Ausschreitungen in Frankreich
Brandstiftung am historischen Rathaus von Limoges: Polizei fasst Verdächtigen

Die französische Polizei hat Medienberichten zufolge einen Mann gefasst, der an der Brandstiftung im Rathaus von Limoges beteiligt gewesen sein soll. Das mehr als 140 Jahre alte Gebäude war am Wochenende in Flammen aufgegangen, als es am Rande von Protesten gegen steigende Lebenshaltungskosten zu Gewalt kam.

    Das historische Rathaus der französischen Stadt Limoges brennt.
    Das historische Rathaus von Limoges ist durch die Brandstiftung schwer beschädigt worden. (AFP / MELAINE PAYZAL)
    Die Zeitung "Le Parisien" und der Sender "CNews" berichten unter Berufung auf die Polizei, Spezialeinsatzkräfte hätten den Verdächtigen in einem Ort im Umland von Limoges festgenommen. Es handle sich um einen 40 Jahre alten Linksextremisten, der von den Behörden als sicherheitsrelevant erfasst ist. Nach Informationen des Senders RTL ist der Verdächtige den Ermittlern bereits wegen Gewalt gegen Amtsträger bekannt.
    In der vergangenen Nacht blieb die Lage in Frankreich nach den Worten von Premierminister Lecornu ruhig. Die Behörden hatten unter anderem in Vierteln von Paris, Bordeaux, Lyon, Lille und Nizza Ausgangssperren verhängt. Lecornu schrieb auf X, auch für die kommende Nacht könnten Verbote ausgesprochen werden, wenn es die Situation erfordere. So sollen weitere Ausschreitungen und Plünderungen wie am vergangenen Wochenende verhindert werden.

    "Polizeieinsatz gescheitert": Parlamentspräsidentin fordert Aufklärung

    Die Fraktionen der Nationalversammlung in Paris einigten sich darauf, einen Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Ausschreitungen und des Vorgehens der Ordnungskräfte einzusetzen.
    Die Polizei hatte mehr als 2.300 Menschen festgenommen. Justizminister Darmanin sagte, er habe die Staatsanwaltschaften gebeten, hart und unnachgiebig gegen Personen vorzugehen, die Polizisten oder Feuerwehrleute angegriffen hätten.

    Cohn-Bendit: "Ungerechtigkeitslücke wird größer"

    Der deutsch-französische Politiker und Publizist Cohn-Bendit sieht in sozialen Problemen die Ursache für die Proteste. Er sagte im Deutschlandfunk , es gebe in Frankreich eine tiefgehende Unzufriedenheit, 30 Prozent der Menschen hätten am Monatsende finanzielle Probleme, Jugendliche aus den Banlieus sähen in den Städten einen Reichtum, den sie nie erreichen könnten.
    In der heutigen Gesellschaft werde die Ungerechtigkeitslücke immer größer, meinte Cohn-Bendit. Der Spätkapitalismus habe viel Gutes erreicht, aber dieses Problem habe er in keinem Land der Welt gelöst. Das sei einer der Gründe, warum eine Gesellschaft nach ganz rechts oder links drifte.
    Französische Gewerkschaften haben für den 5. November zu ​neuen Demonstrationen aufgerufen .

    Auch italienische Regierung erwägt Ausgangssperren

    In Italien kündigte die Regierung an, 500 weitere Soldaten nach Mailand zu schicken, um neue Ausschreitungen zu verhindern. Auch hier werden Ausgangssperren erwogen. In Mailand sowie in Turin und Bologna waren in den vergangenen Tagen zunächst friedliche Proteste in Gewalt umgeschlagen.
    Diese Nachricht wurde am 20.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.