Spionageverdacht
Ex-BND-Präsident Hanning in U-Haft

Der frühere BND-Präsident Hanning sitzt in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe hat nach Angaben der Behörde den Haftbefehl gegen den 80-Jährigen in Kraft gesetzt. Die oberste Anklagebehörde in Deutschland wirft Hanning geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor. Er war gestern festgenommen worden.

    August Hanning, der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes
    August Hanning, der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
    Hannings früherer Büroleiter beim Bundesnachrichtendienst (BND), Manfred D., war am Dienstag wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung in U-Haft gekommen. Einige Stunden zuvor hatten Beamte des Bundeskriminalamts die beiden auf Grundlage von Haftbefehlen festgenommen - Hanning im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen, sein Büroleiter im bayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

    Ex-Chef mit geheimen Infos aus dem BND versorgt?

    Die Behörden vermuten, dass die beiden vermutlich 2010 vereinbart haben, dass der Ex-Büroleiter dem fünf Jahre zuvor aus dem Amt geschiedenen Hanning gegen Bezahlung fortlaufend wertvolle BND-Erkenntnisse besorgen solle. Diese Informationen soll Hanning gewinnbringend bei seiner Beratertätigkeit verwertet haben. 
    Demnach hätte Hanning über einen Zeitraum von möglicherweise zwölf Jahren über Informationen verfügt, die ausschließlich für interne Angelegenheiten des deutschen Auslandsgeheimdienstes gedacht waren. In einem Fall soll er geheime Informationen genutzt haben, um für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates eine Analyse zu erstellen. "Ob das Produkt den Adressaten erreichte, ließ sich bislang nicht feststellen", teilte die Bundesanwaltschaft mit. Um welches Land es geht, blieb offen.

    Block-Prozess brachte die Ermittler auf die Spur

    Die mutmaßliche Spionage flog bei einer Razzia bei Hanning im vergangenen Jahr auf. Dabei ging es ursprünglich um ganz andere Vorwürfe im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Entführung der Kinder von Steakhauskettenerbin Christina Block. Was bei der Durchsuchung gefunden wurde, rief die Bundesanwaltschaft auf den Plan. 

    Enge Weggefährten

    Hanning war von Dezember 1998 bis Ende November 2005 BND-Präsident. Laut Bundesanwaltschaft soll Manfred D. zwischen Dezember 2005 und November 2009 Hanning als Assistent ins Bundesinnenministerium gefolgt sein, wo dieser Staatssekretär war. Im Anschluss wechselte Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater. 
    Manfred D. arbeitete laut Bundesanwaltschaft zwischen März 2012 bis März 2026 erneut für mehrere BND-Präsidenten als Büroleiter. In dieser Funktion habe er Zugriff auf geheimhaltungsbedürftige Informationen gehabt. Nach dpa-Informationen ist Manfred D. mittlerweile pensioniert.
    Diese Nachricht wurde am 07.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.