Berlin
CDU berät über Wege aus der Krise - Hoppermann: "Klausur ist keine Wunderwaffe"

Die CDU steckt in einer schweren Krise. Die Führungsspitze berät in Berlin zwei Tage lang über die jüngsten Entwicklungen der Partei nach den Landtagswahlen. Auch die Amtsführung des Vorsitzenden und Bundeskanzlers Merz dürfte Thema sein. Zum Auftakt sagte Generalsekretärin Hoppermann, es gehe darum, das Vertrauen in die Partei und die Politik zurückzugewinnen.

    Blick von unten auf das Konrad-Adenauer-Haus in der Abenddämmerung. In der oberen Bildhälfte im Vordergrund eine leuchtende Laterne.
    Das Konrad-Adenauer-Haus in Berlin (Michael Kappeler / dpa /)
    Hoppermann betonte, die Klausur sei nicht die eine Wunderwaffe, sondern der Beginn eines Prozesses, den man sowohl in der Bundesregierung und der Regierungspolitik als auch in der Partei beginne. Es gehe darum, zu alter Stärke zurückzufinden und den Anspruch als Volkspartei zu untermauern. Man habe die Warnsignale der Landtagswahlen im September deutlich wahrgenommen.

    Schnieder plädiert für Senkung der Stromsteuer für alle

    Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Schnieder schlug im ARD-Fernsehen als konkrete Maßnahme vor, die Stromsteuer für alle zu senken, um die hohen Energiepreise abzufedern. Das sei im Koalitionsvertrag in Aussicht gestellt, aber nicht umgesetzt worden. "Das macht Vertrauen kaputt, weil es versprochen war", so Schnieder.
    An der Klausurtagung nehmen Merz sowie das gesamte Parteipräsidium teil, das rund 25 Mitglieder hat. Der Termin war angesetzt worden, nachdem die Christdemokraten bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern erstmals den Einzug in ein Landesparlament verfehlt hatten.

    Seehofer kritisiert Merz' Aussagen

    Der frühere CSU-Chef Seehofer verurteilte insbesondere Merz' Kommunikation zur Arbeitsmoral in Deutschland. Aussagen wie, die Deutschen würden zu wenig arbeiten und zu viel krankfeiern, verletzten Menschen, sagte Seehofer der "Bild am Sonntag" und verwies auf "eine Krankenschwester, die ohnehin schon Wochenend- und Nachtschichten schiebt." Diese pauschale Sprache gehe völlig an der Realität vorbei. Bei Audi erlebe er Arbeitnehmer, die gerne mehr arbeiten würden, denen man aber stattdessen Aufhebungsverträge anbiete, so der frühere bayerische Ministerpräsident und ehemalige Bundesinnenminister Seehofer.

    "Massiver Glaubwürdigkeitsverlust"

    Seehofer kritisierte darüber hinaus, Merz habe durch den Bruch von Wahlversprechen einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust erlitten. Das Sofortprogramm von CDU und CSU habe an erster Stelle eine Senkung der Stromsteuer für alle versprochen. Passiert sei aber nichts.
    Diese Nachricht wurde am 11.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.