Frankreich
Nach Protesten: Regierung kündigt Reformen im Bildungswesen an

Die französische Regierung hat nach wochenlangen Protesten von Schülerinnen, Schülern und Studierenden Verbesserungen im Bildungswesen angekündigt. Sie will das umstrittene Hochschulzulassungssystem Parcoursup ersetzen, zusätzliche Lehrerstellen schaffen und Milliarden in Schulen und Universitäten investieren.

    Demonstration in Frankreich: Ein Demonstrant hält ein Plakat mit der Aufschrift "Soziale Probleme löst man nicht mit Tränengas" hoch.
    Protesttag in Frankreich: Ein Demonstrant hält ein Plakat mit der Aufschrift "Soziale Probleme löst man nicht mit Tränengas" hoch. (Emma Da Silva / AP / dpa )
    Parcoursup ist die zentrale Onlineplattform für die Vergabe von Studienplätzen in Frankreich. Das System steht seit Jahren in der Kritik. Schülerinnen, Schüler und Studierende bemängeln fehlende Transparenz sowie aus ihrer Sicht ungleiche Zulassungschancen. Nun soll Parcoursup im Herbst 2028 durch ein neues Verfahren ersetzt werden. Bereits im kommenden Jahr seien "wesentliche Veränderungen" an dem System geplant, sagte Hochschulminister Baptiste.

    Milliardeninvestitionen für Schulen und Hochschulen

    Für die Sanierung von Gymnasien will die Regierung den Kommunen bis 2030 zinsgünstige Kredite in Höhe von vier Milliarden Euro bereitstellen. Für Renovierungen an Universitäten ist bis 2029 eine weitere Milliarde Euro vorgesehen. Bildungsminister Geffray kündigte zudem die Schaffung von Hunderten zusätzlichen Lehrerstellen an. Geplante Stellenstreichungen würden zurückgenommen.

    Protestbewegung will Demonstrationen fortsetzen

    Vertreter der Protestbewegung begrüßten die Ankündigungen als Schritt in die richtige Richtung. Zugleich riefen sie dazu auf, die Demonstrationen fortzusetzen. Nach ihrer Einschätzung reichen die angekündigten Reformen noch nicht aus, um die Probleme im Bildungsbereich nachhaltig zu lösen.
    Seit Wochen protestieren in Frankreich Schülerinnen, Schüler und Studierende gegen marode Schulen, Lehrkräftemangel und hohe Lebenshaltungskosten. Später schlossen sich weitere Bevölkerungsgruppen den Demonstrationen an. Zuletzt war es am Rande friedlicher Kundgebungen zu Ausschreitungen, Brandstiftungen und Plünderungen gekommen. Nach Angaben des Innenministeriums wurden dabei mehr als 1.400 Menschen festgenommen.

    Behörden stellen sich auf neue Unruhen ein

    Die Behörden bereiten sich unterdessen auf weitere Unruhen am Wochenende vor. Innenminister Nuñez verwies auf mögliche neue Ausschreitungen. Gewerkschaften haben zudem für den 5. November zu einem landesweiten Streik aufgerufen.

    Aus dem Deutschlandfunk-Programm

    Frankreichs Regierung legt Plan zu Protesten vor
    Diese Nachricht wurde am 27.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.