Reformen
Ökonom warnt vor Abwanderung junger Menschen

Der Wirtschaftsforscher Stefan Kolev hat vor einer zunehmenden Abwanderung junger Menschen aus Deutschland gewarnt. Die Politik müsse auf das Unbehagen der Jugend reagieren.

    Junge Menschen in einem Großraumbüro
    Droht eine Abwanderung der Jugend? (picture alliance / Zoonar | BENIS ARAPOVIC)
    Kolev sagte im Deutschlandfunk , derzeit kehrten jährlich etwa 300.000 Menschen Deutschland den Rücken. Hinzu kämen aber auch viele Ausländer. Wenn inzwischen mehr Menschen in Länder wie Polen, Rumänien und Bulgarien zuückgingen als von dort kämen, sollte das zu denken geben. Man müsse den jungen Menschen das Gefühl geben, dass man ihr Unbehagen zur Kenntnis nehme.

    Schlechtes "Preis-Leistungs-Verhältnis" des deutschen Staats attestiert

    Kolev sprach in diesem Zusammenang vom "Preis-Leistungs-Verhältnis des Staates". Es sei in Ordnung, wenn ein Staat den Leuten viel abverlange, falls es entsprechende Leistungen gebe. In Deutschland verlange man aber einen hohen Preis, während die Leistungen schlechter würden. Dieses Verhältnis mache alle Menschen nervös - aber die jungen Menschen seien mobiler.
    Für die Politik bedeute das, dass Reformen eine sinnstiftende Erzählung brauchten, betonte Kolev. Politiker kämen allerdings zu oft mit einer technokratischen Liste daher. Die Gesellschaft sei aber in der Lage, durch ein Tal der Tränen zu gehen, wenn eine bessere Zukunft versprochen werde. Es könnte die Älteren dazu überzeugen, zurückzustecken, wenn sie sähen, dass bei den jungen Menschen etwas ins Kippen gerate.
    Stefan Kolev ist Professor für Wirtschaftspolitik in Zwickau und leitet das Ludwig-Erhard-Forum für Wirtschaft und Gesellschaft.
    Diese Nachricht wurde am 06.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.