
Wortwahl und Tonfall entschieden mit darüber, wie Patienten ihren Arztbesuch verstehen und erleben, so der Leiter des Instituts für Didaktik in der Medizin am Universitätsklinikum Essen. Benson sagte der Deutschen Presse-Agentur, Kommunikation spiele neben Fachwissen und adäquater Versorgung der Patienten eine immense Rolle. Häufig bestimmten kleine Nuancen, ob eine Person ihre Behandlung motiviert angehe und ein Medikament tatsächlich nehme - insgesamt also, ob es Besserung gebe. Hinzu komme: Bei einer guten Gesprächsatmosphäre trauten sich Patienten eher mitzuteilen, wenn etwas nicht in ihrem Sinne läuft - ohne einfach das verschriebene Medikament wegzulassen.
Vertrauensbasis wird bei der ersten Begegnung geschaffen
Auch der Arzt und Kommunikationstrainer Wolfgang Kölfen sagt, die "Bodenplatte" aus Vertrauen werde schon bei der ersten Begegnung gesetzt. Gute Kommunikation beginne bereits vor Untersuchung und Diagnose: Schon die erste Begrüßung spiele eine Rolle. Auch Benson betont, wie wichtig es sei, als Patient im Gespräch erst einmal anzukommen. Eine gute Idee für Hausärzte sei, Patienten aus dem Wartezimmer abzuholen.
Die US-Ärztin Wendy Harpham fügt in ihrem Buch "Clinical Communication" hinzu,
Medizinern könne es helfen, sich selbst zu fragen, wie verunsichert sie von einer bestimmten Frage wären - und welche Formulierung sie selbst besser fänden.
Medizinern könne es helfen, sich selbst zu fragen, wie verunsichert sie von einer bestimmten Frage wären - und welche Formulierung sie selbst besser fänden.
Ungünstige Folgen durch "Noceboeffekt"
Benson verweist auch auf den sogenannten "Noceboeffekt" - das Gegenteil des Placeboeffekts. Während beim Placeboeffekt allein die positive Erwartung zu einer Verbesserung der Symptome oder einer gesteigerten Wirkung von Medikamenten und Therapien beiträgt, umfasst der Noceboeffekt ungünstige Gesundheitsfolgen durch negative Erwartungen. Wenn ein Arzt beispielsweise "10 Prozent der Patienten haben Nebenwirkungen" sage statt "9 von 10 Patienten vertragen das Medikament gut", könne der Noceboeffekt greifen.
Eine Forschungsgruppe um Benson berichtet in der 'Pflegezeitschrift' über ein Experiment mit dem Opioid Remifentanil. Dabei habe sich gezeigt, dass die schmerzlindernde Wirkung des Medikaments größer war, wenn Studienteilnehmer darüber informiert waren, dass sie mit einem "hochwirksamen" Opioid behandelt wurden. Wurden hingegen Informationen gegeben, die negative Erwartungen und Sorge vor verstärktem Schmerz auslösten, habe das Medikament seine schmerzlindernde Wirkung fast vollständig verloren. Mangelhafte Kommunikation könnte außerdem dazu führen, dass Patienten die Therapie abbrechen, sich unwirksamen Alternativbehandlungen zuwenden oder auch generell häufiger zum Arzt gehen.
Benson: "Bewusstsein für die Wichtigkeit von richtiger Kommunikation nimmt immer mehr zu"
Prinzipiell sieht Benson das Gesundheitssystem aber auf gutem Weg. Kommunikation werde an medizinischen Fakultäten in Deutschland überall und flächendeckend unterrichtet, zahlreiche Fakultäten thematisierten Placebos und Nocebos. Der Forscher ist überzeugt: "Das Bewusstsein dafür, dass Kommunikation eine zentrale Rolle spielt und große Effekte hat, wird immer größer."
Diese Nachricht wurde am 11.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
