Konservative Satire
"Verpatzter Auftakt": Kritiker verreißen neue ZDF-Show "Journal Deluxe" von Florian Schroeder

Die erste Ausgabe von "Journal Deluxe" im ZDF, das nach den Ankündigungen als eine Art konservatives Satireformat gegen Linke und Grüne verstanden wurde, ist von der Medienkritik überwiegend negativ bis enttäuscht aufgenommen worden.

    Moderator Florian Schroeder steht zu Beginn der ersten Ausgabe vom ZDF Journal Deluxe mit gefalteten Händen im Studio.
    Die erste Ausgabe vom ZDF Journal Deluxe ist gestartet. (Screenshot /ZDF)
    Das ZDF träume von einem rechten Format, und keiner wolle mitmachen, überschrieb der Spiegel seine Rezension. Moderator Florian Schroeder habe die "Tempo-250-Zone des politisch inkorrekten Witzes" versprochen und sei dann doch nur narzisstisch um sich selbst getrudelt. Das "Journal Deluxe" sei nicht der Aufreger, den sich das ZDF und viele andere Medien erhofft hätten. Auch Die Welt konstatierte, Schroeder wollte Linke und Grüne grillen, doch die große Satire-Offensive im ZDF geriet zum "politischen Schonwaschgang". Das Journal Deluxe sei so originell wie ein Witzebuch von 2015.
    Kritisiert wurde vor allem, dass Schroeder die ersten Minuten fast ausschließlich dafür genutzt habe, die mediale Aufregung um seine eigene Person und das Vorfeld-Konzept der Sendung zu rekapitulieren. Dies wirkte auf Portale wie Der Freitag eitel und unsouverän. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete seinen darauffolgenden Monolog, der wie eine Bedienungsanleitung zur Sendung aufgebaut gewesen sei, als oberlehrerhaft und im Vortrag oft gehetzt und verkrampft.

    Gäste stehlen Florian Schroeder im "ZDF Journal Deluxe" die Show

    Zudem hätten die Gäste, wie die Grünen-Politikerin Lang, dem Moderator die Show gestohlen, meinten andere Kritiker. Laut Berliner Morgenpost konterte Lang Schroeders vorbereitete Pointen und Fragen schlagfertig und gelassen. Sogar das Studio-Publikum habe ihr so stark applaudiert, dass selbst Schroeder scherzte, das Publikum sei "nicht gut gebrieft". Auch die Gesprächsrunde mit den Journalisten Ronen Steinke (Süddeutsche Zeitung) und Dorothea Schupelius (Welt TV) kam in der Kritik nicht gut weg. Sue sei harmonisch geblieben und habe kaum inhaltliche Reibungspunkte oder satirische Schärfe geboten.
    Gags – wie Vergleiche der Grünen mit der FDP oder ein Witz über Ukrainer, die das Internet ausdrucken – wurden als flach oder sachlich falsch oder schlicht "unterste Schublade" bewertet. "Satire muss nicht nur in alle Richtungen austeilen können, sie muss vor allem auf einem Faktenfundament stehen, sonst ist es nicht Satire, sondern nur Albereien", schrieb das Portal "web.de".

    Zunächst 4 Ausgaben vom Journal Deluxe geplant

    Die neue Satireshow "Journal Deluxe" ist gestern Abend gestartet. Ab 18 Uhr war sie in der Mediathek abrufbar. Schroeder begrüßte sein Publikum mit den Worten: "Liebe Linke, salam aleikum, ich küss‘ dein Herz, Bruder!" Mit diesen Worten und Sprachbildern aus dem Arabischen spielte er auf die Diskussionen um die Verbindungen der Partei Die Linke in Berlin in das Milieu der organisierten Kriminalität an. Zunächst sind vier Ausgaben des Journal Deluxe geplant.
    In einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur hatte der Komiker vor dem Start gesagt, Satire habe die Aufgabe, sich für die liberale Demokratie stark zu machen, die derzeit unter Beschuss stehe. Sein größter Gegner sei der Rechtsextremismus. Dennoch wolle er vor allem auch Linke und Grüne aufs Korn nehmen
    Diese Nachricht wurde am 30.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.