20. Oktober 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind weiterhin die Krawalle in Frankreich sowie der unklare Kurs von US-Präsident Trump im Ukraine-Krieg. Zunächst aber geht es um eine mögliche künftige rot-rot-grüne Landesregierung in Berlin.

Elif Eralp, Vorsitzende der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Werner Graf, Co-Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, und Steffen Krach, Fraktionsvorsitzender der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz
Nach dem Ende der Sondierungen haben sich die Grünen und die SPD in Berlin für Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei ausgesprochen. (picture alliance / Volodymyr Sindieiev / Volodymyr Sindieiev)
Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg meint dazu: "Davon geht das Abendland nicht unter, wenn sich Linke, Grüne und Sozialdemokraten in Berlin zu einer Koalition zusammentun. Aber erginge es der Hauptstadt mit einem solchen Bündnis besser? Würden die drei Parteien konstruktiver zusammen regieren als zuletzt CDU und SPD? Wahrscheinlich nicht. Abgesehen von dem Fakt, dass die Berliner CDU sich unter Kai Wegner selbst ins Aus regiert hat, gibt es keinen überzeugenden Grund, für ein linksgeführtes Bündnis an der Spree. Wie gesagt: Die Republik wird weiterhin bestehen. Doch dass es den Berlinern besser gehen wird - das ist nahezu ausgeschlossen", ist die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG überzeugt.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER analysiert: "Berlin bräuchte eine Regierung, die pragmatisch, unideologisch und konsequent die vielen Probleme der Hauptstadt anpackt. Ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD wäre das Gegenteil davon. Trotz aller Beteuerungen bleiben Teile der Linkspartei in Berlin antisemitisch. Trotz aller symbolischen Distanzierung bleiben Verbindungen ins Clan-Milieu bestehen. Und es kommt noch dicker: Der Plan, rund 160.000 Wohnungen zu enteignen, wird Milliarden kosten und hilft keinem Wohnungssuchenden. Laut dem Sondierungspapier sollen auf kommunaler Ebene und auf Landesebene alle Menschen wahlberechtigt sein, die mindestens fünf Jahre in Deutschland leben. Das heißt, Linke, Grüne und SPD wollen auch ausreisepflichtigen Personen die Möglichkeit geben, über die Zukunft Berlins zu entscheiden. Das ist eine weitere verrückte Idee. Berlin hat Besseres verdient", betont der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Der TAGESSPIEGEL aus Berlin kommentiert die Pläne der Parteien zur Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen: "Vorsicht mit Superlativen – an dieser Stelle ist jedoch einer angebracht: Der Linkspartei in Berlin ist etwas Historisches gelungen. Erstmals seit Gründung der Bundesrepublik haben sich Parteien, die eine Landesregierung bilden wollen, darauf verständigt, den Artikel 15 im Grundgesetz anzuwenden. Doch so groß der Erfolg ist, so groß ist jetzt auch die Fallhöhe für die Partei. Nicht wenige Berlinerinnen und Berliner dürften mit der Vergesellschaftung die Erwartung verbinden, dass nun schnell ihre eigene Miete sinkt. Richtig ist, dass sie im besten Fall weniger stark ansteigen würde", notiert der TAGESSPIEGEL.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG blickt auf die Rolle der Berliner SPD: "Berlins SPD-Landeschef Steffen Krach wiederholte sein Versprechen mehrmals: Seine Partei werde in keine Koalition eintreten, deren Programm die Verstaatlichung von Wohnungen vorsieht, sagte er vor den Wahlen. Doch jetzt wollen Krach und die SPD doch mitregieren – in einer Koalition unter Führung der Linken, des Wahlsiegers. Und in den Sondierungsgesprächen haben sich die Partner darauf geeinigt, 160.000 Wohnungen zu vergesellschaften. Trotzdem spricht Krach von einem 'absolut vertretbaren Kompromiss'. Klar, ursprünglich wollten die Linken mehr als 200.000 Wohnungen verstaatlichen. Jetzt sind es einige Zehntausend weniger. Das macht den Plan aber nicht zu einer Enteignung light. Das Vorhaben bleibt brandgefährlich, und es ist tieftraurig, dass die Sozialdemokraten das mittragen", so die Meinung der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.
Die NÜRNBERGER ZEITUNG schaut über Berlin hinaus: "In der SPD träumen manche von Rot-Grün-Rot im Bund - mit einer Kanzlerin Manuela Schwesig. Das aber wäre zum einen ein außen-, sicherheits- und wirtschaftspolitisches Risiko. Und zum anderen: ein Kurs ganz nach dem Fahrplan der AfD, die auf diese Spaltung der Demokraten der Mitte setzt. Die Union würde dazwischen zerrieben. Deutschland braucht eine stärkere Mitte, keine Stärkung der Extreme", mahnt die NÜRNBERGER ZEITUNG.
Die NEUE PRESSE aus Coburg kommentiert die Gewaltausbrüche in Frankreich: "Die Perspektivlosigkeit in vielen Banlieues, die Stigmatisierung durch die Polizei oder Arbeitgeber, die Bewerber mit arabisch klingenden Namen oder aus bestimmten Wohnorten vorab aussortieren, wird seit Jahrzehnten hingenommen. Nirgendwo wird das Versprechen der Gleichheit aller häufiger gebrochen. Zwar rechtfertigt dies in keinster Weise die Zerstörungswut oder die Plünder-Exzesse vom vergangenen Wochenende. Diese muss die Regierung ahnden. Zugleich muss sie aber auch die tieferen Gründe für den unbändigen Zorn bekämpfen, will sie die Gewalt-Spirale beenden", findet die NEUE PRESSE aus Coburg.
Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg blickt auf die Lage in Deutschland: "Auch wenn die Mehrheit bislang friedlich demonstriert hat - wütend sind viele junge Menschen. Auch in Deutschland. Wütend, dass ihre Chancen - auf eine gute Bildung, einen erträglichen Arbeitsplatz - kleiner werden. Dass sie nicht den Wohlstand ihrer Eltern erreichen werden. Nicht jeder wird später ein reicher Erbe sein. Und dass ihre Anliegen kaum gehört werden. In Deutschland eskalieren Demonstrationen in der Regel nicht so wie in Frankreich. Aber es brodelt: immer mehr junge Menschen fühlen sich auch von radikalen Ideen angezogen. Höchste Zeit, mehr miteinander zu sprechen", fordert die BADISCHE ZEITUNG.
Der CICERO warnt: "Diese Gewaltausbrüche sind ein Vorgeschmack auf das, was auf ganz Europa und den Westen wartet, wenn die Schwächung und Auflösung der Bindekräfte westlicher Gesellschaften voranschreitet, an der tonangebende Teile der Eliten innerhalb des Westens mit postkolonialem Eifer arbeiten. Nicht nur die plündernden Meuten sind eine tödliche Gefahr für den Fortbestand des Westens. Vielleicht noch gefährlicher sind diejenigen, die nicht selbst Hand anlegen, sondern die niedersten Affekte und Aggressionen mit islamischen und linksradikalen, jedenfalls antiwestlichen, zivilisationsfeindlichen Ressentiments aufhetzen", unterstreicht der CICERO.
Abschließend noch Stimmen zum Annäherungskurs des US-Präsidenten an Russland. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG kritisiert: "Trump stärkt den Aggressor und lässt den Überfallenen im Stich. Das macht er nicht zum ersten Mal, doch so nah wie jetzt kam er einem vollständigen Seitenwechsel noch nie. Mit seinen Beschlüssen stützt Trump seine abenteuerliche Behauptung, wer schuld sei an den hohen Spritpreisen, die den Republikanern den Wahltag zu verhageln drohen: Selenskyj, der es wagt, russische Raffinieren anzugreifen, um die Versorgung der russischen Invasionsarmee und das Auffüllen ihrer Kriegskasse zu erschweren. Fällt die Ukraine in Putins Hand, dann wird er sich mit ihr so wenig zufriedengeben, wie Hitler das Sudetenland und die 'Resttschechei' genügten", gibt die F.A.Z. zu bedenken.
Ähnlich sieht es die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg: "Russland solle nicht vom Verhandlungstisch vertrieben werden, schwadroniert Trump. Was für eine politische Bankrotterklärung. Putin kann diesen Krieg jederzeit beenden, indem er die Ukraine verlässt. Statt ihm den Preis für jeden Kriegstag hochzutreiben, belohnt Trump schon die Aussicht, der Kremlherr könnte irgendwann darüber reden. Putin kassiert. Die Ukraine blutet", so das Fazit der SCHWÄBISCHEN ZEITUNG.
Die Ulmer SÜDWEST-PRESSE kommentiert das von Putin vorgeschlagene Dreiertreffen mit den Präsidenten Xi und Trump Mitte November in China. "Xi hält sich zwar öffentlich aus dem Konflikt heraus. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass Russland ohne die Hilfe des Nachbarlandes im Krieg wesentlich schwächer dastünde. Der Krieg wird nicht enden, solange beide Seiten noch eine Möglichkeit des Sieges sehen. Diese Balance will Trump außer Kraft setzen, um zu Ergebnissen zu kommen. Während er Putin mit Zugeständnissen entgegenkommt, setzt er gegenüber der Ukraine auf die Strategie einer schleichenden Schwächung. Sowohl Trump als auch Selenskyj wissen, dass Europa kurzfristig nicht einspringen kann. Es läuft auf nicht weniger hinaus als auf eine Erpressung zu einer Art Diktatfrieden – dessen Bedingungen Putin bestimmt", erwartet die SÜDWEST-PRESSE, mit der diese Presseschau endet.