
Es gebe ernsthafte Fragen zum Vorgehen der Polizei und der Entscheidung des Bezirksstaatsanwalts, erklärte Hochul. Eine ehemalige Studentin der renommierten Cornell-Universität wirft sieben männlichen Mitgliedern der Studentenverbindung Chi Phi vor, sie im Jahr 2024 mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht und über Stunden sexuell missbraucht zu haben. Ihre Aussagen führten jedoch nicht zu einem strafrechtlichen Verfahren. Einige der Beschuldigten weisen die Vorwürfe laut US-Medien in Teilen oder vollständig zurück.
"Lehrbuchreaktion auf ein Trauma"
"Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ich wurde vergewaltigt", soll die Angeklagte laut US-Medien damals gegenüber der Universitätspolizei ausgesagt haben. Der zuständige Bezirksstaatsanwalt will ein Dokument mit dieser Aussage allerdings nie von der Universität erhalten haben. Er sagte, in der Erklärung, die er kenne, habe die Frau nichts beschrieben, was eine Straftat dargestellt hätte. Der Jurist war damals maßgeblich an der Entscheidung beteiligt, kein Verfahren einzuleiten. Der Anwalt der Frau sagte dem Sender CNN, seine Mandantin habe zunächst verdrängt, dann zunächst Scham empfunden und schließlich zu der Erkenntnis gelangt, dass sie von Menschen vergewaltigt wurde, die sie für ihre Freunde gehalten habe. "Ihre Reaktionen waren eine Lehrbuchreaktion auf ein Trauma", so der Anwalt.
Lokale Behörden in der Kritik
Das der Fall wieder in den Blickpunkt rückte, liegt an einer im September eingereichten Zivilklage der ehemaligen Studentin. Anschließend verbreitete sich der Fall stark über soziale Medien und wurde von nationalen US-Medien aufgenommen. Dabei gerieten besonders die lokalen Behörden in die Kritik. Zugleich trifft der Fall auf eine seit Jahren geführte Debatte über sexualisierte Gewalt an US-Hochschulen und die Rolle von Studentenverbindungen. Cornell ist eine private Universität und gehört zur sogenannten Ivy League, einer Gruppe renommierter Elite-Universitäten im Nordosten des Landes.
Verbindungsgruppe aufgelöst
Die Cornell-Gruppe von Chi Phi wurde bereits 2024 aufgelöst und hat weiterhin keinen Zutritt zum Campus, wie es auf der Website der Universität heißt. Das sei die Folge einer über mehrere Monate laufenden Untersuchung gewesen, hieß es. Zudem seien Exmatrikulationen und Suspendierungen verhängt worden. Gegen wen sich diese richten, teilte die Universität nicht mit. Behauptungen, den Beschuldigten sei als Strafe bloß das Schreiben eines Aufsatzes auferlegt worden, wies die Universität als falsch zurück.
Diese Nachricht wurde am 02.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
