Als Bundespräsidentin vorgeschlagen
Wer ist Ilse Aigner?

Ilse Aigner war Gemeinderätin in Oberbayern, saß im Landtag sowie im Bundestag und führte als Landtagspräsidentin die Geschäfte des bayerischen Parlaments. Jetzt könnte sie als erste Bundespräsidentin ins Schloss Bellevue einziehen.

    Ilse Aigner, CSU, Präsidentin des Bayerischen Landtags, lächelt.
    Ilse Aigner (CSU) könnte die erste Frau im Bundespräsidentenamt werden. (picture alliance / Michael Bihlmayer)
    In ihrem Geburtsort Feldkirchen-Westerham im oberbayerischen Landkreis Rosenheim lebt die 61-jährige auch heute noch. Seit 2024 ist Aigner Ehrenbürgerin der Gemeinde. Ihre Eltern führten im Ort einen Elektro-Handwerksbetrieb. Von 1985 bis 1988 arbeitete sie dort als staatlich geprüfte Elektrotechnikerin. Anfang der 1990er Jahre entwickelte sie dann Systemelektronik für Hubschrauber. Die 11.000-Einwohner-Gemeinde ist auch die Wiege ihrer politischen Karriere. In den Jahren 1990 bis 1998 war sie dort Gemeinderätin, von 1990 bis 1999 gehörte sie auch dem Kreistag von Rosenheim an.

    Erfahrung in Bundes- und Landespolitik

    Von 2008 bis 2013 war sie Bundesagrarministerin unter Kanzlerin Merkel (CDU), bevor sie der damalige bayerische Ministerpräsident Seehofer nach München holte. Aigner wurde Wirtschaftsministerin in Bayern und war später für kurze Zeit Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr.
    In der CSU führt Aigner seit mittlerweile 15 Jahren den größten Bezirksverband Oberbayern. Mit CSU-Chef und Ministerpräsident Söder verbinde sie eine "Schicksalsgemeinschaft", sagte Aigner einmal. Beide zogen 1994 in den Landtag ein, waren Kollegen im Landesvorstand der Jungen Union und im Kabinett von Seehofer. Den Wettstreit um Seehofers Nachfolge 2018 verlor sie gegen den Mann aus Franken.

    Unterstützer beschreiben sie als "integrativ" und "besonnen"

    Die CSU-Politikerin wird über Parteigrenzen hinweg geachtet und geschätzt. Vizekanzler und Finanzminister Klingbeil (SPD) etwa schrieb Aigner "eine wahnsinnig integrative Kraft" zu, die Deutschland gerade in diesen Zeiten brauche. Sie sei eine sehr volksnahe Politikerin, rede mit den Menschen auf Augenhöhe. Das sei total wichtig, betonte Klingbeil.
    Auch die Ehrenvorsitzende der Frauen Union in der CDU, Widmann-Mauz, sieht Aigner nah bei den Menschen. Sie sei hoch geschätzt und beliebt – weit über Bayern und die CSU hinaus. Widmann-Mauz beschreibt Aigner als "kompetent, klug und auf allen Ebenen politisch erfahren". Sie habe Charakter und Format, handele besonnen und stehe für Werte, so die frühere Staatsministerin im Kanzleramt.

    Enge Verbindung zum Bundeskanzler

    Bundeskanzler Merz und Aigner kennen sich bereits seit 1998 und sind nach Angaben aus dem Umfeld des Kanzlers seit 25 Jahren "auch privat eng befreundet". Merz hat in ihrem Wahlkreis am Tegernsee sein Ferienhaus. Dort sehen die beiden sich regelmäßig und haben einen gemeinsamen Freundeskreis, heißt es.
    Merz soll sich frühzeitig mit Aigner über die Nachfolge Steinmeiers ausgetauscht haben, hielt sich jedoch mit einem offiziellen Vorschlag lange zurück. Aigner wäre nicht nur die erste Frau, sondern auch die erste CSU-Politikerin, die das höchste Staatsamt übernimmt. 
    Diese Nachricht wurde am 08.11.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.