07. November 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Die Kommentare beschäftigen sich mit den Berichten zu einer Einigung der CDU auf Ilse Aigner als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin. Außerdem kommentiert wird die Verschärfung des Strafrechts beim Einsatz von K.o.-Tropfen und die Einführung der verpflichtenden Videoüberwachung in größeren Schlachtbetrieben.

Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des Bayerischen Landtags.
Ilse Aigner (CSU) (dpa / Pia Bayer)
Zu den Berichten um Ilse Aigner lobt die DIE RHEINPFALZ aus Ludwigshafen: "So erwartbar die Entscheidung am Ende war, so schlau ist sie auch. Bei der Nachfolge von Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier setzen CSU und CDU auf eine Frau mit viel Charisma und Erfahrung. Auf eine Politikerin, die verbindet statt zu spalten. Sie kann Menschen zusammenführen, sie würde Deutschland guttun. Für Friedrich Merz und Markus Söder ist es ein absoluter Glücksfall, dass Ilse Aigner in den vergangenen Wochen nicht gesagt hat: 'Wisst ihr was, liebe Männer? Macht euer Ding doch grad allein.' Verdient hätte es deren Verhalten allemal", heißt es in der RHEINPFALZ.
"So breite Zustimmung fand zuletzt nur Jürgen Klopp als Bundestrainer", stellt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG fest. "Ilse Aigner ist keine Kompromisslösung, sondern eine Kandidatin, die unverstellt ist und bodenständig, die ganz offensichtlich die Menschen mag und ihnen zugewandt gegenübertritt. Die 61-Jährige ist keine Akademikerin, sie machte nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zur Radio- und Fernsehtechnikerin und bildete sich fort zur Elektrotechnikerin. Sie lebt in ihrem Geburtsort, die Familie in der Nähe, ist daheim verwurzelt, und sie ist Single. Normal irgendwie. Möglicherweise wird das gerade gebraucht, eine Bundespräsidentin, die nicht über den Menschen steht, sondern mittendrin", überlegt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
"Ende gut, alles gut?" fragt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG und fährt fort: "Das kann man jedenfalls mit Blick auf Aigner sagen, deren Name nicht 'verbrannt' wurde, obwohl er schon so früh genannt worden war. Sogar ihre Bemerkung, dass es doch ganz 'charmant' wäre, wenn auch die Grünen für sie stimmten, fanden viele hinreißend. Auf die grüne Zuneigung wäre sie gar nicht angewiesen, da Union und SPD über die Mehrheit in der Bundesversammlung verfügen. Aber mit ihrer charmanten Bemerkung hat sie auch jenen, die noch kein klares Bild von ihr haben, signalisiert, dass nicht eine Parteisoldatin Söders ins Bellevue einziehen wird, wenn es eines Tages wieder bewohnbar ist, sondern eine überparteiliche Präsidentin."
Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg sieht es skeptischer: "In Bayern scheint es Aigner als Landtagspräsidentin bereits gelungen zu sein, als 'integrative Kraft' wahrgenommen zu werden. Dass sie daran im Schloss Bellevue anknüpfen kann, ist damit aber noch längst nicht gesagt. Als erste bayerische Bundespräsidentin muss sie beweisen, dass sie sich von den üblichen parteipolitischen Reflexen der CSU lösen kann. Denn traditionell verstehen sich Vertreter dieser selbstbewussten Regionalpartei ja gerade in Berlin vornehmlich als blau-weiße Lobbyisten. Erste Herausforderung für die 'volksnahe' Oberbayerin wird also sein, nicht nur zwischen Bamberg und Berchtesgaden die Herzen der Menschen zu erreichen, sondern auch in Flensburg und Freiburg", konstatiert die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG.
Auch der WESER-KURIER hat Zweifel: "Aigner gilt zwar als sehr volksnah und empathisch, das wird ihr allerdings auf dem glatten internationalen diplomatischen Parkett kaum weiterhelfen. Noch unglücklicher für Aigner ist allerdings, dass sie nicht als Resultat eines geordneten Auswahlprozesses gekürt worden ist, sondern als Ergebnis einer Machtdemonstration des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder."
Das Wochenmagazin STERN bemerkt: "Die Nominierung von Aigner ist die für alle Seiten bequemste Entscheidung, der easy way out. SPD und Grüne können sich auch deshalb gut mit der Oberbayerin anfreunden, weil sie ihnen politisch nicht wehtut. Aigner ist glasklar in Sachen AfD. Ihre erste Aufgabe dürfte gleich eine der schwierigsten sein: Sie muss das höchste Staatsamt aus dem Dornröschenschlaf der Steinmeier-Jahre wecken", notiert der STERN aus Hamburg.
Wer K.o.-Tropfen einsetzt, um eine Vergewaltigung oder einen Raub zu begehen, dem drohen in Zukunft mindestens fünf Jahre Haft. Das hat der Bundestag beschlossen, um Täter härter zu bestrafen. Der KÖLNER STADT-ANZEIGER bemängelt: "Das Problem ist nur: Die wenigsten von ihnen werden gefasst und verurteilt. Meist können sich die Opfer am nächsten Tag nicht mehr an ihre Peiniger erinnern. Die Substanzen der K.-o.-Tropfen, die innerhalb von wenigen Stunden verstoffwechselt werden, sind im Blut nicht mehr nachweisbar. Wegen der schwierigen Beweisführung oder auch aus Scham werden viele Fälle erst gar nicht angezeigt. Wenn Bundesjustizministerin Stefanie Hubig bei dem Gesetz nun von einem 'starken Stoppschild' spricht, verkennt sie die Lage", ist im KÖLNER STADT-ANZEIGER zu lesen.
Die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG resümiert: "Wer sein Opfer mit K.-o.-Tropfen wehrlos macht, um es sexuell zu missbrauchen oder auszurauben, übt brutale und besonders hinterhältige Gewalt aus. Das ist nicht weniger schlimm, als mit einem Messer zu drohen. Es ist deshalb überfällig, jemanden, der solche Substanzen heimlich verabreicht, ebenso hart zu bestrafen wie Täter mit einer Waffe. Fünf Jahre Mindeststrafe sind eine klare Ansage des Rechtsstaats. Nur: Ein höherer Strafrahmen entfaltet seine Wirkung erst, wenn ein Täter gefasst wird und vor Gericht kommt. Bei Angriffen mit K.-o.-Tropfen bleibt genau das viel zu häufig aus", stellt die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG fest.
DIE GLOCKE aus Oelde ergänzt: "Es braucht darüber hinaus bessere Ermittlungsmethoden, vor allem was die Nachweisbarkeit der Substanzen im Körper angeht. K.-o.-Mittel sind oft nur wenige Stunden feststellbar. In diesem kurzen Zeitraum schaffen es viele Opfer - die allermeisten von ihnen sind Frauen - aber nicht, zur Polizei zu gehen und das Erlebte zu schildern, wenn das überhaupt möglich ist. Das spielt den Tätern in die Karten. Zugleich muss die Opferhilfe ausgebaut werden. Betroffene benötigen neben schneller medizinischer Versorgung auch eine psychologische Unterstützung, handelt es sich doch bei Angriffen dieser Art um traumatisierende Erlebnisse."
Ein Beschluss des Bundestags verpflichtet größere Schlachtbetriebe künftig dazu, eine Videoüberwachung einzuführen. Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG führt aus: "Es ist richtig, dass sich der Staat verpflichtet, die Einhaltung seiner Tierschutzvorschriften sicherzustellen. Immer wieder gab es Berichte von Misshandlungen. Falsch ist aber die Wahl des Kontrollmittels, nämlich der filmischen Dauer-Dokumentation dieser Vorgänge. Die technologische Entwicklung macht es möglich, menschliches Handeln lückenlos zu kontrollieren. Ein Staat sollte der Versuchung nicht nachgeben, dies vorzuschreiben. Die Kameras beobachten nicht die Tiere, sondern Menschen in ihrem Arbeitsalltag. Fast hilflos liest sich weit hinten im Gesetzesentwurf der Zusatz, dass die Aufzeichnungen nicht zur Verhaltens- und Leistungskontrolle genutzt werden dürfen", bemerkt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Zuletzt noch ein Blick nach Sachsen-Anhalt. Im Dezember will sich AfD-Kandidat Siegmund zur Wahl zum Ministerpräsidenten stellen. Anders als zuvor hat er nun angekündigt, auch für mehrere Wahlgänge zur Verfügung zu stehen. Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg kommentiert: "Die selbst gewählte Alles-Oder-Nichts-Strategie fällt AfD-Fraktionschef Siegmund auf die Füße. Mehrfach hatte er angekündigt, nur einmal zur Wahl des Ministerpräsidenten anzutreten. Credo: Entweder gleich - oder gar nicht. Auf Tiktok mag das cool klingen, politisch ist es töricht. Wenn die AfD meinte, sie habe die Union nach der erfolgreichen Landtagspräsidentenwahl im Sack, verkennt sie die Lage. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man ein Landtagspräsidium oder einen Regierungschef wählt."