Landwirtschaft
Streit um die Zahl vergifteter Landwirte weltweit

Eine neue Veröffentlichung hat den Streit über die Gefahren von Pestiziden für Menschen in der Landwirtschaft wieder aufflammen lassen. Die Agrarindustrie weist die Zahlen eines pestizid-kritischen Bündnisses als alarmistisch zurück. Hintergrund der aktuellen Kontroverse könnte eine in der EU anstehende Entscheidung sein.

    Ein grüner Traktor fährt über einen Acker und versprüht aus einem orangen Tank Pflanzenschutzmittel. Im Hintergrund ist ein Laubwald.
    Ein Traktor versprüht Pestizide (picture alliance / CHROMORANGE / Christian Ohde)
    Die Schätzung des Pestizid-kritischen Netzwerks PAN legt nahe, dass sich weltweit jährlich mehr als 400 Millionen Landwirte und Landarbeiter unbeabsichtigt mit sogenannten Unkraut- oder Schädlingsvernichtungsmitteln vergiften. Außerdem gebe es pro Jahr mindestens 11.000 Todesfälle, davon mehr als die Hälfte allein in Indien. Die im Fachmagazin "Frontiers in Public Health" veröffentlichte Untersuchung basiert auf Hochrechnungen von Einzelstudien aus verschiedenen Ländern sowie auf Daten der Weltgesundheitsorganisation.
    Der deutsche "Industrieverband Agrar" wirft den Pestizid-Kritikern in einer Pressemitteilung "Alarmismus als Geschäftsmodell“ vor. Hauptgeschäftsführer Frank Gemmer sagte im Deutschlandfunk, von einzelnen Personen selbst berichtete Symptome wie Kopfschmerzen oder Übelkeit würden als Vergiftungsfälle bewertet und dann hochgerechnet. Es fehle eine ärztliche oder toxikologische Bestätigung.
    Das Netzwerk PAN weist die Kritik zurück. Peter Clausing von "PAN Germany" sagte ebenfalls im Deutschlandfunk, er halte das Risiko überzogener Zahlen für gering. Es gebe Indizien, dass die Schätzung noch eher zurückhaltend ausfalle. Überdies sei die Veröffentlichung vorab von unabhängigen Fachkollegen der Autoren geprüft worden.
    Die neue Kontroverse könnte mit einer Debatte innerhalb der EU zusammenhängen. Derzeit wird über Pläne der Kommission diskutiert, das Zulassungssystem für Pestizide zu vereinfachen und auf bestimmte Überprüfungen zu verzichten.
    Anmerkung der Redaktion: Wir haben eine erste Version dieser Meldung überarbeitet. Unter anderem haben wir die Stellungnahme des „Industrieverbands Agrar“ ergänzt.

    Diese Nachricht wurde am 03.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.