Fast konnte man meinen, einem erleichterten Unterstützerchor zu lauschen, als die Nachricht von Gesine Tettenborns Namenslöschung aus der DLV-Rekordliste die Runde machte. Für einen solchen Schritt sei es "nie zu spät", belobigte etwa DOSB-Präsident Thomas Bach das Dopinggeständnis der früheren DDR-Sprinterin. Dagmar Freitag, Vorsitzende im Bundestags-Sportausschuss, fiel ein: Tettenborn habe "einen Ansporn für andere Athleten" gegeben, nun ebenfalls "reinen Tisch zu machen".
Freitag, im Ehrenamt DLV-Vizepräsidentin, und Bach schlugen indes einen auffälligen Bogen um die sportpolitische Gegenwart. In der darf, und das ging vor zwei Wochen im Beifall beinahe unter, wie schon im Fall Geipel auch dieser Rekord künftig die Statistik zieren - als nationaler Staffel-Rekord mit Dreien.
Ein weiteres Kuriosum jedoch ist neu und sorgt für Nervosität im deutschen Sport: Der Leichtathletik-Weltverband IAAF listet das Rundenquartett in seiner Alltime Top List. Dort stehen die fabelhaften 3:15,92 Minuten noch immer auf Platz drei, und zwar mit Sabine Busch, Dagmar Rübsam, Marita Koch - und mit Startläuferin Gesine Walther. Für "inkonsequent" hielte es Tettenborn, wenn ihr Name international nicht auch gelöscht würde.
Formell hat das der DLV beim Weltverband nicht beantragt. Wie Präsident Clemens Prokop auf Deutschlandfunk-Anfrage wissen ließ, wurde die IAAF lediglich darüber informiert, dass der Name Walther aus den DLV-Rekordlisten gestrichen ist. Eine Reaktion liege noch nicht vor. Merkwürdig nur, dass IAAF-Sprecher Nick Davies da schon dem hierzulande ad acta gelegten Thema weiteren Diskussionsbedarf bescheinigt hatte: Die Causa sei Teil der Sitzungsagenda der Juristischen Kommission in zwei Wochen, teilte Davies mit. Erarbeitet werden soll dort "eine Empfehlung für das nächste Meeting der IAAF-Exekutive im März".
Mit Entscheidung ist also zu rechnen, und Prokops karge Auskunft deutet auf mäßiges Interesse an Öffentlichkeit für diese Entwicklung. Die verspricht einige Spannung. Bisher nämlich ließ die IAAF keinen Zweifel daran, wie sie mit dopingverseuchten Resultaten umgeht. So strich sie nach der Dopingbeichte von Marion Jones auch die Zeit der US-Kurzstaffel aus der ewigen Bestenliste. Kaum vorstellbar, dass der Weltverband sich auf die deutsche Variante eines Dreier-Rekordes einlässt. Zumal Tettenborn ihren Antrag auf Namenslöschung mit einem überaus glaubwürdigen Geständnis zum Zustandekommen dieser Bestmarke verband: Sie schilderte ihr Wissen um den Anabolika-Betrug ebenso wie die Zwangslage der ostdeutschen Athleten. Die ausgebliebene Rekordannullierung nimmt sie nun als Indiz dafür, "dass der Sport noch immer eher schwerfällig" sei "in seiner Beziehung zum Doping". Vor allem möchte Gesine Tettenborn, Mutter von vier Kindern, nicht, dass sich der Nachwuchs an vergifteten Marken wie dieser orientiert.
Seit 2006 verschanzt sich der DLV hinter angeblichen juristischen Hürden für die Rekordlöschung. Präsident Prokop behauptet, "an dieser rechtlichen Situation" habe sich "bis heute nichts geändert". Dabei kam das einzige Rechtsgutachten, das sein Verband schriftlich vorgelegt hat, zu dem Schluss, Rekordstreichung sei "nicht völlig ausgeschlossen", bedürfe aber noch "genauerer fachlicher Erörterung". Sportrechts-Professor Jens Adolphsen reagierte damit schon Ende 2007 auf eine Expertise der Stuttgarter Kanzlei Wüterich/Breucker. Die hatte auf 32 Seiten begründet, warum das Verbandsrecht die Annullierung von Dopingrekorden durchaus hergibt.
Das Beharrungsvermögen des DLV, das der Weltverband demnächst erschüttern könnte, ist in Wahrheit recht simpel begründet: Für den Fall von Rekordlöschung drohten einige Altstars mit Klage. Entsprechende Post bekam der Verband schon 2006 auch von Tettenborns Staffelkameradin Marita Koch. Die ewige 400-Meter-Weltrekordlerin meldete sich auch jetzt wieder zu Wort: Sie habe - Zitat - "gedacht, dass damals alles okay war". Kochs Anabolikadosierung für das Jahr 1984 ist seit fast zwei Jahrzehnten aktenkundig: 530 Milligramm des DDR-Hausmittels Oral-Turinabol.
Freitag, im Ehrenamt DLV-Vizepräsidentin, und Bach schlugen indes einen auffälligen Bogen um die sportpolitische Gegenwart. In der darf, und das ging vor zwei Wochen im Beifall beinahe unter, wie schon im Fall Geipel auch dieser Rekord künftig die Statistik zieren - als nationaler Staffel-Rekord mit Dreien.
Ein weiteres Kuriosum jedoch ist neu und sorgt für Nervosität im deutschen Sport: Der Leichtathletik-Weltverband IAAF listet das Rundenquartett in seiner Alltime Top List. Dort stehen die fabelhaften 3:15,92 Minuten noch immer auf Platz drei, und zwar mit Sabine Busch, Dagmar Rübsam, Marita Koch - und mit Startläuferin Gesine Walther. Für "inkonsequent" hielte es Tettenborn, wenn ihr Name international nicht auch gelöscht würde.
Formell hat das der DLV beim Weltverband nicht beantragt. Wie Präsident Clemens Prokop auf Deutschlandfunk-Anfrage wissen ließ, wurde die IAAF lediglich darüber informiert, dass der Name Walther aus den DLV-Rekordlisten gestrichen ist. Eine Reaktion liege noch nicht vor. Merkwürdig nur, dass IAAF-Sprecher Nick Davies da schon dem hierzulande ad acta gelegten Thema weiteren Diskussionsbedarf bescheinigt hatte: Die Causa sei Teil der Sitzungsagenda der Juristischen Kommission in zwei Wochen, teilte Davies mit. Erarbeitet werden soll dort "eine Empfehlung für das nächste Meeting der IAAF-Exekutive im März".
Mit Entscheidung ist also zu rechnen, und Prokops karge Auskunft deutet auf mäßiges Interesse an Öffentlichkeit für diese Entwicklung. Die verspricht einige Spannung. Bisher nämlich ließ die IAAF keinen Zweifel daran, wie sie mit dopingverseuchten Resultaten umgeht. So strich sie nach der Dopingbeichte von Marion Jones auch die Zeit der US-Kurzstaffel aus der ewigen Bestenliste. Kaum vorstellbar, dass der Weltverband sich auf die deutsche Variante eines Dreier-Rekordes einlässt. Zumal Tettenborn ihren Antrag auf Namenslöschung mit einem überaus glaubwürdigen Geständnis zum Zustandekommen dieser Bestmarke verband: Sie schilderte ihr Wissen um den Anabolika-Betrug ebenso wie die Zwangslage der ostdeutschen Athleten. Die ausgebliebene Rekordannullierung nimmt sie nun als Indiz dafür, "dass der Sport noch immer eher schwerfällig" sei "in seiner Beziehung zum Doping". Vor allem möchte Gesine Tettenborn, Mutter von vier Kindern, nicht, dass sich der Nachwuchs an vergifteten Marken wie dieser orientiert.
Seit 2006 verschanzt sich der DLV hinter angeblichen juristischen Hürden für die Rekordlöschung. Präsident Prokop behauptet, "an dieser rechtlichen Situation" habe sich "bis heute nichts geändert". Dabei kam das einzige Rechtsgutachten, das sein Verband schriftlich vorgelegt hat, zu dem Schluss, Rekordstreichung sei "nicht völlig ausgeschlossen", bedürfe aber noch "genauerer fachlicher Erörterung". Sportrechts-Professor Jens Adolphsen reagierte damit schon Ende 2007 auf eine Expertise der Stuttgarter Kanzlei Wüterich/Breucker. Die hatte auf 32 Seiten begründet, warum das Verbandsrecht die Annullierung von Dopingrekorden durchaus hergibt.
Das Beharrungsvermögen des DLV, das der Weltverband demnächst erschüttern könnte, ist in Wahrheit recht simpel begründet: Für den Fall von Rekordlöschung drohten einige Altstars mit Klage. Entsprechende Post bekam der Verband schon 2006 auch von Tettenborns Staffelkameradin Marita Koch. Die ewige 400-Meter-Weltrekordlerin meldete sich auch jetzt wieder zu Wort: Sie habe - Zitat - "gedacht, dass damals alles okay war". Kochs Anabolikadosierung für das Jahr 1984 ist seit fast zwei Jahrzehnten aktenkundig: 530 Milligramm des DDR-Hausmittels Oral-Turinabol.