Interview der Woche
EU-Handelskommissar Šefčovič wünscht sich im Handels-Konflikt mit China schnellere und wirkungsvollere Schutzinstrumente

EU-Handelskommissar Šefčovič plädiert vor den geplanten Handelsgesprächen mit China für ein einheitliches Vorgehen und schnellere Entscheidungen der europäischen Mitgliedsstaaten. Šefčovič sagte im "Interview der Woche" des Deutschlandfunk, er begrüße den deutsch-französischen Vorstoß in der Handelspolitik gegenüber China. Demnach soll die EU-Kommission die Möglichkeit erhalten, kurzfristig auf unfaire Handelspraktiken reagieren zu können.

    Maroš Šefčovič, Kommissar für Handel der Europäischen Union, gibt nach einem Gespräch mit seinem chinesischen Kollegen eine Pressekonferenz zu den EU-China-Beziehungen.
    EU-Handelskommissar Šefčovič (picture alliance / dpa / Malin Wunderlich)
    Beide Regierungen hatten am Montag ein informelles Papier für den EU-Gipfel in der kommenden Woche vorgelegt. Die EU-Kommission soll demnach in die Lage gebracht werden, China bei Wettbewerbsverzerrungen oder unfairen Handelspraktiken innerhalb von nur wenigen Tagen mit Strafmaßnahmen zu belegen.

    EU arbeitet an wirkungsvollerem Handelsschutz

    Šefčovič erläuterte, die Europäische Union arbeite intensiv daran, die Handels-Schutzinstrumente so zu gestalten, dass sie schneller, zielgerichteter und wirkungsvoller eingesetzt werden könnten. Eine schnellere Entscheidungsfindung könnte eine Änderung der Abstimmungsmuster erfordern. Die Staats- und Regierungschefs müssten sich mit der Frage befassen, ob sie diesen Weg einschlagen wollten. Dafür wären Gesetzesänderungen erforderlich, betonte Šefčovič im Dlf.

    EU importiert viel mehr Waren aus China als umgekehrt

    Die EU importiert deutlich mehr Waren aus China als umgekehrt, der Unterschied liegt inzwischen bei mehr als einer Milliarde Euro pro Tag. Brüssel wirft Peking vor, dieses Ungleichgewicht mit Staatshilfen absichtlich zu verstärken. Europäische Firmen befürchten zudem, China könnte sie im Falle eines Handelsstreits von Rohstoff- oder Halbleiterlieferanten abschneiden.
    Der EU-Handelskommissar reist an diesem Donnerstag für zwei Tage nach Peking. Geplant ist unter anderem ein Treffen mit Handelsminister Wang Wentao.
    Diese Nachricht wurde am 08.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.