Bundesverfassungsgericht
Reiche muss Instagram-Video mit Antisemitismusvorwürfen gegen Linkspartei vorerst entfernen

Bundeswirtschaftsministerin Reiche muss ein Video mit einem Antisemitismusvorwurf gegen die Linkspartei vorerst aus dem Internet nehmen. Das Bundesverfassungsgericht gab einem Eilantrag der Linken statt.

    Katherina Reiche gibt ein Statement in ihrem  Bundeswirtschaftsministerium ab, dessen Logo auf einer blauen Wand hinter ihr zu lesen ist,
    Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU) (Fabian Sommer / dpa)
    Es geht um ein Video des Ministeriums auf Instagram mit Ausschnitten einer Rede vom 23. September - wenige Tage nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin. Reiche warnt darin, es sei gefährlich für die Hauptstadt und den Investitionsstandort Deutschland, dass eine Partei über Enteignung spreche und dies in ihr Programm schreibe sowie "Antisemitismus offen lebt", was den Juden in Berlin Angst mache.
    Das Gericht erklärte, der Linken drohe durch die Verbreitung des Videos ein schwerer irreparabler Nachteil im politischen Wettbewerb - insbesondere vor dem Hintergrund der laufenden Gespräche zur Regierungsbildung in Berlin. Neben dem Eilantrag strengte die Partei auch eine Organklage an, über die aber später entschieden wird. Dabei geht es um die Frage, ob die Ministerin das Neutralitätsgebot des Staates verletzt hat. In dem Antrag heißt es, als Wirtschaftsministerin habe Reiche sich rechtswidrig einseitig und parteipolitisch geäußert und sei Teil einer systematischen Kampagne der CDU gegen die Linke.

    Linke reagiert geradezu euphorisch auf Entscheidung gegen Reiche

    Reiches Ministerium nahm die Nachricht aus Karlsruhe nüchtern auf. Man werde die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts prüfen und die Konsequenzen selbstverständlich umsetzen. Die Linke reagierte indes geradezu euphorisch: Bundesgeschäftsführer Ehling spricht im Interview mit dem Spiegel von einer Schmutzkampagne der CDU-Ministerin gegen die Linke, die gerade wie ein Kartenhaus in sich zusammenfalle. Reiche habe versucht, die Linke mit gezielten Unterstellungen zu diskreditieren.
    Diese Nachricht wurde am 16.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.