Israel
Itamar Ben-Gvir: Welche Bedeutung der radikale Minister für Netanjahu hat

Mit seinen Aussagen über gezielte Tötungen von Palästinensern im Gazastreifen steht Israels rechtsextremer Minister für die Nationale Sicherheit erneut international in Kritik. Doch wer ist eigentlich Itamar Ben-Gvir und ist er ein Machtgarant für Ministerpräsident Netanjahu?

    Ben-Gvir steht zwischen den Sitzreihen im israelischen Parlament und schaut in die Kamera.
    Israels Minister für Nationale Sicherheit, Ben-Gvir, im israelischen Parlament (picture alliance / AP Photo / Ohad Zwigenberg)
    Neben seinem Ministeramt ist Ben-Gvir Vorsitzender der rechtsextremen Partei Otzma Jehudit ("Jüdische Kraft"). Er gilt als eine der umstrittensten und radikalsten Figuren in der israelischen Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
    Ben-Gvir vertritt ultranationalistische, anti-arabische und rassistische Positionen. In seiner Jugend stand er der extremistischen und mittlerweile verbotenen Kach-Bewegung nahe. 2007 wurde der Politiker von einem israelischen Gericht wegen rassistischer Aufhetzung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Ben-Gvir steht der Siedlerbewegung nah und lebt selbst in einer radikalen israelischen Siedlung (Kiryat Arba) im besetzten Westjordanland.

    Seit 2022 Mitglied der Regierung - kurze Unterbrechung in 2025

    Seit Dezember 2022 fungiert er als Minister für Nationale Sicherheit und kontrolliert Teile der israelischen Polizei. Kritiker werfen ihm vor, den Polizeiapparat politisch zu instrumentalisieren. Im Januar 2025 verließ Ben-Gvir kurzzeitig die israelische Regierung aus Protest gegen ein Waffenstillstandsabkommen und einen Geisel-Deal zwischen Israel und der islamistischen Hamas.
    Der Minister erregt regelmäßig durch provokantes Auftreten und radikale Forderungen internationales Aufsehen. Im Mai diesen Jahres löste er weltweite Empörung aus, nachdem er pro-palästinensische Aktivisten einer internationalen Hilfsflotte vor laufenden Kameras öffentlich verhöhnt hatte.
    In einem Podcast forderte Ben-Gvir nun, im Gazastreifen "jede Nacht 30 bis 40 Menschen zu töten" – selbst wenn diese keine unmittelbare Gefahr darstellten. Es gebe dort Menchen, die kein Recht zu leben hätten, erklärte Ben-Gvir. Die Äußerungen wurden in Europa und Deutschland parteiübergreifend als menschenverachtend verurteilt und lösten Rufe nach EU-Sanktionen aus.

    Machtgarant für Netanjahu

    Ben-Gvir gilt für Ministerpräsident Netanjahu als der entscheidende innenpolitische Machtgarant. Ohne die Abgeordneten seiner rechtsextremen Partei würde Netanjahus Regierungskoalition ihre parlamentarische Mehrheit in der Knesset sofort verlieren. Ben-Gvir nutzt dies gezielt aus. Er droht regelmäßig mit dem Bruch der Koalition und dem Sturz der Regierung. Im Hinblick auf Verhandlungen zum Gazastreifen blockiert Ben-Gvir jegliche Kompromisse. Er drängt Netanjahu kontinuierlich zur Fortsetzung militärischer Härte und lehnt internationale Friedensinitiativen konsequent ab.

    Neue Wahlen Ende Oktober

    Am 27. Oktober wählt Israel ein neues Parlament. Dabei zeichnet sich erneut ein kompliziertes politisches Kräfteverhältnis ab. Eine aktuelle Umfrage des öffentlich-rechtlichen Senders Kan sieht weder das Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch dessen Gegner in der Lage, aus eigener Kraft eine Regierungsmehrheit zu bilden. Ben-Gvirs Einfluss aus Netanjahu könnte somit noch steigen.
    Diese Nachricht wurde am 18.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.