rednerpult des Präsidenten.
Audi-Chef Döllner bei Wahlkampfauftritt von Trump - Audi will neues Werk in USA bauen (picture alliance / AP Photo / Mike Stewart / Mike Stewart)
Das HANDELSBLATT stellt fest:
"Seit der US-Präsident die Zölle im vergangenen Jahr eingeführt hat, verlieren Audi und der Mutterkonzern VW Milliarden. Das Werk, gepaart mit Zollerleichterungen, ist ein Ausweg. Es ist eine Sache, Geschäfte zu machen mit Ländern, die es nicht so genau mit den Menschenrechten und demokratischen Werten nehmen. Doch es hat eine ganz andere Qualität, Wahlkampfhilfe für einen rassistischen und offensichtlich korrupten, Europa attackierenden und Diktatoren hofierenden US-Präsidenten zu leisten. Wenn deutsche CEOs offenbar kein Problem damit haben, einem xenophob und frauenfeindlich auftretenden Trump im Wahlkampf auszuhelfen, was hält sie dann noch davon ab, das Gleiche auch bei der in Teilen rechtsextremen AfD zu tun?"
Die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen konstatiert:
"Es geht nicht darum, dass Audi ein Werk in den USA baut. Das ist völlig legitim. Aber war Döllner nicht bewusst, dass er mit seinem Auftritt direkt in den US-Wahlkampf eingreift? Auf alle Fälle verließ er damit die Sphäre des Pragmatismus, den Manager in solch rauen Zeiten wohl an den Tag legen müssen. Was Döllner hier tat, war blanker Opportunismus, ein Kniefall vor Trump. Man kann so etwas politisch instinktlos, man kann es auch würdelos finden."
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG fragt:
"Hätte die Ankündigung, ein Werk zu bauen, nicht problemlos nach den Midterms am 3. November erfolgen können? Döllners Auftritt auf Trumps Wahlkampfbühne wirkt, als bestätige ein deutsches Unternehmen die Erzählung des US-Präsidenten, wonach Zölle und Druck auf Handelspartner Jobs und Investitionen in den USA bringen – ungeachtet dessen, was das für die Partner bedeutet. Döllners ausdrücklicher Dank an Trump auf der republikanischen Bühne war unnötig. Eine nüchterne Mitteilung über Standort, Investition und Arbeitsplätze hätte es auch getan."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG befasst sich mit den Folgen für Beschäftigte in Europa:
"Die Kapazitäten, die Audi jenseits des Atlantiks aufbaut, verschärfen die Lage an den europäischen Standorten des Konzerns. Autos, die in Georgia gebaut werden können, brauchen nicht mehr in Ingolstadt oder Bratislava vom Band zu laufen. Hierzulande zittern die Audianer ohnehin schon um ihre Jobs: Der Audi-Traditionsstandort Neckarsulm mit seinen 15.000 Beschäftigten gehört zu den vier deutschen Werken, deren Zukunft der VW-Konzern offen infrage stellt.So hinterlässt Döllners Auftritt auf der Trump-Bühne bei den Audi-Mitarbeitern einen bitteren Nachgeschmack."