Offenbacher Verein Connection
Kriegsdienstverweigerer-Netzwerk mit neuem Friedenspreis geehrt

Das internationale Kriegsdienstverweigerer-Netzwerk Connection aus Offenbach hat den ersten Alternativen Westfälischen Friedenspreis erhalten. Der Verein setzt sich unter anderem für russische und ukrainische Kriegsdienstverweigerer und Deserteure ein.

    Beim Flensburger Ostermarsch 2022 demonstrieren Menschen für Asyl für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer.
    Ein Offenbacher Verein, der sich für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer einsetzt, ist mit dem Alternativen Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet worden. (imago / Willi Schewski)
    Die Vorsitzende des Vereins Alternativer Westfälischer Friedenspreis, Brüggemann, sagte in Münster, die Organisation stelle mit ihrem Handeln die gängige Militärlogik infrage. Connection kenne keine gerechten oder ungerechten Kriegen. Das Netzwerk helfe Deserteuren und Verweigerern aus der Ukraine genauso wie aus Russland oder Kroatien, betonte sie. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Er soll künftig alle zwei Jahre verliehen werden.
    Die evangelische Theologin Käßmann würdigte in ihrer Laudatio das internationale Engagement des Offenbacher Vereins für junge Menschen, die den Dienst in der Armee verweigern wollen. Zudem trete der Verein dafür ein, Kriegsdienstverweigerung und Desertion als Asylgrund anzuerkennen. Zugleich kritisierte die Theologin die zunehmende Normalisierung des Militärdienstes in Deutschland.

    Einsatz für Völkerverständigung und gewaltfreie Konfliktlösungen

    Der Verein Connection wurde 1993 in Offenbach am Main gegründet. Die Organisation fördert nach eigenen Angaben Völkerverständigung, Bildungsarbeit für Frieden sowie Toleranz und gewaltfreie Konfliktlösungen auf regionaler sowie internationaler Ebene.
    Der Journalist Heribert Prantl, der in der Jury des Preises mitgewirkt hatte, wies auf das im Artikel vier des Grundgesetzes geregelten Recht auf Kriegsdienstverweigerung hin. Es sei allerdings ein "ungeliebtes Grundrecht". Prantl kritisierte zudem die Praxis der Gewissensprüfung, der sich die jungen Männer unterziehen müssten.

    Preis als Reaktion auf Auszeichnung der NATO

    Der alternative Friedenspreis wurde Anfang des Jahres als Gegenentwurf zum Preis des Westfälischen Friedens ins Leben gerufen, der in diesem Jahr an die Nato verliehen wird. Diesen Preis will die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe am 1. Oktober an das Verteidigungsbündnis übergeben, die Laudatio hält Bundeskanzler Merz (CDU). Die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung erinnert an den Friedensschluss in Münster und Osnabrück, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete.
    Diese Nachricht wurde am 26.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.