Frankreich
"Entsetzliches Ausmaß an Gewalt": viele Verletzte nach landesweitem Protesttag - Präsident Macron droht Randalierern

Bei den schweren Ausschreitungen in Frankreich sind nach Angaben der Polizei allein in Paris 855 Menschen festgenommen worden. Die Polizei sprach von einer Rekordzahl. 13 Polizisten sowie zwei Feuerwehrleute seien bei den Auseinandersetzungen mit gewalttätigen Gruppen verletzt worden, hieß es weiter.

    Ausschreitungen in Paris: Ein Demonstrant wirft eine Palette in ein Feuer.
    Krawalle und Ausschreitungen in Paris. (AFP / DIMITAR DILKOFF)
    Auch in anderen Städten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Maskierte setzten Autos in Brand und plünderten Geschäfte. Landesweit gab es nach einer neuen Bilanz etwa 1.800 Festnahmen.
    Regierungschef Lecornu sprach von einem "entsetzlichen Ausmaß an Gewalt". Die Polizei habe den ganzen Tag über einer "besonders gewalttätigen Ultralinken" gegenübergestanden, die sehr gut organisiert gewesen sei. Diese habe versucht, Eigentum, Personen, aber auch "die Institutionen der Republik anzugreifen", erklärte Lecornu. Es handle sich dabei "um ein politisches Manöver, das Gewalt billigt".

    Millionenschäden durch Gewalt - Historisches Rathaus in Limoges angezündet

    Das Ausmaß der durch die Gewalt und Plünderungen verursachten Schäden sei noch nicht absehbar. In Limoges wurde das unter Denkmalschutz stehende Rathaus angezündet, das weitgehend ausbrannte. Der Bürgermeister der zentralfranzösischen Stadt, Guérin, sagte, es gebe "keine Worte, um das Geschehene zu verurteilen".

    Macron droht Randalierern mit Konsequenzen

    Präsident Macron drohte den Verantwortlichen mit Konsequenzen. Diejenigen, die Rathäuser, Präfekturen und Geschäfte angegriffen und zerstört hätten würden strafrechtlich verfolgt und bestraft, erklärte er. In Frankreich sei kein Platz für Gewalt.
    An den landesweiten Protesten und Demonstrationen beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums mehr als 550.000 Menschen. Die Gewerkschaft CGT sprach von 800.000 Teilnehmern. Dem Protesttag hatten sich verschiedene Gruppierungen angeschlossen, darunter Schüler und Studenten, die seit Wochen für bessere Lernbedingungen demonstrieren. Der Protestaufruf richtete sich auch gegen hohe Lebenshaltungskosten, hohe Spritpreise und niedrige Löhne.

    Regierung befürchtet breitere Proteste und Neuauflage der "Gelbwesten"

    Die Regierung befürchtet, das aus den Schüler- und Studentendemonstrationen breitere Proteste entstehen und es zu einer Neuauflage der sogenannten Gelbwestenbewegung kommt. Diese hatte das Land 2019 über Monate mit Protesten und Blockaden teilweise lahmgelegt.
    Aufgrund der hohen Verschuldung und des hohen Haushaltsdefizits hat die Regierung allerdings kaum Spielraum, um auf Forderungen der Demonstranten einzugehen. 
    Diese Nachricht wurde am 18.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.