
Der Anschlagsversuch auf dem Flughafen Leipzig/Halle sei dafür nur ein Beispiel. Von keinem anderen Land gehe aktuell eine so direkte, umfassende und konkrete Bedrohung gegen Deutschland aus, sagte der BND-Chef. Deutschland sei zu einem Haupthindernis russischer hegemonialer Machtprojektion in Europa und damit zur Zielfläche russischen Handelns geworden.
"Russland drängt Deutschland Konfrontation auf"
Jäger warf Russland vor, Deutschland diese Konfrontation aufzudrängen. Grund sei, dass die Bundesregierung die Ukraine sowie die baltischen EU- und NATO-Staaten unterstütze. Russland sei bereit, zur Erreichung eigener Ziele Gewalt anzuwenden.
Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Selen, berichtete in der Sitzung von russischen Aktivitäten in Deutschland. "Neben den bekannten Spionagetätigkeiten sehen wir die Bereitschaft zu Sabotage und zu Tötungsoperationen", sagte der Chef des Inlandsgeheimdiensts. "Insbesondere der Sektor Transport und Verkehr, die Verteidigungsindustrie und militärische Infrastruktur liegen hierbei im Fadenkreuz."
Martina Rosenberg, die Präsidentin des dritten deutschen Nachrichtendiensts, des Militärischen Abschirmdiensts (MAD), berichtete ebenfalls von wachsenden Bedrohungen. Auch die Bundeswehr sei "durch vielfältige Gefahren von außen wie von innen bedroht", sagte sie. Es gebe "Handlungen, die von der Öffentlichkeit vielleicht zunächst einmal nicht bemerkt werden - wie die Verbreitung von Desinformationen oder Cyberangriffe".
Behördenchefs verteidigen Reformen
Alle drei Geheimdienst-Leiter verteidigten die geplanten erweiteren Befugnisse für ihre Behörden. Sich der russischen Aggression entgegenzustellen erfordere auch eine Neuausrichtung des Bundesnachrichtendienstes, betonte Jäger. Er warb vor diesem Hintergrund für das neue BND-Gesetz und begrüßte die darin geplante Ausweitung und Vereinheitlichung der Kontrollmechanismen. Ähnlich äußerte sich MAD-Chefin Rosenberg. Das aktuelle MAD-Gesetz stamme noch aus dem Jahr 2004 - seitdem habe sich aber vor allem die Art und Weise revolutioniert, wie man kommuniziere. Selen ergänzte, die Transformation des Bundesamts für Verfassungsschutz hin zu einem "operativen Abwehrdienst nach dem Vorbild demokratisch kontrollierter und legitimierter europäischer Partnerdienste" sei das Gebot der Stunde.
Geheimdienste sollen Cyber-Gegenangriffe durchführen können
Nach den Regierungsplänen sollen die Befugnisse der Nachrichtendienste bei der Sammlung, Speicherung und automatisierten Auswertung von Daten erheblich ausgeweitet werden. Zudem sollen sie erstmals die Möglichkeit erhalten, Bedrohungen wie Sabotageakte oder Hackerangriffe aktiv durch Gegenangriffe zu bekämpfen.
In der Regel äußern sich die Geheimdienstchefs nur in streng vertraulichen Sitzungen des Kontrollgremiums. Einmal jährlich findet die Befragung aber öffentlich statt. Sie wird auf der Internetseite des Bundestags live übertragen.
Diese Nachricht wurde am 05.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.






