Frankreich
KI-Verdacht: Roman wird von "Prix Goncourt"-Liste gestrichen

In Frankreich ist ein Roman wegen des Verdachts auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz vom renommierten Literaturpreis Prix Goncourt ausgeschlossen worden. Der kanadisch-haitianische Autor Thélyson Orélien weist die Vorwürfe zurück, sein französischer Verlag stellt sich hinter ihn.

    Der kanadisch-haitianischen Autors Thélyson Orélien im Profil.
    Der kanadisch-haitianischen Autors Thélyson Orélien. (IMAGO / MAXPPP / IMAGO / JEAN-MICHEL MART)
    Die Académie Goncourt erklärte in Paris, mehrere Wissenschaftler und Journalisten seien bei Analysen zu dem Schluss gekommen, dass der Roman "C'était ça ou mourir" allem Anschein nach sehr weitgehend das Produkt eine KI sei. Mit dem Ausschluss solle die Integrität der Auszeichnung und der Akademie geschützt werden.

    Textauszüge mit Hilfe von KI-Detektoren analysiert

    Die Debatte war am Montag angestoßen worden - und zwar durch einen Beitrag des bis dahin kaum bekannten anonymen X-Kontos "Balance ton Claude". Der Verfasser behauptete, der Roman sei "fast vollständig" von einer Künstlichen Intelligenz geschrieben worden. Er verwies auf Analysen von Textauszügen mit der US-Software Pangram. In den folgenden Tagen führten mehrere Medien eigene Untersuchungen durch.
    Orélien wies die KI-Vorwürfe zurück. Er liebe kreatives Schaffen und Schreiben und habe keinen Grund, dafür eine Maschine zu benutzen, sagte er der französischen Zeitung "Liberation". Der Verlag Grasset, der "C'était ça ou mourir" in Frankreich vertreibt, bezeichnete die Anschuldigungen als "auf grausame Weise verletzend". Zudem stellte er die Verlässlichkeit von KI-Detektoren infrage - mit dem Argument, diese seien vor allem mit englischen Texten trainiert worden.

    Lesereise gestoppt

    Oréliens kanadischer Verlag Boréal kündigte an, alle Werbeaktionen für das Buch bis auf Weiteres einzustellen, um das Wohlergehen von Thélyson Orélien sicherzustellen, wie es hieß. Der Verlag rief außerdem dazu auf, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Man sehe sich derzeit außerstande, den KI-Verdacht zu entkräften oder zu bestätigen.
    Diese Nachricht wurde am 25.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.