Investoren im Fußball
Fanbündnis fordert konsequente Umsetzung der 50+1-Regel

Im deutschen Fußball gibt es weiter Streit um die sogenannte 50+1-Regel. Das Bündnis "Fanszenen Deutschlands" hat gefordert, eine Vorgabe des Bundeskartellamts umzusetzen und keine Ausnahmen mehr zuzulassen. Falls Konzerne dagegen Klagen sollten, droht das Bündnis mit Protestaktionen.

    Transparente mit den Aufschriften: "DFL Hurensöhne", "Die Liga gehört uns ...", "Gegen Investoren", "Die Milliarden im Blick", "Kein Herz fürn Kick", "Investoren verhindern" sowie "Fußball retten".
    Dortmunder Fans zeigen ihren Protest gegen die Übernahme von Vereinen durch Investoren (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)
    Die 50+1-Regel hat der Deutsche Fußball-Bund 1988 eingeführt. Darin ist festgeschrieben, dass Kapitalgeber keine Stimmenmehrheit bekommen dürfen, wenn Fußballvereine ihre Profimannschaften in Kapitalgesellschaften umwandeln. Ausnahmen kann es geben, wenn ein Investor einen Verein mindestens 20 Jahre lang erheblich gefördert hat. Das gilt zurzeit für Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg, an denen die Bayer AG beziehungsweise Volkswagen 100 Prozent der Anteile halten. RB Leipzig umgeht die Regel, indem nur sieben dem Sponsor Red Bull nahestehende Gründungsmitglieder ein Stimmrecht im Verein haben.

    Bundesliga befürchtet Klagen

    Das Bundeskartellamt hat 50+1 im August als grundsätzlich mit europäischem Recht vereinbar eingeschätzt, aber gleichzeitig die Bundesliga aufgefordert, die Regel für alle Klubs gleichermaßen anzuwenden.
    Die Liga sieht sich nun in einer Zwickmühle: Entzieht sie Leverkusen und Wolfsburg die Ausnahmen, könnten die Klubs oder die Konzerne, die sie besitzen, vor Gericht ziehen. Gelten die beiden Ausnahmen dagegen weiter, könnten andere Investoren auf eine Ungleichbehandlung verweisen und gegen die Regel klagen.

    Fanbündnis droht mit Protesten

    Das Fanbündnis fordert, die Einschätzung des Kartellamts schnellstmöglich umzusetzen. In seiner Stellungnahme fordert es ein Bekenntnis aller Vereine zu 50+1. Es gebe "keinen Raum für faule Kompromisse mit VW, Bayer und Red Bull".
    Konzernen, die über eine Klage nachdenken, drohen die "Fanszenen Deutschlands" damit, die Proteste auszuweiten: "Überlegt euch gut, ob ihr zum Feindbild von Fußballdeutschland werden wollt. Mit uns ist nicht zu spaßen."
    Auch Fans von Leverkusen und Wolfsburg forderten die Bayer AG und Volkswagen auf, keine rechtlichen Schritte gegen 50+1 zu unternehmen.
    Diese Nachricht wurde am 02.11.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.