Brasilien
Politologe Maihold rechnet mit Sieg Bolsonaros bei Stichwahl am 25. Oktober

Am 25. Oktober stehen sich in Brasilien Amtsinhaber Lula da Silva und sein Herausforderer Flavio Bolsonaro, der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, in einer Stichwahl um das Präsidentenamt gegenüber. Der deutsche Politikwissenschaftler Günther Maihold rechnet mit einem Sieg Bolsonaros.

    Handtücher mit den Porträts der Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in Brasilien  - Luiz Ignácio Lula da Silva und Flávio Bolsonaro hängen auf einer Leine.
    In Brasilien findet am 25. Oktober die Stichwahl um das Präsidentenamt zwischen dem rechtsgerichteten Herausforderer Bolsonaro und dem linken Amtsinhaber Lula da Silva statt (Archivbild). (AFP / SERGIO LIMA)
    Er sehe in Brasilien eine Art "Wechselstimmung" gegen eine mögliche vierte Amtszeit des "ewigen Lula", sagte Maihold im Deutschlandfunk . Lula stehe auch wegen seines Alters nicht für einen Neuanfang. Dem 45-jährigen Bolsonaro sei es stattdessen gelungen, seine Anhänger zu mobilisieren, indem er unter anderem mit der Frage nach der Sicherheit im Land die für sie wichtigen Themen besetzt habe.

    Bolsonaro will Justiz "stärker an die Zügel nehmen"

    Die Tatsache, dass sein Vater eine Haftstrafe verbüße, sei dabei keinesfalls ein Nachteil. Stattdessen habe die Bolsonaro-Familie die Verfolgung durch die brasilianische Justiz erfolgreich zum Teil ihrer politischen Kampagne gemacht, erklärte der Politologe von der FU Berlin. Die Ankündigung Flavio Bolsonaros, die Justiz neu zu ordnen und "stärker an die Zügel zu nehmen", verfange durchaus bei seiner Wählerschaft. Es sei zu erwarten, dass Bolsonaro nach einem Wahlsieg eine "gewisse Gleichschaltung" von Justiz und Politik anstrebe, etwa durch die Neubesetzung von Richtern. Außerdem werde er versuchen, Einfluss auf die Medien zu nehmen, wie das bei anderen von der Rechten regierten Ländern in Südamerika der Fall sei, sagte Maihold.

    Benachteiligung Lulas durch Meta-Konzern?

    Grundsätzlich gebe es in Brasilien zwei etwa gleich große politische Lager. Bolsonaro habe aber seine Anhänger auch durch einen stark auf die sozialen Medien ausgerichteten Wahlkampf besser erreichen können. Dies sei Lula bisher nicht gelungen, betonte der Politikwissenschaftler.
    Lulas Wahlkampfteam macht dafür auch eine Benachteiligung durch den US-amerikanischen Meta-Konzern verantwortlich, zu dem neben Instagram auch WhatsApp und Facebook gehören. Demnach sollen Wahlkampf-Beiträge des Lula-Lagers durch bewusste Manipulationen teilweise ohne Teilen-Button angezeigt worden sein, eine geringere Reichweite haben oder technische Fehler aufweisen. Der Konzern wies die Vorwürfe zurück und erklärte in einer Mitteilung, jede Behauptung, eine politische Seite zu bevorzugen, sei falsch.
    Diese Nachricht wurde am 18.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.