Psychologie
Grazer Forschende stellen Kreativitäts-Mythos infrage

Kinder gelten oft als kreativer als Erwachsene. Mit ihnen verbindet man häufig Fantasie und Unbefangenheit. Forschende der Universität Graz in Österreich stellen diese weit verbreitete Annahme nun infrage.

    Ein Mädchen bastelt konzentriert.
    Wenn dich eine Aufgabe interessiert, fällt es dir leichter, dich zu konzentrieren. (imago / Westend 61)
    Für ihre Untersuchung ließen sie 92 Vorschulkinder und 70 Erwachsene mehrere Kreativaufgaben lösen. Die Teilnehmenden sollten unter anderem ein Fantasietier zeichnen und möglichst viele Verwendungsmöglichkeiten für eine Blechdose finden. Anschließend bewerteten unabhängige Fachleute die Arbeiten, ohne zu wissen, ob sie von Kindern oder Erwachsenen stammten.
    Dabei schnitten die Erwachsenen im Durchschnitt besser ab. Ihre Zeichnungen und Ideen wurden als origineller, kreativer und effektiver bewertet. Die Kinder hatten dagegen mehr Freude an den Aufgaben, trauten sich mehr zu und zeigten weniger Angst vor dem Scheitern.
    Nach Angaben des Forschungsteams könnte eine Ursache sein, dass Erwachsene häufiger befürchten, andere könnten ihre Ideen ablehnen. Das könne kreatives Denken bremsen. Dass viele Menschen Kinder trotzdem für kreativer halten, erklären die Autorinnen und Autoren damit, dass man sie beim Malen, Basteln oder Fantasieren öfter beobachten kann.
    Diese Nachricht wurde am 22.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.